Schweinezaun / Reh
Ein viele Kilometer langer Schweinezaun wurde errichtet, auch in Mecklenburg-Vorpommern (linkes Foto). In Brandenburg (rechtes Foto) sind zahlreiche Rehe und andere Wildtiere im Hochwasser am ASP-Schutzzaun verendet. Stefan Sauer / NK-Archiv
Todesfalle Schweinezaun

Am Zaun in MV sind auch Wildtiere gestorben

Kann sich das Drama an Brandenburgs Schweinezaun in Mecklenburg-Vorpommern wiederholen? Wohl nicht in dem Ausmaß. Todesfälle gab es aber schon.
Vorpommern

Die Fotos und Videos von toten oder sterbenden Wildtieren am Schweinezaun in der Uckermark gehen auch in Mecklenburg-Vorpommern vielen Menschen nicht aus dem Kopf. Rehe stehen bis zum Bauch im Wasser, schreien um ihr Leben. Andere sind still geworden. Hohe Wasserstände verursachen im Nationalpark Unteres Odertal seit Anfang Januar Leid. Kann sowas am Schutzzaun gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Mecklenburg-Vorpommern auch passieren?

In diesem Ausmaß nicht, denn in MV verläuft der Zaun nicht durch Hochwassergebiet, sagt Claus Tantzen aus dem Landwirtschafts- und Umweltministerium in Schwerin. „Zwischen Oderverlauf und Grenzzaun liegen an der schmalsten Stelle in der Nähe des Grenzübergangs A 11 rund 5,8 Kilometer Landflächen, wodurch ausreichend Ausweichmöglichkeiten für Wildtiere bestehen.” Allerdings seien auch in MV schon Tiere am Wildzaun zu Tode gekommen. Ein Reh und zwei Rotwild seien seit seiner Fertigstellung im November 2020 am ASP-Zaun gestorben, alle im Bereich des Forstamts Rothemühl zwischen Randowbruch, Brohmer Bergen und Stettiner Haff. Woran die Tiere starben, das ließ sich nicht genau feststellen, sagt Jan-Michael Meyer aus dem Forstamt.

Es könne sein, dass die Tiere krank waren, deswegen nicht über den Zaun kamen und am Zaun auf und ab liefen, bis sie starben. Ebenso könne es sein, dass Wölfe die Tiere in den Zaun hetzten. Rotwild könne den 1,30 Meter hohen Zaun normalerweise problemlos überspringen. Für die Kälber, die im Frühjahr zur Welt kommen, erwartet der Forstwirt hingegen Probleme.

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Viel Wild am Zaun unterwegs

An dem Zaun im Revier des Forstamts Rothemühl ist nach Auskunft von Claus Tantzen viel Wild unterwegs, vor allem Rotwild. Extra eingestellte Berufsjäger würden den Zaun zwei Mal wöchentlich auf gesamter Länge kontrollieren und ein sogenanntes Zaunkontrollbuch führen. Häufig beschädige das Wild den Zaun beim Überspringen. Darum seien an stark frequentierten Wildwechseln "Übersprünge”, also niedrigere Zaunelemente, eingebaut worden. „Hiermit konnten die Zaundurchbrüche durch Rotwild erheblich reduziert werden. Die eingebauten Otterdurchlässe werden verstärkt von kleineren Wildtieren genutzt. Ein Überwechseln von Schwarzwild wird jedoch verhindert”, so Claus Tantzen. Für viele Rehe sei der Zaun ebenfalls eine unüberwindbare Barriere.

Der ASP-Zaun an der deutsch-polnischen Grenze auf Hoheitsgebiet von Mecklenburg-Vorpommern sei 62,5 Kilometerlang. Ein zweiter Zaun, mit dem ein Seuchenschutz-Korridor hergestellt wird, sei rund 10 Kilometer lang, aufgeteilt in drei Abschnitte. Auch dieser werde zweimal wöchentlich kontrolliert.

Zäune sollen nicht dauerhaft stehen

Eine Gefahr, dass die Tiere durch de Versperrung ihrer Wanderrouten in relativ kleinen Gruppen geteilt und durch isolierte Gene Inzucht entsteht, bestehe nicht. „In unseren Kulturlandschaften müssen die Tiere auch mit anderen Zäunen zurechtkommen. Die Tiere wandern nicht nur in Ost-West- oder West-Ost-, sondern auch in Nord-Süd-Richtung. Einen Austausch der Populationen gibt es natürlich auch in andere Himmelrichtungen”, erklärt Claus Tantzen. Auch sollen die Zäune nicht dauerhaft installiert bleiben. „Geplant ist eine Standdauer von fünf Jahren. Inzucht würde erst nach mehreren Generationen auftreten und setzt voraus, dass die Population eingeschlossen ist.”

In Brandenburg will die Landesregierung nun weitere Todesfälle verhindern. „Es sollen schmale Durchlässe in den Zäunen in wenigen hundert Metern Abstand geschaffen werden, die so gestaltet werden, dass die Rehe passieren können“, sagte Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch.

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Kommentare (1)

Man fragt sich, wen das wundert. Es ist doch klar, daß Zäune den Lebensraum von Wildtieren einfach durchschneiden. Wie Straßen und Autobahnen. Nur diesmal können sich die Tiere nicht überfahren lassen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie kurzsichtig das menschliche Agieren ist . . .