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Pädophilie-Vorwürfe erneut aufgerollt

Die Theodor-Heuss-Stiftung zeichnete den umstrittenen Grünen-Europa-Politiker Daniel Cohn-Bendit im April für seine Verdienste um die Demokratie aus. Aktuell steht der Publizist aufgrund pädophiler Äußerungen in der Kritik.  Foto: Marijan Murat

VonBasil WegenerHaben die Grünen eine pädophile Vergangenheit? Vieles gab es: Forderungen nach freiem Sex von Erwachsenen und Kindern, Daniel Cohn-Bendit ...

VonBasil Wegener

Haben die Grünen eine pädophile Vergangenheit? Vieles gab es: Forderungen nach freiem Sex von Erwachsenen und Kindern, Daniel Cohn-Bendit schreibt von seinem Hosenlatz.

Berlin.Die Grünen werden von ihrer Vergangenheit eingeholt. Acht Monate nach der ersten Sitzung der frisch in den Bundestag eingezogenen Grünen vor 30 Jahren machte die „Indianerkommune Nürnberg“ mit pädophilen Forderungen Ernst. Kinder und Jugendliche unter erwachsener Anleitung besetzten im November 1983 die Geschäftsstelle der Grünen in Bonn. Ein Anliegen: freie Liebe zwischen Kindern und Erwachsenen.Um der Besetzung damals ein Ende zu machen, holten die Grünen die Polizei und die „Stadtindianer“ zogen erst einmal ab.Heute ist es unvorstellbar, dass sich eine im Bundestag vertretene Partei ernsthaft mit Gruppierungen mit pädophilen Anliegen auseinandersetzt. In den Anfangsjahren der Grünen war das anders.
1985 feierten Pädophilie unterstützende Gruppen bei den Grünen ihren größten Erfolg. Ein Landesparteitag in Nordrhein-Westfalen ließ eine Passage ins Wahlprogramm rutschen, nach der gewaltfreier Sex zwischen Kindern und Erwachsenen straffrei bleiben soll. Der Aufschrei der Öffentlichkeit, aber auch bei den Grünen war groß. Ein NRW-Sonderparteitag drohte am 30. März 1985 in Bad Godesberg in Chaos zu versinken. 30 Stadtindianer, im Schlepptau mit Kapuzen vermummte Kinder, wollten den Pädophilie-Beschluss retten. Doch die Grünen kassierten den Beschluss zur sexuellen Freizügigkeit bei Kindern mit einer Gegenstimme. Genaues ist über die Kapuzen-Kinder von damals nicht bekannt. In der Grünen-Zentrale ist man heute eifrig dabei, sich ein genaues Bild zu machen.
In Fahrt gekommen war die Debatte, als der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, seine Festrede zur Verleihung des Theodor-Heuss-Preises an Daniel Cohn-Bendit absagte. Der Europapolitiker hatte 1975 in einem halb fiktiven Buch über seine Zeit als Kindergärtner geschrieben: „Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln.“ Die Südwest-CDU und auch die CSU attackieren Cohn-Bendit, werfen aber auch den Grünen insgesamt Wegschauen vor. Tatsächlich blieben pädophile Vorstöße wohl strikte Außenseiter-Ansicht. In den vergangenen Tagen wurde auch nicht bekannt, dass sich Missbrauchsopfer gemeldet hätten.