MORDPROZESS IN NEUBRANDENBURG

▶ Angeklagter David H.: "Es ist ja nicht mein Kind."

Mordprozess um die getötete Leonie in Neubrandenburg: Das Protokoll der Vernehmung löste vor Gericht tiefe Bestürzung aus.
Gerald Bahr Gerald Bahr
Andreas Becker Andreas Becker
Matthias Stiel Matthias Stiel
Während sich der angeklagte Stiefvater, David H., und der leibliche Vater von Leonie, Oliver E., im Neubrandenburger Gericht gegenübersaßen, zeigte David H. dem Vater den Stinkefinger.
Während sich der angeklagte Stiefvater, David H., und der leibliche Vater von Leonie, Oliver E., im Neubrandenburger Gericht gegenübersaßen, zeigte David H. dem Vater den Stinkefinger. Bernd Wüstneck
Der leibliche Vater von Leonie zusammen mit seiner Lebensgefährtin.
Der leibliche Vater von Leonie zusammen mit seiner Lebensgefährtin. Andreas Becker
Dichtes Gedränge vor Gericht.
Dichtes Gedränge vor Gericht. Gerald Bahr
Die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch.
Die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch. Bernd Wüstneck
Der Beschuldigte Stiefvater soll Leonie schwer misshandelt und keine medizinische Hilfe geholt haben.
Der Beschuldigte Stiefvater soll Leonie schwer misshandelt und keine medizinische Hilfe geholt haben. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow sind die Emotionen am Dienstag hochgekocht. Oliver E., der Vater des Mädchens, beleidigte mehrfach den angeklagten Stiefvater David H., welcher ihm den Stinkefinger zeigte. Die Stimmung im Gerichtssaal war zu Beginn aggressiv: Einen ausführlichen Bericht zum ersten Teil des Prozessauftaktes finden Sie hier.

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Chronologie: Der Tod der sechsjährigen Leonie in Torgelow hat die ganze Region erschüttert. Hier zeichnen wir nach, was bisher geschah.
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David H. soll Leonie mehrfach schwer misshandelt haben, bevor sie an ihren Verletzungen starb. Er selbst bestreitet seine Tat. Vor Gericht schilderte Ermittlungsrichterin Daniela Lieschke, was David H. im Verhör zur Todesnacht am 12. Januar angegeben hatte:

Leonie sei mit einem Puppenwagen die Treppe hinunter gefallen, etwa zehn Stufen, und hatte danach Nasenbluten sowie Kopfschmerzen. Der Stiefvater habe sie dann in die Wohnung getragen, sich aber nicht weiter um die Verletzung gekümmert. Die Mutter habe das Kind dann ins Bett gelegt. Auf die Nachfragen der Ermittlerin hat David H. laut Vernehmungsprotokoll mehrfach betont: „Es ist ja nicht mein Kind.”

Ob das Kind anschließend bis zum Abendessen geschlafen oder oder bereits gespielt und herumgetobt habe, darüber gibt es demnach verschiedene Aussagen. Nach dem Abendessen sei es Leonie aber schlechter gegangen, sie habe sich erbrochen. David H. habe sie nach eigener Aussage in die stabile Seitenlage gebracht und mit dem Handy der Mutter den Notruf gerufen. Sein eigenes sei nicht eingeschaltet und ohne Simkarte gewesen.

Die Handy-Situation wird im Verlauf des Verfahrens noch eine wichtige Rolle spielen, H. wird vorgeworfern, nicht rechtzeitig medizinische Hilfe gerufen zu haben, um so die Tat zu verdecken.

Beziehungsstreit vier Tage zuvor

Zum Zeitpunkt des Notrufes habe Leonie laut des Angeklagten noch gelebt. Im Gerichtssaal wurden Aufnahmen des Telefonats abgespielt. Es war zu hören, wie ein Kind im Hintergrund weint. „Alles gut Leonie, alles gut”, sagte der Stiefvater. Als der Notarzt in der Wohnung eintraf, war Leonie aber tot. H. verstrickte sich bei dem Telefonat in Widersprüche. Zunächst gab er an, dass Leonie bewusstlos sei, als ein Kind im Hintergrund beim Weinen zu hören war, sagte er, dass das Mädchen noch ansprechbar sei.

Nordkurier-Reporter Andreas Becker kommentiert – trotz jahrelanger Erfahrung sichtlich bewegt – den ersten Verhandlungstag, auch wenn sich die Geschehnisse vor Gericht kaum in Worte fassen lassen: 

Heftiger Beziehungsstreit vor der Todesnacht

Vier Tage zuvor, am 8. Januar, habe es einen heftigen Beziehungsstreit gegeben. David H. sagte in der Vernehmung, dass die Mutter ein Verhältnis mit seinem besten Freund angefangen habe. Leonie wusste möglicherweise davon, wie vor Gericht angedeutet wurde. Ob sie dadurch in die „Schusslinie” zwischen ihrer Mutter und dem Stiefvater gekommen ist, diese Frage ist jedoch noch offen. Das Gericht will klären, inwieweit David H. durch den Streit anschließend besonders aggressiv war.

In der Wohnung seien laut der Ermittler verschiedene Drogen, darunter Cannabis und Amphetamine gefunden worden. Er selbst habe damit nichts zu tun, wird David H. im Vernehmungsprotokoll zitiert. Die Drogen hätten der Mutter gehört.

Der Angeklagte selbst schweigt vor Gericht. David H. will sich erst am 25. Oktober, einen Tag nachdem die Mutter von Leonie als Zeugin gehört wurde, zu den Vorwürfen äußern. Nach dem Tumult zu Beginn, saß er am ersten Verhandlungstag bisher völlig regungslos da und schaute dabei meistens nach unten.

Polizeibeamter sagt aus

Ronny Lange von der Anklamer Polizeiinspektion wurde am Dienstag ebenfalls vor Gericht angehört. Es sei ab dem 14. Januar mit dem Fall betraut gewesen. Ein „Todesermittlungsverfahren wegen unklarer Sachlage” wurde eingeleitet, weil ein Treppensturz bei dem schweren Verletzungsmuster nicht hinkommen könne.

David H. wurde auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft erst am Nachmittag des 14. Januar festgenommen, weil die Leichenöffnung ergeben hatte, dass wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt werden müsse. Bis dahin sei David H. in dem Fall als Zeuge betrachet worden, berichtet Ronny Lange weiter.

Er wurde auf dem Pasewalker Revier ins Vernehmungszimmer gebracht. Dort wurde ihm dann die vorläufige Festnahme mitgeteilt. Die Flucht aus dem Revier wurde vor Gericht indes nicht näher beleuchtet. Richter Jochen Unterlöhner, der das Verfahren sehr besonnen und sachlich führt: „Darum geht es jetzt nicht, das ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens.

Der Polizist bestätigte den Drogenfund in der Wohung ein: Die Betäubungsmittel, weißes Pulver in einem Überraschungsei, seien in der Küche gefunden wurden. 

+++ Hier finden Sie alle Artikel zum Todesfall Leonie +++

Dieser Artikel wurde am Dienstag, 24. September, mehrfach aktualisiert.

 

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