Sauerei

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Der Seenplatte gehen die Tierärzte aus

Wenig Urlaub, ständige Bereitschaft und die Arbeitsbedingungen machen die Suche nach jungen Tierärzten nicht einfacher.
Wenig Urlaub, ständige Bereitschaft und die Arbeitsbedingungen machen die Suche nach jungen Tierärzten nicht einfacher.
Carmen Jaspersen

Während Hunde und Katzen gut versorgt sind, müssen Nutztiere oft lange oder sogar vergeblich auf einen Tierarzt warten. Dem Landkreis fehlen die Veterinäre für Nutztiere. Da weinen schon mal die Tierhalter am Telefon.

„Der Schweinebereich ist verloren. Der Geflügelbereich ist verloren“, zählt Dr. Guntram Wagner, Leiter des Kreis-Veterinäramtes, die Probleme auf. Es sind klare und ernste Worte, die im jüngsten Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt und Erneuerbare Energien zum Thema Tierarztversorgung im Landkreis fallen. Die Situation sei deutschlandweit angespannt, sagt Wagner.

Die aktuell praktizierenden Tierärzte konzentrieren sich fast ausschließlich auf Kleintiere. Die Veterinäre, die noch zu Kühen, Schweinen und Schafen rausfahren, sind in der Mehrheit kurz vor dem Rentenalter. Und der Tierärztenachwuchs verspricht kaum eine Verbesserung der Lage, denn nach Informationen von Wagner würden sich die Hochschulabsolventen der vergangenen 15 Jahre zu 85 Prozent für Kleintier- oder Pferdepraxen entscheiden.

Kuh wird eher geschlachtet

„Das Image des Nutztierpraktikers ist auf dem Land noch gut, in den größeren Städten allerdings nicht. Da werden sie als unkritische Gehilfen der Massentierhaltung angesehen“, sagte Wagner den Ausschussmitgliedern. Wenig Urlaub, ständige Bereitschaft, auch die Arbeitsbedingungen machen die Suche nach jungen Tierärzten nicht leichter. Zudem fehlt in der Seenplatte der Tierbestand.

„Wir haben zu wenig Tiere in der Fläche und die Tiere sind zu wenig wert. Eine Kuh wird dann eher geschlachtet, statt den Tierarzt zu rufen. Das Tierarztproblem ist ein Problem der Landwirtschaftspolitik“, kritisierte Ausschussmitglied Hartwig Kurth (AFD), der selbst auch Landwirt ist.

„Weinende“ Tierhalter am Telefon

Der Trend gehe laut Guntram Wagner dahin, dass sich Tierärzte auf bestimmte Tierarten spezialisieren und sich in Großpraxen zusammenschließen, die dann große Anlagen in einem großen Umkreis versorgen. Was dabei aber fehlt, ist schnelle Hilfe vor Ort. Das kennt auch Ausschussmitglied Norbert Schumacher (Fraktion FDP/Piraten/AB/EB) aus Penzlin, der in Neubrandenburg eine Tierärztliche Gemeinschaftspraxis führt. „Wir versorgen Nutztiere nur noch wegen des Berufsethos und aus Loyalität zu Altkunden“, sagt Schumacher, der sich das nur aufgrund der Gemeinschaftspraxis leisten könne.

Schumacher habe früher fast ausschließlich Nutztiere behandelt und kaum Kleintiere. Das habe sich jetzt komplett gedreht. Schumacher gehört zu einem immer kleiner werdenden Kreis von Tierärzten, die bei Notfällen von Nutztieren noch ausrücken können, weil sie das Wissen und die Erfahrung mitbringen. Er bekomme regelmäßig auch Anrufe von Tierhaltern aus Vorpommern, die ihn „weinend“ darum bitten, Strecken von über 100 Kilometern auf sich zu nehmen, was nicht immer möglich ist und schon gar nicht wirtschaftlich. Schumacher verweist auf das schwedische Modell, wo Nutztiere durch staatlich angestellte Ärzte versorgt werden, so wie es das hier zu DDR-Zeiten auch schon gab.

Notdienst für Seuchenfälle abgedeckt

Für Tierärzte besteht Niederlassungsfreiheit. Der Markt regelt also die Versorgung. Der Ausschuss erkundigte sich auch darüber, was bei Ausbrüchen von Tierseuchen geschehe. Hier kann der Leiter des Kreis-Veterinäramtes Entwarnung geben. „Wir können Seuchenszenarien durch die Mitarbeiter des Veterinäramtes ganz gut abdecken. Der Notdienst ist sicher gestellt“, sagte Dr. Guntram Wagner.