MORDPROZESS LEONIE

Vater warf geflüchteten David H. aus dem Auto

Der Vater von David H. hat im Mordprozess um die kleine Leonie ausgesagt. Er erzählte, wie sein Sohn ihn nach der Flucht bei der Polizei anrief – und er ihn aus dem Auto warf.
Philipp Schulz Philipp Schulz
Gabriel Kords Gabriel Kords
David H. soll bei seiner Flucht seinen Vater angerufen haben.
David H. soll bei seiner Flucht seinen Vater angerufen haben. Bernd Wüstneck
David H. wird Mord durch Unterlassen vorgeworfen.
David H. wird Mord durch Unterlassen vorgeworfen. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Am Montag hat unter anderem der Vater von David H., der wegen des mutmaßlichen Mordes an der kleinen Leonie vor Gericht sitzt, vor dem Landgericht Neubrandenburg ausgesagt. Rene H. sprach über die Verhältnisse, unter denen der angeklagte Stiefvater des getöteten Mädchens aufgewachsen sei. Er beschrieb seinen Sohn als ruhiges, zurückgezogenes und zurückhaltendes Kind. Zumindest, bis die Eltern sich getrennt hätten und er mit seinem Vater nach Ducherow gezogen sei.

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Dort habe er Freunde kennengelernt, die ihm nicht gutgetan hätten, so dass er sein Berufsvorbereitungsjahr habe schleifen lassen, bis es 2016 zum kompletten Bruch zwischen Vater und Sohn kam. David H., so sein Vater vor Gericht, wollte sein Leben selbst in den Griff bekommen: „Nun sehen wir ja, wo wir hier sitzen und was daraus geworden ist.”

Vater besuchte David H. mehrfach in Torgelow

Erst im November und Dezember vergangenen Jahres hätten sich beide laut den Aussagen von Rene H. wieder angenähert, der Vater besuchte den Sohn mehrere Male in Torgelow, im Todeshaus von Leonie. Die beiden Kinder von Janine Z. habe H. jedoch nie gesehen, nur einmal ihren kleinen Bruder Jonathan.

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Trotz der zwischenzeitlichen Entfremdung wandte sich David H. nach seiner Flucht aus dem Polizeirevier in Pasewalk an seinen Vater – er rief ihn spätabends von der Shell-Tankstelle in Pasewalk an und bat ihn, ihn abzuholen. Nach einigem Zögern fuhr der Vater – so dessen Schilderung – auch tatsächlich hin, obwohl er kaum noch Benzin im Tank gehabt habe.

„Damit wollte ich nichts zu tun haben”

Im Auto habe David H. ihm dann offenbart: „Die wollen mich einsperren”, so der Vater weiter. „Als er mir erzählt hat, dass 'die ihm einen Mord anhängen wollen', war ich raus. Damit wollte ich nichts zu tun haben”, erinnerte sich Rene H. vor Gericht und ergänzte: „Ich hab ihm gesagt, dass er das alleine auslöffeln muss.”

David H. habe im Wagen viel geweint, jedoch keine Details über den 12. Januar 2019, den Todestag von Leonie, preisgegeben. Auch wenn sein Vater ihm jede Hilfe verweigerte, fuhr er seinen Sohn bis nach Drögeheide, einen Ort kurz vor Torgelow, wo David H. eigentlich hin wollte. Dort habe er seinen Sohn aus dem Auto geworfen und ihn sich selbst überlassen, so Rene H.

Bruder von David H. will keine Aussage machen

Im Anschluss sollten auch der Bruder von David H., Jan H. und dessen Frau Aline H. aussagen. Beide machten jedoch von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht gebraucht. Auch der Angeklagte David H. selbst schweigt bisher. Ihm waren die Nähe und die Aussagen seines Vaters jedoch sichtlich unangenehm. Während er bei den Aussagen seiner Schwester Claudia H. noch ruhig auf der Anklagebank saß, war er in Gegenwart seines Vaters unruhig und zittrig.

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