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Mal leuchtendgrün, mal meeresblau

Christian Jöckel und Antonia von Hörsten aus der Lüneburger Heide haben den See zufällig entdeckt – und sind fasziniert.

Der Märchensee bei Peetsch ist ein Gewässer fernab ausgetretener Touristenpfade. Verborgen im Wald liegt der glasklare Weiher, der sich bisher seine Abgeschiedenheit bewahren konnte - und noch so manches Geheimnis birgt.

Wer ihn sucht, wird ihn finden. Wer nicht bereit ist, Mühen auf sich zu nehmen, wird wohl auch nie Kenntnis davon erlangen, dass es diesen wunderschönen See gibt. Irgendwo hinter Peetsch und Mirow – da liegt er, jener Waldsee, der sich schon von oben betrachtet von anderen abhebt. Fliegt man mit dem Flugzeug drüber, erscheinen hiesige Seen meist in Blautönen. Einige wenige allerdings schimmern leuchtend grün. Der Märchensee gehört dazu.

Warum man ihn so nennt? „Vor gut 30 Jahren war ringsum hohes Stangenholz, das den See wie bei einem Kessel in seine Mitte nahm. Und wenn dann die Sonne reinschien, wechselte das Wasser seine Farbe, aus grün wurde meeresblau, wie im Märchen“, erzählt René Czarska vom Landhotel am Peetscher See. „Der See hat kiesigen Boden, keine Algen, keine Schlingpflanzen, und er ist glasklar, das ganze Jahr über, trübt nicht ein“, weiß er um die Besonderheit.

Früher sei der Wasserstand höher gewesen. Camper umliegender Zeltplätze legten sich aus Ästen eine Art Damm, um überhaupt ans Wasser zu gelangen. Zwischenzeitlich war der Wasserstand gesunken, so dass es viele kleine Badenischen für Verliebte und Individualisten ringsum gibt. „Wir unternehmen immer die Neujahrswanderung dorthin“, verrät René Czarska weiter. Und er ist auch einer derjenigen, die den Weg zu dem zauberhaften Gewässer beschreiben können.

An einem Wald-Parkplatz ist Halt für motorisierte Gefährte, und der Suchende muss auf Schusters Rappen oder mit dem Fahrrad den letzten Kilometer bestreiten. Aber auch das kann sehr romantisch sein, trifft man doch nur vereinzelt ein paar Radler. So wie die Dauercamper: Fredi und Gertraude Sumpf aus Berlin. Seit 35 Jahren sind sie in der Gegend. Ob sie den Märchensee kennen? Und ob. „Der ist traumhaft, unsere alte Liebe“, beginnt die Urlauberin sofort zu schwärmen. Und sie gibt auch einen Tipp: „Wenn Sie baden wollen, immer rechts halten, dort, wo der Grund hell schimmert, sonst fallen Sie in ein tiefes Loch.“ Ein tiefes Loch? Wie geheimnisvoll!

Irgendwann nach einem strammen Fußmarsch glitzert es durch die Bäume. Es muss der Märchensee sein! Eine Holzbank steht einsam am Ufer. Die Sonne lugt durch die Wolken und blinzelt die Wasseroberfläche an. Wer hierher kommt, muss unweigerlich hinein.

Über einen Meter lange Hechte soll es hier geben

Und dann spürt man es. Das Wasser ist kraftvoll und sanft zugleich. Irgendwie hat der Schwimmende das Gefühl, getragen zu werden. Die ausgestreckte Fußspitze berührt, gut 15 Meter vom Ufer entfernt, nicht mehr den Grund, und doch sieht man den Boden glasklar. Über einen Meter lange Hechte soll es hier geben. „Mit solchen Köpfen“, hatte der Hotelier gesagt, während er mit den Händen gestikulierend das Maß verdeutlichte. Der Schwimmende ist froh, dass ihm solche Begegnung an diesem Tag erspart bleiben. Nur eine Ente paddelt ins Schilf – als wenig später der Fotoapparat klickt, erschrickt sie und fliegt davon.
„Nein, es muss nicht alles touristisch erschlossen werden“, sagen Wanderer, die kurz darauf des Weges kommen. Wie recht sie haben!

Kontakt zur Autorin: e.enders@nordkurier.de