MORDPROZESS

Leonies leiblicher Vater dachte über Selbstmord nach

Der leibliche Vater der getöteten Leonie hat am Dienstag im Prozess in Neubrandenburg ausgesagt. Unter Tränen schilderte er die Trennung von Leonies Mutter – und seinen Kindern.
Leonies Vater Oliver E. sagte am Dienstag vor dem Gericht aus.
Leonies Vater Oliver E. sagte am Dienstag vor dem Gericht aus. Crimespot.de/Bastian Schlüter (Archivfoto)
Neubrandenburg ·

Wie sind der mordverdächtige David H. und Janine Z. mit den Kindern umgegangen? Das war die zentrale Frage am Dienstag im Mordprozess im Fall Leonie aus Torgelow. Viele Zeugen aus dem Umfeld der Familie der getöteten Sechsjährigen sollten darüber Klarheit bringen. 

Vor allem die Aussage von Oliver E., dem leiblichen Vater der getöteten Leonie, wurde mit Spannung erwartet. Vorige Woche war bekannt geworden, dass es Morddrohungen gegen den Mann gegeben hatte. Schon als dieser sich hinsetzte, starrte der wegen Mordes durch Unterlassen und Misshandlung angeklagte Stiefvater David H. nur in die Akten. „Es schien eigentlich alles perfekt zu sein”, sagte E. über seine Beziehung zu Janine Z., der leiblichen Mutter der kleinen Leonie. Im Laufe der Zeit kam dann der Angeklagte in den gleichen Betrieb, in dem er arbeitete, sagte Oliver E. So hatte der 28-Jährige David H. kennengelernt. „Wir hatten uns gut verstanden, es hat sich auch eine leichte Freundschaft entwickelt”, so E.

„Da habe ich über Selbstmord nachgedacht”

Irgendwann sei David H. von einem Tag auf den anderen nicht mehr zur Arbeit gekommen. Bezahlung und Arbeitsatmosphäre waren aber okay, sagte E. Circa zeitgleich hörte er auch, dass Janine Z., mittlerweile war die Beziehung zu Oliver E. gescheitert, einen Neuen hätte. Stellte sich heraus: Es war David H., sein Kumpel, Hand in Hand mit seinen Kindern und Janine Z. „Ich denke mal, es war das schlechte Gewissen, warum er nicht mehr zur Arbeit kam”, erzählte der 28-Jährige. Einen Tag später holte E. seine Sachen ab, die er in der ehemals gemeinsamen Wohnung mit Janine Z. noch hatte.

„Da habe ich über einen Selbstmord nachgedacht”, sagt Oliver E. unter Tränen. Sein Leben, seine Familie mit seinen „zwei wunderschönen Kindern” lag in Trümmern. „Auf einmal sitzt man alleine in seiner Zweiraumwohnung, keine Kinder, keine Frau. Da brach das Kartenhaus zusammen.” Hinzu kam der Alkohol, in dem er seine Sorgen zu ertränken versuchte. Schließlich wurde er mehrere Wochen in der Odebrecht-Stiftung behandelt – bis er wieder entgiftet war und seine Kinder wieder sehen durfte. Vorher habe Janine Z. sie ihm nicht anvertrauen wollen.

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Sorgerechtsstreit zwischen Oliver E. und Leonies Mutter

Dann durfte er Leonie und Noah-Joel wieder sehen. Doch nach und nach wurden die Kontakte seltener, Z. habe auch kaum noch auf Anrufe reagiert. Im Dezember 2016 wurde Oliver E. sogar aus dem Kindergarten verwiesen, weil Janine Z. ihn als sogenannten Abholberechtigten ausgetragen habe. Der 28-Jährige wurde dort mit den Nikolaus-Geschenken in der Hand für seine Kinder wieder weggeschickt. „Da habe ich alles getan, um mich wieder aufzurappeln, und dann kommt da wieder so ein Schlag von oben”, berichtete der 28-Jährige, wieder den Tränen nah.

Letztlich reichte es Oliver E. Er suchte sich einen Anwalt, um wieder zuverlässig Zugang zu seinen beiden Kindern bekommen. Zu diesem Zeitpunkt lebte Janine Z. bereits mit David H. zusammen. Sie hatte zwar eine eigene Dreiraumwohnung, habe mit den beiden Kindern aber meistens bei David H. in dessen Zweiraumwohnung gelebt.

David H. rief: „Was wollt ihr hier?”

Im November 2018 war es so weit, Oliver E. konnte seine Kinder endlich wieder für ein Umgangswochenende abholen bei David H. und Janine Z., die zwischenzeitlich nach Torgelow gezogen waren. H. habe sich nur aus dem Fenster gebeugt: „Was wollt ihr hier”, habe er Oliver E. und seiner Schwester, die ihn begleitete, zugerufen. Janine Z. und die Kinder seien nicht da. E. rief die Polizei. Doch mehr als ein Aktenzeichen kam nicht heraus, seine Kinder sah er nicht. „Der nächste Hammer auf den Kopf”, sagte Oliver E. Da konnte er nicht anders und trank doch wieder ein Bier.

Er versuchte seine Ex-Partnerin anzurufen. Vergeblich. Seine Anrufe auf dem Handy wurden weggedrückt, Nachrichten hätten auch nichts gebracht. Janine Z. und David H. schirmten ihn regelrecht von seinen Kindern ab. Selbst nach Leonies Tod wurde ausgerechnet der Vater des Mädchens außen vorgelassen. „Ich habe von Leonies Tod aus der Zeitung erfahren”, sagte Eva-Maria E. Sie rief sofort ihren Bruder an. Auch Oliver E. wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass das sechsjährige Mädchen tot war. Erst ein Anruf bei David H. , der zusammen mit der leiblichen Mutter mit Leonie in Torgelow lebte, brachte traurige Klarheit.

Leonies Tante: „Kinder sahen aus wie nach einem Autounfall”

Zuletzt habe sie die Kinder, Leonie und ihren kleinen Bruder Noah-Joel, im Sommer vergangenen Jahres gesehen. „Ich habe im ersten Moment gedacht, dass die einen Autounfall hatten”, sagte Eva-Maria E. Die Kinder würden sich gegenseitig schlagen, Noah-Joel habe eine Schaukel an den Kopf bekommen, Leonie sei gegen den Türrahmen gelaufen – das seien die Gründe, die Janine Z. für die sichtbaren Verletzungen an den Köpfen der Kinder nannte.

„Es gab immer nur einen Kreis, das war ihre Mutter und ihre Schwester”, sagte Eva-Maria E. über Leonies Mutter. Das Mädchen habe sie daher auch nicht oft gesehen. Jetzt, im Nachhinein, sei auch klar, warum: „Dann hätte ich ja die Verletzungen auch gesehen”, sagte Oliver E. Was alles nach dem Umzug der Kinder nach Torgelow Mitte 2018 bis hin zu Leonies Tod passierte, weiß Oliver E. nicht.

 

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