Kacper Smorgol ist Stammspieler bei der A-Junioren-Mannschaft von RB Leipzig.   Foto: RB Leipzig
Kacper Smorgol ist Stammspieler bei der A-Junioren-Mannschaft von RB Leipzig. Foto: RB Leipzig RB Leipzig
Seinen ersten Bundesliga-Treffer bei den A-Junioren markierte der offensive Mittelfeldspieler vergangenes Jahr im Oktober, wen
Seinen ersten Bundesliga-Treffer bei den A-Junioren markierte der offensive Mittelfeldspieler vergangenes Jahr im Oktober, wenig später darf er in einem Testspiel für die Profis ran. RB Leipzig
Smorgol (vorne, Zweiter von links)) mit seiner Mannschaft vor einem wichtigen Spiel in der UEFA Youth League gegen Benfica Lis
Smorgol (vorne, Zweiter von links)) mit seiner Mannschaft vor einem wichtigen Spiel in der UEFA Youth League gegen Benfica Lissabon. RB Leipzig
Lockiger Löcknitzer: Als kleiner Kicker war Smorgol erst für den VfB Pommern Löcknitz und später für
Lockiger Löcknitzer: Als kleiner Kicker war Smorgol erst für den VfB Pommern Löcknitz und später für den Pasewalker FV im Einsatz und wurde damals bei zahlreichen Hallenturnieren zum besten Spieler gekürt. Carola Voigt
Früher Löcknitz, heute RB Leipzig

Dieser 18-Jährige lebt den Traum vom Fußballprofi

Zwischen Bundesliga, Nationalelf und Championsleague - der 18-Jährige Kacper Smorgol lebt den Traum eines Fußballprofis. Im Interview verrät er, was er in seiner Heimat in Vorpommern gelernt hat und wer sein Idol ist.
Leipzig

Er klopft bei RB Leipzig bereits an die Tür zu den Profis an, trifft für sein Land im Nationaldress und spielt in der Junioren-Champions-League gegen PSG und Manchester City. Im Interview mit Nordkurier-Reporter Dennis Bacher berichtet der 18-jährige Kacper Smorgol vom Leben eines heranwachsenden Fußballprofis, verrät, gegen welchen Weltstar er gerne spielen würde und erinnert sich an die Zeit in Pasewalk und Löcknitz, wo alles begann.

Kacper Smorgol, an welchem Ort fühlen Sie sich zu Hause?

Ich habe mich in Rostock sehr wohl gefühlt. Aber man kann schon sagen, dass Leipzig mittlerweile meine Heimat geworden ist, weil ich hier mit meiner ganzen Familie wohne und natürlich auch viele Freunde habe.

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Aufgewachsen sind Sie in Vorpommern und begannen dort auch mit dem Kicken. Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Ihre Zeit beim VfB Löcknitz und beim Pasewalker FV zurückdenken?

Ich habe jetzt keine expliziten Momente in Erinnerung, aber es war eine schöne Zeit, und ich bin froh, dass ich für beide Vereine spielen durfte.

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Gab es jemanden an einem dieser beiden Standorte, der an Ihrer fußballerischen Entwicklung besonders großen Anteil hatte?

Ja, Holger Krüger und Wil Masied. Sie waren meine Trainer in Pasewalk und haben großen Anteil an meiner frühen fußballerischen Entwicklung.

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Wann war für Sie klar, dass Sie Fußballprofi werden möchten?

Das erste Mal in Rostock, da habe ich gemerkt, dass ich die Chance und die Möglichkeit habe, professionell Fußball zu spielen.

 

Warum haben Sie sich 2016 für RB Leipzig entschieden?

Ich war vor dem Wechsel schon einmal in Leipzig beim Probetraining und kannte dadurch die Infrastruktur und die super Trainingsbedingungen. Ich wusste direkt, dass es am besten für meine Entwicklung wäre, wenn ich den Schritt zu RB gehen würde.

 

Wie kann man sich den Alltag eines Kacper Smorgol als Junioren-Bundesligaspieler vorstellen?

Aktuell sieht mein Tag so aus: Aufstehen, Frühstück essen und dann später meinen kleinen Bruder von der Schule abholen. Dann gibt es Mittagessen, und dann beginnt auch schon die Vorbereitung auf das Training in der Akademie. Danach gibt es Abendessen und Freizeit zum Seriengucken oder auch Videospielen. Also relativ unspektakulär. (lacht)

 

Sie durften im November unter dem ehemaligen Profi-Trainer Jesse Marsch bereits in einem Testspiel für die erste Mannschaft auflaufen. Welche Eindrücke haben Sie gewinnen können?

Es hat viel Spaß gemacht. Wenn man auf dem Niveau spielt, merkt man erst, dass das Tempo viel höher ist und man schneller Entscheidungen treffen muss. Ich konnte in diesem Spiel sogar ein Tor erzielen und war sehr zufrieden mit meinem Debüt.

 

Wie nah ist der Kontakt als Nachwuchsspieler generell zu Spielern der Bundesliga-Mannschaft?

Sehr nah. Wir trainieren auf nebeneinanderliegenden Plätzen und sehen die Profis jeden Tag. Dadurch, dass Profis und Nachwuchs hier in der Akademie unter einem Dach sind, hat man häufig Berührungspunkte.

 

Gibt es eine Begegnung mit einem Profi, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Nein, nicht speziell. Aber allgemein kümmern sich gerade die Führungsspieler um uns Nachwuchsakteure und versuchen, uns zu helfen.

 

Welchen Moment in Ihrer Laufbahn würden Sie als bisherigen Höhepunkt bezeichnen?

Das Youth-League-Spiel gegen Olympique Lyon, als ich als U17-Spieler bereits in der U19 spielen durfte.

 

Im europäischen Wettbewerb durften Sie zuletzt auch gegen Teams wie PSG und Manchester City von Beginn an ran. Welchen Stellenwert haben Spiele gegen diese großen Mannschaften für Sie?

In der Youth League konnten wir leider nicht punkten, aber trotzdem habe ich sehr viel Erfahrung gesammelt. Sich gegen die besten Spieler Europas zu messen, ist wichtig für die eigene Entwicklung. Man sieht, auf welchem Stand man ist und wo man noch Defizite hat. Diese Spiele sind immens fordernd, aber auch ungemein wichtig.

 

Gibt es einen Fußballer, dem Sie gerne einmal auf dem Platz gegenüberstehen würden?

Mein Traum wäre, mal auf Cristiano Ronaldo zu treffen.

 

Auch die Nationalmannschaft ist seit einigen Jahren ein Thema für Sie. Für die U15 Polens gaben Sie Ihr Debüt, zuletzt waren Sie für die U17 aktiv. Ist die A-Nationalmannschaft ein Ziel?

Ja. Es wäre eine große Ehre, für Polens A-Nationalmannschaft aufzulaufen. Aber dafür muss vieles passen und ich muss mich Schritt für Schritt weiterentwickeln.

 

War die deutsche Nationalmannschaft mal eine Option?

Nein, ich wollte immer für Polen spielen. Das ist eine Herzensangelegenheit.

 

Welche Rückschläge mussten Sie hinnehmen?

Ich hatte mal eine Phase, in der ich ständig verletzt war und nie richtig in Fahrt kam. Das war mein größter Tiefpunkt bisher. Aber auch aus solchen Phasen lernt man, und es hilft für die weitere Entwicklung. Denn in solchen Situationen wird dir vor Augen geführt, dass man dankbar sein sollte, gesund zu sein und sein Hobby professionell und leistungsorientiert ausüben zu können.

 

Wie lautet Ihr persönliches sportliches Ziel?

Ich möchte Fußballprofi werden und so erfolgreich wie möglich sein. Ich weiß, dass diesen Traum viele haben, aber ich gebe alles, um ihn irgendwann mal zu verwirklichen.

 

Welchen Tipp würden Sie einem jungen Fußballer – sagen wir aus Löcknitz oder Pasewalk – geben, der unbedingt Fußballprofi werden möchte?

Man sollte sich immer absolut professionell verhalten, dazu gehört zum Beispiel gesundes Essen und gesunder Schlaf. Zudem sollte man immer zusätzlich zum Mannschaftstraining an sich arbeiten – an seinen Schwächen, aber auch seinen Stärken. Nur wer mehr macht als die anderen, erhöht seine Chancen, auch besser als die anderen zu werden.

 

 

 

 

Früher Löcknitz, heute Leipzig: Kacper Smorgol aus Vorpommern will in die Bundesliga

Den Namen Kacper Smorgol schreiben sich an einem Samstag im Februar vor ziemlich genau zehn Jahren nicht wenige Späher dick und fett in ihre Notizblöcke. Schließlich sorgt der kleine Kicker mit dem auffälligen Lockenkopf auf dem quietschenden Rostocker Hallenboden dafür, dass die F-Junioren des VfB Pommern Löcknitz erstmals in ihrer Geschichte zu den zwölf besten Nachwuchsteams des ganzen Landes gehören. Kacper Smorgol, gebürtiger Stettiner und zu diesem Zeitpunkt acht Jahre alt, kann damals noch nicht ahnen, dass er an diesem Tag den Grundstein einer Laufbahn legen würde, die ihn zehn Jahre später bis in den Profikader von RB Leipzig führen sollte.

Anno 2014, der Landesfußballverband richtet einen großen Talente-Tag aus, und ein zehnjähriger Dribbelkünstler, der sich inzwischen dem Pasewalker FV angeschlossen hat und bei fast jedem Hallenturnier zum besten Spieler gekürt wird, spielt sich ins Blickfeld des FC Hansa Rostock. Zwar soll Kacper Smorgol damals auch ein Angebot vom VfL Wolfsburg vorliegen haben, doch der elfjährige Knirps aus Vorpommern entscheidet sich gegen ein Engagement beim Bundesliga-Nachwuchs aus der Autostadt – stattdessen packt die Familie ihre Koffer und bricht in Richtung Ostseeküste auf. „Mein Papa hat gesagt, ich habe schon im Laufgitter Fußball gespielt”, diktiert der kleine Dribbelkünstler, dessen großes Vorbild schon damals Cristiano Ronaldo ist, seinerzeit einem Nordkurier-Reporter in den Block. Und: „Eines Tages möchte ich Fußballspieler werden.”

Kurz darauf kommt Smorgol seinem Traum ein großes Stück näher – Fußball-Bundesligist RB Leipzig lädt den quirligen Offensivspieler zu einem Probetraining ein, dem die tollen Bedingungen auf dem rund sechs Hektar großen Trainingszentrum gefallen, weshalb er sich für einen Wechsel in die Akademie der Sachsen entscheidet.

Erneut wird Kacper Smorgol von seiner Familie begleitet und durchläuft bei den Roten Bullen fortan alle Nachwuchsaltersklassen. Inzwischen ist das Talent volljährig und zählt in der Nord/Nordost-Staffel der A-Junioren-Bundesliga zum Stammpersonal von Coach Daniel Meyer, der unter anderem als ehemaliger Trainer des Zweitligisten Erzgebirge Aue bekannt ist. Für die U15 der polnischen Nationalmannschaft gibt Kacper Smorgol bereits im Alter von 14 Jahren sein Debüt, es folgen elf weitere Länderspiele für Polens U15, U16 und U17, in denen er zwei Tore erzielt.

Seinen ersten Bundesliga-Treffer bei den A-Junioren markiert der Pole im vergangenen Oktober, wenig später läuft Smorgol im Nachwuchs-Wettbewerb der Champions League gegen Paris Saint-Germain und Manchester City auf, als sein Name kurz darauf plötzlich auf dem Zettel von Leipzigs Bundesliga-Trainer Jesse Marsch steht. Dieser nominiert Smorgol überraschend für ein Testspiel gegen einen Regionalligisten, in dem der Offensivspieler sogar von Beginn an ran darf und prompt den Führungstreffer erzielt. Zwar muss Marsch den Verein nur wenige Wochen später verlassen und Kacper Smorgol seither auf seinen nächsten Einsatz für die Profis warten – an seinem Traum von damals hat sich allerdings überhaupt nichts geändert: „Ich möchte Fußballprofi werden.”

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