16 Gänse wurden bei Neuensund auf der Weide getötet. Am Abend waren sie noch gesund und munter (links), am näch
16 Gänse wurden bei Neuensund auf der Weide getötet. Am Abend waren sie noch gesund und munter (links), am nächsten Morgen tot (rechts). Fotomontage: Picture Alliance/Privat/Hannes Ackermann
Riss

Hund oder Wolf – Wer hat die Gänse getötet?

Fast eine ganze Gänseherde wurde in Neuensund gerissen. Wer das war, darüber sind sich Gänsehalter und Ministerium ganz und gar nicht einig.
Neuensund

16 gerissene Gänse hat Julian Lieverscheidt zu beklagen. Der Inhaber des Unternehmens LS Geflügel in Neuensund ist sich sicher, dass ein Wolf sein Geflügel getötet hat.

„Die Gänse waren fünf Tage lang auf einer neuen Weide außerhalb unseres Geländes“, beschreibt der Geflügelzüchter die Nacht, in der es geschah. Eine einzige Nacht lang sei niemand auf dem Hof gewesen. „Das hat der Wolf wohl gemerkt und hat genau in der Nacht zugeschlagen.“ Die Hunde im Zwinger hätten natürlich mitbekommen, dass auf der Gänseweide etwas ganz und gar nicht stimmt. „Die wurden so wild, dass die ein massives Tor auseinander genommen haben, um den Wolf zu vertreiben – aber leider ohne Erfolg.“

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Nur sieben Gänse haben den Angriff überlebt

Von 23 Gänsen habe der nächtliche Angreifer sieben übrig gelassen. Eine verletzte Gans habe nur mit knapper Not überlebt. Eine Rissgutachterin habe die toten Gänse und den Ort des Geschehens untersucht und sei sich anfangs anhand der Spuren sicher gewesen, dass dies das „Werk“ eines Wolf war. Doch auf Entschädigung kann Julian Lieverscheidt lange warten. Inzwischen heißt es nämlich, ein Hund sei es gewesen. „In dem Rissprotokoll ist vor Ort aufgrund eines ersten Eindrucks zunächst Wolf als möglicher Verursacher vermerkt worden, mit der Begründung ‚für Fuchs untypisch‘“, teilte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltministerium dem Gänsehalter mit. Das erste Protokoll sei jedoch nur einer von mehreren Teilen der Faktenanalyse. Erst nach einer Abschlussbewertung aller Ergebnisse einschließlich einer DNA-Untersuchung und der Prüfung durch „weitere erfahrene Personen“ könne man sagen, welches Tier die Gänse tötete. In diesem Fall sei es zweifellos ein Hund gewesen.

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Wolf wurde schon ganz in der Nähe gesehen

Gänsehalter Julian Lieverscheidt glaubt das nicht. „Da man natürlich nicht den Wolf als Verursacher haben möchte, heißt es jetzt, ein Hund, auch kein Fuchs.“ Das sei „Quatsch“. Schließlich sei der Wolf schon ganz in der Nähe gesehen worden, in Klepelshagen in einer ehemaligen Müllkippe.

Nicht allein das Ergebnis des Gutachtens, auch das Verhalten der Ministeriums-Mitarbeiter komme ihm seltsam vor. „Ich musste einer Antwort der Gutachter hinterher rennen, telefonieren, mehrere E-Mails als Erinnerung schicken, bis ich es schon fast selbst vergessen hatte.“ Er glaubt nicht, dass er noch Schadensersatz bekommt. Öffentlich machen wollte er seinen Fall, damit alle wissen, mit welchen Sorgen Fleischproduzenten es heutzutage zu tun haben.

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