Freizeit

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Unterwegs zum „schönsten Weideplatz Deutschlands“

Von den für hiesige Verhältnisse „schwindelerregenden“ Endmoränen-Hügeln kann man sich direkt ins glasklare weiche Eiszeitwasser der Klocksiner Seenkette trudeln lassen, wie hier am Flachsee bei Sophienhof.
Silke Voß

Südlich von Teterow schlummert eine kleine Seenplatte. Abseits vom Trubel kann man hier ungestört in klarem Eiszeitwasser baden, knorrige Ulmen begehen und ein Zuckerbäckerschloss besuchen.

Die weiten Tore öffnen sich zur Gutsanlage Blücherhof mit ihren gigantischen Ställen. Unübersehbarer Treffpunkt für eine geruhsame Ganztags-Wanderung über rund zehn erholsame Kilometer.Blücherhofund die technischen Wunder einer der besterhaltendsten Gutsanlagen Mecklenburgs, das surrealistisch anmutende Schloss mit Zwiebelturmkuppel als Kulisse und die Torten des kleinen Cafés sollen aber erst am Ende der Wanderung interessieren.

Jetzt geht es erst mal munter los Richtung Klocksin, optisch begleitet von der stark hügeligenEndmoränen-„Gebirgskette“zur Rechten. Diese umarmt den langgestrecktenFlachsee– den ersten der eiszeitlich entstandenen sechs glasklaren Seen, die von Klocksin südwestlich fließen. Um diesen Flachsee, der eigentlich tief ist, führt der Weg, der aber sehr gut auch per Fahrrad erkundbar ist.
Erste Rast am See-Ufer bietet eine mächtigeUlme, wie sie nur noch sehr selten zu finden sind. Ihr mächtiger hohler Stamm beherbergt einen ganzen Mann. DannKlocksin.Der schattigeParkhinter dem gemeindeeigenen Gutshaus mit seinen riesigen Buchen, Eichen und Linden weist direkt zu einer gepflegtenBadestelle. Hier kann man erstmals das weiche, reinigende Eiszeitseewasser den Körper umschmeicheln lassen. Derart erfrischt, führt eine kaum befahrene Straße leicht weiter nachSapshagen, das im Prinzip nur noch aus einem Gutshaus mit Landwirtschaftsbetrieb besteht. Hier trifft man den Milch-Bauern Friedrich Rüße, der zu Recht behauptet, seine Kühe hätten denschönsten Weideplatz Deutschlands– mit Blick hoch vom Hügel auf den glitzernden See.

Wer jetzt glaubt, es gehe nicht weiter, sollte gerade weiter gehen. Denn nun öffnet sich endlich ein unberührterFeldwanderwegvorbei an Teichen, an denen die etwas mystischen Unken ihr magisches Flaschenhals-Konzert ertönen lassen. An einer Kreuzung gehe man Richtung Sophienhof. Schon bald weitet sich der Blick bis fast nach Vollratsruhe. Links breitet sich eine saftige Wiese aus, inmitten eine Solitär-Eiche wie ein rustikaler Sonnenschutzschirm. Ein idealesPicknickplätzchen, und man bleibt garantiert ungestört. Danach läuft es sich wieder viel leichter, zumal es bergab geht. BisSophienhof. Kurz vor dem ursprünglich gebliebenen Ort mit seinem Hoppelpflaster führt eine hoheWalnussalleewieder gen See. VomWeinbergaus genießt man die Übersicht über das fast drei Kilometer lange Wasser – samt Schloßberg mit slawischen Burgresten und Insel, die hunderte Kormorane gern besetzen. Zum Glück ist das Vorhaben des Riesen, den Flachsee zuzuschütten, mit dem Sack Sand, den er dafür parat hatte, geplatzt, und so entstand der imposante Weinberg-Hügel.

Von dort kann man wie ein Kind direkt heruntertrudeln zur nächstenBadestelle.Dunkler führt dann die Nussallee am Ufer entlang, bis zu einer kleinen Strasse am Bahndamm. Drunter führt ein geheimer Tunnel zum nächsten See, dem Tiefen, der eigentlich flach ist, aber das führt jetzt zu weit. Nun sieht man schon dasFeldsteinkirchlein Lütgendorf. Drinnen „fliegt“ ein großer Taufengel.
Rechts ab findet man wieder zurück zum Blücherhof. Die geschichtenreiche Story um die Gutsanlage erzählt dann Norbert Schipke vom Verein „Blücherhofer Truhe“, und durch dasSchlossmit seinem märchenhaften Stilmix sowie den europaweit einzigartigenDendrologischen Parkbegleitet gern die Besitzerin, die spanische Künstlerin Rothraud de Meindorfer.

Kontakt zur Autorin: s.voss@nordkurier.de