Lokführer müssen ihre Fahrkenntnisse am Simulator überprüfen lassen. Und auch bei der Ausbildung spielt di
Lokführer müssen ihre Fahrkenntnisse am Simulator überprüfen lassen. Und auch bei der Ausbildung spielt die Technik eine Rolle. Oliver Dietze
Der Regionalexpress zwischen Pasewalk und Ueckermünde fährt derzeit nur noch ganz selten, weil Lokführer fehlen
Der Regionalexpress zwischen Pasewalk und Ueckermünde fährt derzeit nur noch ganz selten, weil Lokführer fehlen. Das Problem will die Bahn jetzt mit Quereinsteigern beheben. Andy Bünning
Berufswechsel

Bahn will mit Umschulung Mangel an Lokführern beheben

Öffentliche Proteste gegen den Bahn-Kahlschlag in Vorpommern zeigen offenbar Wirkung. Die Bahn sucht Menschen, die von Pasewalk, Wolgast oder Neubrandenburg aus Züge bedienen möchten.
Vorpommern

Die Bahnstrecke zwischen Pasewalk und Ueckermünde ist seit Wochen weitgehend tot, weil Lokführer fehlen. Auf Strecken ab Neubrandenburg oder Wolgast gibt es auch immer wieder Scherereien. Jetzt will die Deutsche Bahn ihre Personalprobleme mit Umschulungen beheben und setzt auf Quereinsteiger – und zwar so schnell wie möglich.

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Positive Erfahrungen mit Seiteneinsteigern

Per Annonce spricht das Unternehmen Menschen an, „die sich beruflich neu orientieren und entwickeln möchten, zum Beispiel nach der Elternzeit“. Schon zu früheren Zeiten habe sich die Arbeit mit Seiteneinsteigern bewährt, erklärte ein Bahn-Sprecher. „Die DB macht sehr positive Erfahrungen, da die neuen Kollegen sehr motiviert sind.“ Anstoß zum Berufswechsel gebe in den meisten Fällen die Lust, „mal etwas anderes zu machen, oft auch der Verlust des derzeitigen Arbeitsplatzes“. Aus den verschiedensten Berufsgruppen würden sich Männer und Frauen bewerben – „vom Bäcker über Industriemechaniker bis hin zum Bürokaufmann“. Die Bewerber seien zwischen 18 und 60 Jahren alt. Viele würden sich auf ihren Kindheitswunsch zurück besinnen, obwohl oder gerade weil sie mitten im Berufsleben stehen. „Es gibt so viele Gründe für die Bewerbung, wie es berufliche und persönliche Hintergründe gibt.“ Wie viele Bewerber es auf die aktuelle Ausschreibung gibt, verriet der Sprecher nicht.

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Lokführer in nur elf Monaten

Anders als die duale Berufsausbildung dauere die Umschulung nicht drei Jahre, sondern nur zehn bis zwölf Monate. Während für die gewöhnliche Ausbildung ein Hauptschulabschluss genüge, sei für die sogenannte Funktionsausbildung eine abgeschlossene, möglichst technische Berufsausbildung Voraussetzung. Umgeschulte Lokführer würden alles können, was auch ihre Kollegen drauf haben. „Sie arbeiten auf Augenhöhe.“ Alle würden auf Herz und Nieren geprüft.

Tauglichkeit wird geprüft

„Die Arbeit stellt besondere Anforderungen an die mentale und psycho-physische Leistungsfähigkeit. Damit die Sicherheit des Eisenbahnbetriebs gewährleistet ist, müssen sich Lokführer einer Tauglichkeitsuntersuchung durch den Betriebsarzt unterziehen. Sie wird alle drei Jahre wiederholt, ab dem 55. Lebensjahr jährlich“, erklärt der Bahnsprecher. Außerdem möchte die Bahn einen Auszug aus dem Fahreignungsregister sehen, mit dem die Bewerber belegen, dass sie „zuverlässige Verkehrsteilnehmer“ sind. Ein paar Punkte in Flensburg sind jedoch kein Ausschlusskriterium.

44 500 bis 53 400 Euro Jahresgehalt

Je nach Berufserfahrung und Einsätzen würden Lokführer jährlich zwischen 44 500 und 53 400 Euro inklusive Zulagen und Weihnachtsgeld verdienen. Die Umschüler würden während ihrer Lehrzeit rund 2 650 Euro im Monat erhalten, Zulagen gebe es für Arbeit in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen. In Klassen von rund zwölf Teilnehmern habe die Umschulung einen praktischen und einen theoretischen Teil und beinhalte 39 Stunden pro Woche. Ausbildungsort sei Berlin-Lichtenberg.

Aufstiegsmöglichkeiten vorhanden

Das Aufgabenfeld eines Lokführers beschränke sich nicht auf das bloße Manövrieren des Zugs. „Er bereitet Züge im Fern-, Güter- und Regionalverkehr auf die rechtzeitige Abfahrt vor und fährt sie sicher und pünktlich zum Ziel. Außerdem beseitigt er Störungen am Fahrzeug.“ Aufstiegsmöglichkeiten seien gegeben, etwa zum Meister für Bahnverkehr, zum Fachwirt für Bahnbetrieb, zum Disponenten, zur Führungskraft, zum Ausbilder oder zum Trainer.

Auch bei Esatzbussen Personalprobleme

Insgesamt arbeiten bei der DB etwa 19 400 Lokführer, davon rund 2600 im Fern-, rund 12 700 im Regional- und rund 4200 im Güterverkehr. Wird ein Lokführer krank oder hat Urlaub, wird er nach Möglichkeit von einem Kollegen vertreten, der auch unter Umständen von weiter weg anreist und einspringt. Für den Nordosten ist die Personaldecke allerdings offenbar derart dünn, dass etwa auf der Regionalexpress-Linie 4 zwischen Pasewalk und Ueckermünde derzeit fast nichts mehr geht. Ersatzbusse pendeln, doch auch Busfahrer sind rar gesät.

Das Quereinsteigerprogramm ist vielfältig, so der Sprecher. Neben Lokführer gehörten der Stellwerksdienst, der Bordservice, der Bereich Rangieren und die Kundenbetreuung zu den Top 5-Berufen.

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