Klimawandel konkret

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Säuft Vorpommern schon in wenigen Jahrzehnten ab?

Wenn der Meeresspiegel über einen Meter ansteigt, könnte Vorpommerns Küste wie hier bei Kamp aussehen.
Wenn der Meeresspiegel über einen Meter ansteigt, könnte Vorpommerns Küste wie hier bei Kamp aussehen.
Katja Müller/Archiv

Welche konkreten Auswirkungen der Klimawandel auf die Region haben wird, ist noch schwer vorherzusagen. Sicher scheint nur, dass es ohne den notwendigen Küstenschutz großflächige Überschwemmungen geben könnte.

Wenn alles so weitergeht, könnte sich der umstrittene Verkauf des Anklamer Stadtbruchs als genialer Schachzug erweisen, denn schon in wenigen Jahrzehnten könnte er ohne die entsprechenden Schutzmaßnahmen komplett überflutet sein, ebenso wie die Insel Schadefähre, der Süden der Insel Usedom und weite Teile des Peenetals. Zumindest geht aus dem Klimareport des Deutschen Wetterdienstes für Mecklenburg-Vorpommern hervor, dass der Meeresspiegel in der südlichen Ostsee bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um 50 bis 100 Zentimeter steigen könnte. Unabhängig davon, ob die Klimaschutzziele eingehalten werden oder nicht. Grund dafür sei vor allem das Abschmelzen der Eisschilde in der Antarktis und auf Grönland.

In dem Klimareport, der am Dienstag im Schweriner Energieministerium vorgestellt wurde, ist daher auch ein Beitrag des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrografie enthalten, der auf die große Bedeutung der langfristigen Planung der Küstenschutzbauwerke wie zum Beispiel Deiche hinweist. Andernfalls hätte der zu erwartende Anstieg gravierende Auswirkungen auf die Region. Laut einer virtuellen Simulation würde bei einem etwa einen Meter höheren Meereswasserspiegel nicht nur der Anklamer Stadtbruch unter Wasser stehen, auch der Ort Rosenhagen wäre von der Landkarte verschwunden, Bugewitz und Mönkebude nur noch kleine Inseln im westlichen Oderhaff.

Bald nur noch im Boot in die Innenstadt?

In Anklam wäre das südliche Bollwerk von Überschwemmungen bedroht, was natürlich Auswirkungen auf die dort geplanten Investitionen hätte, während auf der nördlichen Seite nur noch die Mülldeponie aus dem Wasser ragen würde. Flüsse und Bäche der Region wie Uecker und der Stegenbach wären um ein Vielfaches breiter. Die Peene würde aller Wahrscheinlichkeit nach überwiegend in Richtung Kummerower See fließen. Kinder, die heute geboren werden, bräuchten im hohen Alter ein Boot, um in die Ueckermünder Innenstadt zu kommen.

Auch wenn solche Simulationen nur beschränkte Aussagekraft haben und auch die Klimaforscher noch nicht genau vorhersagen können, wie hoch der Eintrag von Süßwasser durch das Abschmelzen der Gletscher und Eisschilde in Zukunft sein wird, herrscht im Klimareport Einigkeit darüber, dass der Meeresspiegel in der südlichen Ostsee langfristig ansteigen und damit Auswirkungen auf die Region haben wird. Lediglich in den etwas weiter von Peene, Haff und Peenestrom entfernten Gebieten können sich die Menschen in relativer Sicherheit wiegen. Dort würde laut Simulation auch bei einem fünf Meter höheren Stand des Meeresspiegels noch nicht viel passieren.

Kommentare (1)

ist nicht Holland. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Mehr als 30 Zentimeter steigt der Mehresspielel pro hundert Jahre keinesfalls! Wir sollten uns vielmehr Sorgen um die Folgen der unaufhaltsamen Bevölkerungsexplosion machen. Wir sind jetzt 7, 6 Milliarden. Im Jahr 2100 sind wir aber schon 13 Milliarden! Wir haben aber nicht mehr Platz als vorher. Gegenwärtig wächst die Weltbevölkerung jährlich um die Einwohnerzahl Deutschlands - um 80 Millionen Menschen!