Die Torgelower Eisengießerei gehört seit Anfang November ganz offiziell zur Silbitz-Group aus Thüringen. Der U
Die Torgelower Eisengießerei gehört seit Anfang November ganz offiziell zur Silbitz-Group aus Thüringen. Der Unternehmensverbund hat in Deutschland drei weitere Standorte, in Tschechien einen. Jens Büttner
Jan Kuhnert von der IG Metall
Jan Kuhnert von der IG Metall NK-Archiv
Nach der Übernahme

IG Metall drängt auf Tarif für Torgelower Eisengießer

Mit der Übernahme der Torgelower Eisengießerei ändert sich auch einiges in der Chefetage. Die Gewerkschaft will erreichen, dass die Mitarbeiter besser bezahlt werden.
Torgelow

Anfang Oktober galt die Meldung noch unter Vorbehalt, seit dem 1. November ist es Gewissheit: Die Thüringer Silbitz-Group hat die Eisengießerei Torgelow (EGT) übernommen. Das Unternehmen aus Thüringen verfügt aktuell über fünf Standorte – vier davon in Deutschland, einer befindet sich in Tschechien. Die Sibitz-Group ist über den Zuwachs in Vorpommern stolz – und das hat Gründe. „Mit der Integration der Eisengießerei Torgelow ist die Silbitz Group die einzige europäische Gießereigruppe mit direktem Zugang zum Meer. Renommierte Unternehmen und zufriedene Kunden aus dem In- und Ausland setzen auf das handwerkliche Können, die Präzision und Qualität sowie die Schnelligkeit und Liefertreue der Torgelower Eisengießer“, heißt es bei dem Unternehmensverbund. Torgelow.

Werksleiter löst bisherigen Geschäftsführer ab

In der Torgelower Gießerei wird, trotz der Entwicklungen der vergangenen Wochen und Monate, weiter produziert. Aber für die etwa 300 Torgelower Mitarbeiter könnte sich durch die Übernahme einiges ändern, sagt Gewerkschaftssekretär Jan Kuhnert von der IG Metall Stralsund-Neubrandenburg. Die Gewerkschaft sei ganz froh darüber, dass mit der Silbitz-Group ein deutsches Unternehmen den Torgelower Standort übernommen hat. „Es waren noch zwei andere Interessenten im Rennen, aus dem Ausland“, so der Gewerkschaftssekretär.

Mit der Eigentümeränderung verbunden ist auch ein personeller Wechsel an der Spitze der Gießerei. Nach Auskunft der Gewerkschaft soll Axel Schmidt neuer Werksleiter werden und damit den bisherigen Geschäftsführer Peter Krumhoff ablösen. Eine Information, die seitens der Geschäftsführung der Gießerei auf Nordkurier-Nachfrage weder bestätigt noch dementiert wurde.

„Die Aussichten auf mehr Lohn stehen nicht schlecht”

Diese Veränderung in der Chefetage wird die Belegschaft allerdings wohl eher am Rande interessieren. Denn laut Jan Kuhnert stehen die Aussichten gar nicht so schlecht, dass die Torgelower Gießereibelegschaft nach entsprechenden Verhandlungen nach Tarif bezahlt wird. „An einem Standort der Silbitz-Group in Thüringen ist das bereits so, und am Standort Staßfurt ist man gerade dabei, einen Tarifvertrag zu verhandeln“, weiß Kuhnert. Er geht davon aus, dass sich so ein Tarifvertrag auch in Torgelow durchsetzen lässt. Sollte das umgesetzt werden können, dann würden die Torgelower künftig mehr verdienen. Was auch nötig sei, denn die „Bezahlung bei der EGT ist derzeit unter aller Kanone“, so Jan Kuhnert. Die Torgelower verdienen, sagt er, deutlich weniger als ihre Berufskollegen in der Ueckermünder MAT-Gießerei. „Da gibt es Unterschiede beim Stundenlohn von etwa fünf Euro und mehr“, sagt der Gewerkschaftsmann.

Personalchefin ist auch Betriebsrätin

Er äußert zudem die Hoffnung, dass sich durch den Wechsel an der Spitze des Torgelower Betriebes künftig auch in Sachen Betriebsrat etwas ändern wird. Der bisherige Geschäftsführer sei da nicht unbedingt kooperativ gewesen. „Ich gehe davon aus, dass wir in der Eisengießerei einen Betriebsrat auf die Beine stellen können, der den Namen auch verdient“, ist Jan Kuhnert optimistisch. Schließlich könne es nicht sein, dass die Gießerei-Personalchefin gleichzeitig Betriebsrätin sei. „Das führt, wenn zum Beispiel ein Kollege entlassen werden soll, unweigerlich zu Interessenkonflikten“, sagt der Gewerkschaftssekretär.

Die IG Metall hat in der Torgelower Gießerei Mitglieder, es könnten aber aus Gewerkschaftssicht noch mehr sein. Immerhin wäre dies wichtig, wenn es an die Tarifverhandlungen geht, so Jan Kuhnert. Er lädt übrigens auch alle nicht-organisierten Kolleginnen und Kollegen ein, sich bei der Gewerkschaft über die aktuellen Entwicklungen in dem Unternehmen zu informieren – unter anderem über die Folgen des Betriebsübergangs. „Ein Jahr lang ändert sich da erst einmal nichts, und wie es dann weitergeht, das muss man sehen.“

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