Etwa 1600 Freiwillige sollen beim Zensus 2022 landesweit zum Einsatz kommen. In Vorpommern hat ein Interviewer hingeworfen, we
Etwa 1600 Freiwillige sollen beim Zensus 2022 landesweit zum Einsatz kommen. In Vorpommern hat ein Interviewer hingeworfen, weil die Frage nach der Fahrkosten-Pauschale nicht geklärt ist. Foto: Daniel Karmann Daniel Karmann
Zensus 2022

Hohe Benzinpreise – Behörde verprellt freiwillige Helfer

Weil nicht klar ist, ob es für die Befrager beim Zensus 2022 eine Fahrkostenpauschale gibt, hat ein Freiwilliger aus Vorpommern seine Teilnahme abgesagt.
Vorpommern

Seit Sonntag laufen Befragungen zum „Zensus 2022“ – bis in den August hinein. Mit dieser landesweiten Befragung sollen Daten gesammelt werden zur aktuellen Bevölkerungszahl, zur Demografie, das heißt zu Alter, Geschlecht oder zum Beispiel zur Staatsbürgerschaft der hier im Land Lebenden „sowie Daten zur Wohn- und Wohnungssituation wie durchschnittliche Wohnraumgröße, Leerstand oder Eigentümerquote“, teilte das Statistische Amt des Landes.

Für diese Arbeit werden viele Freiwillige benötigt. Denn es werden jede Menge Angaben zusammengetragen. Für die Haushaltsbefragung sind in MV etwa 300.000 zufällig ausgewählte Personen zur Teilnahme aufgerufen, dazu 35.000 Bewohner von Wohnheimen und 1.000 leitende Angestellte in Gemeinschaftsunterkünften. Für die Gebäude- und Wohnungszählung sind bereits alle rund 405. 000 Eigentümer von Wohnungen und Häusern angeschrieben worden. Das ist nur mit vielen freiwilligen Helfern zu schaffen, und die gibt es in der Tat auch. Vor allem die Kreise und die kreisfreien Städte sind für die Zählung und Befragung zuständig. Zu dem Zweck sind landesweit 19 Befragungsstellen eingerichtet, die von etwa 1.600 Freiwilligen unterstützt werden, die je nach Befragung persönlich an die Türen klopfen.

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„Das geht bei den Benzinpreisen richtig ins Geld”

Einer dieser Freiwilligen, der in Vorpommern unterwegs sein sollte, ist Wolfhard Thiel. Der Mann aus  Lübs hat sich auf die Aufgaben vorbereitet und ist auch dafür als Interviewer geschult worden. Eigentlich freute er sich auf die Aufgaben, allerdings fragte er sich, wie es mit der Vergütung aussieht. Nach den ihm vorliegenden Informationen erhält er zwar sechs Euro für ein Interview. „Allerdings finden diese Interviews nicht in der Nachbarschaft statt“, sagt Thiel. Darum muss er, wenn er zu den Befragungen aufbricht, damit rechnen, dass er mit seinem Privat-Auto doch etliche Kilometer zurückzulegen hat. „Das geht bei den derzeitigen Benzinpreisen richtig ins Geld.“ Darum stellte er die Frage, wie es für die Interviewer mit einer Fahrkosten-Pauschale aussieht. 30 Cent pro Kilometer, findet der Lübser, seien angemessen. Thiel hat diese Frage bei der für ihn zuständigen Erhebungsstelle in Anklam mehrfach gestellt – aber keine Antwort erhalten.

Auch eine Nachfrage des Nordkurier in der Anklamer Erhebungsstelle brachte keine Klarheit. In der Schweriner Erhebungsstelle war ebenfalls keine Antwort zu bekommen: „Bei uns ist  eine Fahrkostenpauschale nicht vorgesehen. Ob die anderen Erhebungsstellen so eine Pauschale zahlen, das legen sie selbst fest, dazu können wir nichts sagen. Womöglich gibt es nach Abschluss der Befragungen eine Pauschale“, so die Auskunft.

Keine befriedigende Antwort

Inzwischen hat sich die Verwaltung des Landkreises Vorpommern-Greifswald zu dem Thema geäußert. „Derzeit wird geprüft, in welcher Form den Erhebungsbeauftragten eine zusätzliche Entschädigung für ihre Aufwendungen, das sind unter anderem die Teilnahme an der Schulungsveranstaltung und Fahrten zu den zu befragenden Bürgern, gezahlt werden kann und in welcher Höhe. Sie dient dazu, die erhöhten Kosten an den Tankstellen etwas abzumildern“, heißt es auf eine entsprechende Anfrage des Nordkurier.

Thiel findet, dass dies  keine befriedigende Antwort ist. Er hatte deswegen auch eine Frist gestellt: Zehn Tage vor dem Zensusbeginn wollte er verbindlich eine Aussage zu der Fahrkostenpauschale – und bekam keine Antwort. Zuvor hatte er gerechnet, wie viele Kilometer er fahren müsste, was er dabei an Sprit verbrauchen würde, und dann die Aufwendungen mit dem verglichen, was unterm Strich für ihn herauskommt. Das Ergebnis war ernüchternd: Bei den Spritpreisen kann er sich das einfach nicht leisten. Insofern wird er nicht als Interviewer tätig werden. „Ich bin mir sicher, dass es auch andere Interviewer so sehen.“

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