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Vierter Reisetag

13 Kilometer über das Pflaster des alten Jerusalem

Jerusalem / Lesedauer: 3 min

Bei den Händlern Jerusalems gehört das Feilschen einfach dazu. Eine Erfahrung, die auch die jungen Leute der Gruppe aus Neubrandenburg beherzigten.
Veröffentlicht:02.11.2022, 20:30

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Zehn Schekel forderte der Händler gleich neben der Grabeskirche in Jerusalem für ein kleines kleines Bild der Stadt, das ein Mädchen der Reisegruppe des Dreikönigsvereins als Souvenir mitnehmen wollte. Fünf Schekel bot sie den Händler, der aber alles andere als verdutzt schaute. Das Handeln gehört auf den Straßen der Altstadt von Jerusalem einfach dazu.

Aber für fünf Schekel überließ er seinen „Schatz” dem Mädchen aus Neubrandenburg noch nicht. Schließlich einigten sich beide Seiten auf sieben Schekel. Immerhin drei Schekel, umgerechnet ein knapper Euro, gespart.

Volle Kanne historisches Jerusalem

Bevor die „Karawane” mit knapp 100 jungen Leuten und den erwachsenen Betreuern am Mittwoch weiter Richtung See Gennesaret zieht, hieß es am Dienstag noch einmal voll Kanne historisches Jerusalem. Besonders beeindruckend der Tempelberg mit der Al-Aqsa-Moschee sowie dem Felsendom, den wir bislang nur vom Ölberg aus sehen konnten.

Die Geschichte des Tempelbergs, der über mehrere 1000 Jahre den verschiedensten Tempeln der Juden, Christen und der Moslems Platz bot, ist interessant aber auch äußerst widersprüchlich. Bis heute entzünden sich um den heiligen Berg immer wieder Auseinandersetzungen insbesondere zwischen den Arabern und den Juden.

Mehr dazu:Nordkurier-Volontärin berichtet auf Instagram aus Israel

Ökumene auf dem Tempelberg? Nur ein Traum!

Seit einigen Jahren haben nur die Moslems Zugang zu den beiden großen Gotteshäusern: In der Al-Aqsa-Moschee finden bis zu 5000 Gläubige Platz zum Beten eng aneindergereiht auf ihren kleinen Teppichen. Der Zugang in den prächtigen Felsendom ist ausschließlich Moslems gestattet. Die Kontrolle auf der gesamten Ebene, die 14 Hektar umfasst, hat die israelische Polizei, die wiederum die Muslime am Eingang äußerst streng kontrolliert. Die Frauen, die während unseres Besuches am Nordtor passieren wollten, mussten einer schwer bewaffneten Polizistin und ihrem Kollegen die Pässe zeigen, die die Dokumente gründlich prüften.

Wie schön wäre es doch, wenn die Gläubigen auf dem Tempelberg gemeinsam friedlich ihrem Glauben nachgehen könnten in ihren verschiedenen Kirchen oder aber im Freien, wie es die Muslime tun, wenn ihre Moschee voll ist? Das wird wohl für Jahrzehnte nur ein Traum bleiben.

In dieser Kirche singen die Chöre der Welt

Wie Ökumene gelebt wird, ist nur ein paar Dutzend Meter neben der nördlichen Grenze des Tempelbergs zu beobachten. Die Kirche St. Anne ist berühmt für ihre Akustik. Deshalb sammeln sich Gläubige der ganzen Welt, um hier zu singen. Bevor die Neubrandenburger in die Kirche traten, war gerade ein französischer Chor zu hören. Nachdem die sangeskräftigen Mecklenburger „Dona nobis pacem” interpretierten, eroberten gleich im Anschluss englische Sänger die „Bühne” vor dem Altar.

Freundlichkeit wird mit Freundlichkeit beantwortet

Im Hof sah ich farbenprächtig gekleidete Afrikanerinnen sitzen, die im Gespräch mit einer Christin aus Mexiko waren. Ich sprach sie an und durfte sie alle mit meiner Kamera und ihren Handys fotografieren. Meine Sprachkenntnisse sind leider mehr als dürftig, wir haben uns aber trotzdem alle verstanden.

Am vierten Tag sind wir unsere Rekordstrecke „gerannt”: 13,1 Kilometer. Kein Wunder, dass einige der jungen und älteren Herrschaften auf dem einen oder anderen Foto vielleicht etwas pflastermüde wirkten. Nur unsere Führerin Naomi – ganz im Vertrauen die Älteste in der Gruppe – ließ einfach nicht locker und rannte uns immer voraus, meist verbunden mit dem mittlerweile legendären Ruf: „Freunde, Freunde! Kommt!”