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Studie

So stark hat die Pandemie Kinder in der Schule gebremst

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Schule war während der Pandemie und der Lockdowns kein Zuckerschlecken. Jetzt wurden Studien zum Thema ausgewertet
Veröffentlicht:31.01.2023, 15:35

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Dass die Zeit der Corona-Pandemie besonders für Kinder in der Schule schwierig war, ist so naheliegend wie oft vermutet worden. Wie sehr Schülerinnen und Schülern in den Lockdown-Zeiten beim Lernen genau gebremst worden sind, wurde bislang kaum beziffert. Eine jetzt veröffentlichte Analyse versucht diese Lücke auszufüllen.

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Demnach haben Schülerinnen und Schüler mehr als ein Drittel des normalen Lernzuwachses pro Schuljahr verloren. Das zeigt eine Meta-Analyse, die im Fachblatt „Nature Human Behaviour“ erschienen ist. Ausgewertet wurden dafür 42 Studien aus 15 Ländern, darunter vor allem Studien aus Großbritannien und den USA, aber auch vier Studien aus Deutschland.

35 Prozent des Lernfortschritts verloren

Die Analyse ergab, dass sich die Lernfortschritte während der Coronapandemie erheblich verlangsamt haben: Die Schülerinnen und Schüler verloren insgesamt 35 Prozent des Lernfortschritts eines normalen Schuljahres. Am stärksten war das Lerndefizit bei Kindern mit niedrigem sozioökonomischen Status, zwischen den Klassenstufen ließen sich jedoch keine großen Unterschiede erkennen.

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In Mathematik war das Defizit dabei stärker als beim Lesen. Dieses Ergebnis erklären die Autoren damit, dass Eltern und Kinder von zu Hause aus eher gemeinsam lesen als Mathematik-Aufgaben lösen. Zudem zeigten einige der Studien, dass das Lerndefizit sich nicht im Laufe der Pandemie verringert, sondern zwischen Mai 2020 und Mai 2022 überdauert.

„Generation Corona” befürchtet

Bildungsforscher Klaus Zierer von der Universität Augsburg befürchtet, dass sich eine „Generation Corona” bildet, die besonders stark unter der Pandemie gelitten hat. „Das trifft insbesondere die Jüngsten im System mit einem bildungsfernen Hintergrund aus wirtschaftlich schwachen Ländern.”

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Benjamin Fauth, Leiter der Abteilung Empirische Bildungsforschung am Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg, sieht noch ein weiteres Problem.„Mein Eindruck ist, dass die Schulen zurzeit in diesem Bereich sehr viel Arbeit damit haben, bestimmte Lernroutinen wieder einzuüben und das ganze soziale Miteinander wieder auf die Reihe zu bekommen.” Ein „Aufholprogramm”, wie es die Bundesregierung aufgesetzt hat, werde allein nicht ausreichen. „Am Ende wird es nur über eine gezielte Förderung auch im Regelunterricht gehen.”

Lehrermangel erschwert das Aufholen

In Ländern mit mittlerem Durchschnittseinkommen wie Brasilien und Mexiko war das Lerndefizit größer als in Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen wie den USA und Großbritannien. Die Autoren bemängeln, dass in der Meta-Analyse keine Studien aus Ländern mit niedrigem Durchschnittseinkommen einbezogen werden konnten und daher der Vergleich mit dieser Gruppe fehlt.

Unabhängige Forschende, die das Science Media Center für diese Studie angefragt hat, sprechen von einer immensen Relevanz des Lerndefizites für das Bildungssystem, da hierdurch die geforderten Standards der Lehrpläne schwer erreichbar geworden seien. Der Mangel an Lehrkräften erschwere das Aufholen des Lerninhalts, insbesondere für Schülerinnen und Schüler aus einkommensschwachen Haushalten. Auch wenn es schwierig sei, gebe es aber Möglichkeiten, das Lerndefizit aufzuholen – zum Beispiel durch Sommerschulen oder digitale Unterstützung.