WIE GEHT DAS?

Kaum Autos und die Luft wird nicht besser

Die Corona-Krise hat auch den Autoverkehr minimiert. Aber die Qualität der Luft wird nicht besser. Ist das Auto also doch nicht so klimaschädlich wie immer behauptet wird?
Durch die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind weniger Autos unterwegs.
Durch die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind weniger Autos unterwegs. Jan Woitas
Der Verkehr hat seit der Corona-Krise deutlich abgenommen. Messstationen zeigen vielerorts dennoch keine besseren Luftwerte an
Der Verkehr hat seit der Corona-Krise deutlich abgenommen. Messstationen zeigen vielerorts dennoch keine besseren Luftwerte an. Bernd Weissbrod
Neubrandenburg.

Durch die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind weniger Autos unterwegs – und doch sieht es offenbar nicht danach aus, als würde die Luftqualität dadurch deutlich verbessert. Trotz bestehender Fahrverbote in Großstädten und den Corona-Schutzmaßnahmen bleibt die Stickoxidbelastung gleich und steigt teilweise sogar an, heißt es von der FDP in Mecklenburg-Vorpommern. Hintergrund sind Daten aus dem Berliner Senat, die der FDP als Beispiel dienen: Obwohl seit Mitte März deutlich weniger Autos unterwegs sind, schwankten die Schadstoffwerte.

Relativ sauber war die Luft in Berlin demnach bis etwa zum 17. März, dem Tag an dem sämtliche Schulen schlossen. Dann stieg die Konzentration von Schadstoffen wie Feinstaub oder Stickstoffdioxid, obwohl weniger Autos fuhren. Grund ist, dass der Wind nachließ, der die Schadstoffe zuvor großflächig verteilt hatte.

„Dies lässt einzig den Schluss zu, dass die Luftbelastungen durch Verbrennungsmotoren einen geringeren Einfluss haben als bisher angenommen“, sagte der FDP-Landesvorsitzende René Domke in Schwerin dazu. Er forderte, dass die Zukunft der Verbrennungsmotoren nach dem bekannt werden dieser Zahlen wieder sachlich geführt werden müsse. Hysterie, die von der oft für Fahrverbote klagenden Deutschen Umwelthilfe und anderen Organisationen ausgehe, müsse der Vergangenheit angehören. „Korrelation gebrochen, Kausalität eindeutig widerlegt. Jede weitere Diskussion über Fahrverbote angesichts dieser unleugbaren Faktenlage erübrigt sich gänzlich“, sagte Domke.

Die Daten aus Berlin geben ihm scheinbar Recht. „Die Luftgütemesswerte sind gefallen, sicherlich auch, weil deutlich weniger Verkehr war, aber vor allen Dingen wegen der zunehmenden Windgeschwindigkeit“, hieß es vom Senat. Der Wind war es demnach auch, der Ende vergangener Woche an nahezu allen Messstellen die Feinstaubbelastung über die Tagesgrenzwerte steigen ließ, in dem er die Partikel in die Stadt trug.

MV-Messwerte waren auch vor der Corona-Krise gut

Der Präsident des Umweltbundesamts (Uba) hat vor voreiligen Schlüssen zur Wirkung der Corona-Krise gewarnt. Weniger Verkehr und weniger Industrieprozesse wirkten sich „selbstverständlich positiv“ auf die Luftqualität aus, sagte Uba-Chef Dirk Messner. „Noch ist der Zeitraum aber zu kurz, um valide Schlüsse zu ziehen.“ Um den Einfluss des Wetters herauszurechnen, brauchen die Experten Daten von mehreren Monaten. Durch die Corona-Beschränkungen hat der Verkehr abgenommen. Auf die Luftqualität in Mecklenburg-Vorpommern hatte das bislang scheinbar wenig Einfluss. Laut dem Luftqualitätsindex des Umweltbundesamtes war die Luft im Nordosten zumeist „gut“ bis „sehr gut“ bezogen auf die Messwerte ab Januar dieses Jahres. Gestern waren die Messwerte fast überall in MV gut, lediglich für Neubrandenburg wurden sie mit „mäßig“ bewertet.

In Brandenburg sah es gestern nicht ganz so gut aus. Lediglich Messstationen im Westen des Bundeslandes gaben die Luftqualität mit „gut“ an, die anderen wurden mit „mäßig“ eingestuft. Im Januar und Februar dieses Jahres sahen die Brandenburger Werte im Schnitt meist besser aus und waren dem Umweltbundesamt zufolge öfter im „guten“ Bereich. Der Luftqualitätsindex des Umweltbundesamtes basiert auf der Bewertung von Ozon- und Stickstoffdioxid (stündliche Mittelwerte) sowie der Tagesmittelwert bei der Feinstaubbelastung (Partikel mit weniger als 10 Mikrometer Durchmesser). Ab der Bewertung „mäßig“ wird der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid überschritten. Bei Feinstaub und Ozon werden die Grenzwerte erst bei der Einstufung der Luftqualität mit „schlecht“ überschritten.

Für die FDP sind Forderungen nach Abschaffung des Verbrennungsmotors damit passé. „Zur Sicherstellung vor allem der Mobilität im hauptsächlich ländlich geprägten Mecklenburg-Vorpommern brauchen wir den Individualverkehr zwingend“, sagte Domke.

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Kommentare (1)

... Messwerte jetzt nicht besser sind, ist doch eine schallende Ohrfeige für Herrn Resch und seiner Umwelthilfe. Wo er doch immer so auf diese gesetzt hat und der gemeine Autofahrer wie eine Sau durchs Dorf getrieben wird. Dieselfahrer wurden beschuldigt am Tod von jährlich 400000 Menschen schuldig zu sein obwohl es dafür keinen wissenschaftlichen Beweis gibt. Also mussten dringend Fahrverbote her. Autofahrer wurden so kalt enteignet.Und jetzt das. Fast 80% weniger Fahrverkehr und die Messwerte sind nicht signifikant gesunken.

Als logische Konsequenz müssten jetzt die Fahrverbot wieder aufgehoben werden, da sie unter falschen Voraussetzungen erlassen wurden. Aber soweit geht die "Freundschaft" dann doch nicht, glaube ich jedenfalls. Der Autofahrer wird also weiter durchs Dorf getrieben.