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Kurios

Duzen Sie bloß keinen Polizisten!

Neubrandenburg / Lesedauer: 2 min

Man sollte im Straßenverkehr seine Nerven möglichst behalten. Denn Ausschweifungen und Beleidigungen werden sehr schnell sehr teuer. 
Veröffentlicht:03.11.2023, 18:17

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Der Autofahrer vor einem fährt grundsätzlich zu langsam, der Fahrer hinter einem drängelt, und Vorfahrtsregeln scheint auch niemand so wirklich zu beachten. So dürfte wohl das Empfinden vieler Autofahrer auf deutschen Straßen sein. Man sollte sich jedoch zweimal überlegen, ob man dem Gegenüber im anderen Auto ein paar „ehrliche“ Worte mitgibt, denn das kann sehr schnell sehr teuer werden. 

Wer viel verdient, zahlt viel

Auf der Internetseite „Bußgeldkatalog.org“, die sämtliche Bußgelder rund um den Straßenverkehr auflistet, sind auch Beleidigungen im Straßenverkehr zu finden ‐ und die kommen mit teilweise absurd hohen Summen daher. Am günstigsten ist nach der Website, die die „Preise“ für die Beleidigungen an Gerichtsurteilen aus der Vergangenheit bestimmt, übrigens jemandem die Zunge herauszustrecken. Mit schlappen 150 Euro Bußgeld ein wahrer Schnapper im Vergleich zu den anderen Beleidigungen. Besonders kurios ‐ einen Polizisten zu duzen zählt bereits als Beleidigung und schlägt mit 600 Euro zu Buche. Im Schnitt am teuersten sind übrigens „alte Sau“ und „fieses Miststück“ mit jeweils 2500 Euro Strafe. 

Doch warum sind diese Bußgelder im Vergleich zu anderen, im Straßenverkehr möglichen Aussetzern, so teuer? Ganz einfach ‐ weil es keine festgesetzten Bußgelder gibt. So ist nämlich nicht die Straßenverkehrsordnung für Beleidigungen zuständig, sondern direkt das Strafgesetzbuch. Somit handelt es sich auch bei einer Beleidigung im Straßenverkehr um eine waschechte Straftat, die im Regelfall mit 10 bis 30 Tagessätzen bestraft wird. Ein Tagessatz richtet sich dabei nach einem Dreißigstel des Monatsverdienstes. Wer also mehr verdient, der zahlt auch mehr Strafe. Ex-Fußballer Stefan Effenberg kostete durch sein hohes Gehalt ein „Arschloch“ gegenüber einem Polizeibeamten vor einigen Jahren deshalb Medienberichten nach unfassbare 100.000 Euro. 

Diese Ausdrücke sind straffrei

Doch nicht alle vermeintlich bösen Worte sind von der Strafe bedroht. So hat der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) eine Liste mit Ausdrücken herausgegeben, bei denen Autofahrer straffrei davonkamen. Laut ADAC können „Sie können mich mal“, „Parkplatzschwein“ in Richtung eines Falschparkers oder sogar „Oberförster“ als Beschreibung eines Polizisten straffrei bleiben. Fallen bei einem Streit mit einem anderen Autofahrer Beleidigungen von beiden Seiten, kann das mitunter ebenfalls straffrei für beide ausgehen. Das Gericht hat nämlich dann die Möglichkeit, die Beleidigungen gegeneinander aufzuwiegen.