Melkerin Madlen Dümmel ist mit Leidenschaft Tierwirtin. In der Agrargesellschaft Brietzig kümmern sich sieben Mitarb
Melkerin Madlen Dümmel ist mit Leidenschaft Tierwirtin. In der Agrargesellschaft Brietzig kümmern sich sieben Mitarbeiter direkt um die Tiere, weitere sind etwa mit der Futtergewinnung indirekt dabei. Fred Lucius
Das ist der Nachwuchs für die künftige Milchproduktion in Brietzig. Das Landwirtschaftsunternehmen hält 330 Mil
Das ist der Nachwuchs für die künftige Milchproduktion in Brietzig. Das Landwirtschaftsunternehmen hält 330 Milchkühe plus Nachzucht. Fred Lucius
Landwirtschaft

Immer weniger Milchbauern im südlichen Vorpommern

Der Slogan „Die Milch macht's” verliert an Bedeutung: Die Deutschen trinken immer weniger Kuhmilch, wie es passend zum Tag der Milch am 1. Juni hieß. Sind die Milchbauern eine aussterbende Spezies?
Uecker-Randow

Steffen Walter kennt die Zahlen. „Im Bauernverband Uecker-Randow sind noch zehn Milch produzierende Betriebe organisiert. Darüber hinaus gibt es in der Region einige wenige andere. Fakt ist: Die Zahl der Milchbetriebe ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, auch bei uns”, sagt der Geschäftsführer der Agrargesellschaft Brietzig und Vorstandsmitglied im regionalen Bauernverband.

Dass es Milchbauern aber bald nicht mehr geben wird, glaubt der Landwirt indes nicht. So sinke die Zahl der Milchkühe längst nicht so stark wie die Zahl der Betriebe. Die Tiere eines schließenden Unternehmens würden in anderen „aufgefangen”. Das stehe zwar der politischen Vorstellung entgegen, dass die Zukunft kleineren Bauernhöfen gehören solle, sei aber die Praxis. „Milchproduktion hat es bei uns in der Region immer gegeben. Ich gehe davon aus, dass das so bleibt.”

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Schwerige Rahmenbedingungen für Landwirte

Den Grund für den Rückgang bei den Milchbauern sieht er weniger in dem sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch von Kuhmilch als vielmehr in den schwierigen Rahmenbedingungen für diese Landwirte. Seit über einem Jahr etwa warte er auf die Baugenehmigung für einen neuen Kuhstall. Mittlerweile hätten sich die Baukosten deutlich erhöht. An die Haltung der Tiere würden immer strengere Bedingungen geknüpft. Dafür müsse man aber auch die Voraussetzungen schaffen können. „In der Milchproduktion braucht man Durchhaltevermögen. Und man muss auch in Ställe und Technik investieren. Sonst verliert man den Anschluss. Kleinere Unternehmen mit etwa 50 Tieren haben es da natürlich schwerer”, sagt der Brietziger. Für die Futtermittelproduktion benötige der Landwirt zudem ausreichend Grünland. Und für die Arbeit im Stall, 365 Tage im Jahr, brauche er ausreichend Fachkräfte. Abwarten müsse man, wie sich die Verringerung der Direktzahlungen für die Landwirte ab dem kommenden Jahr auswirkt. Zunehmend zum Problem werde, dass landwirtschaftliche Flächen für Solarparks beansprucht werden.

Diesel, Dünger, Strom und Wasser – alles wir teurer

Der Milchpreis ist nach Angaben des Brietziger Landwirts zuletzt auf etwas über 50 Cent je Kilogramm gestiegen. „Vor zwei, drei Jahren hätte man davon nur träumen können.” Jedoch hätten sich die Preise für Zukaufprodukte wie Rapsschrot verdoppelt. Auch Diesel, Düngemittel, Strom oder Wasser seien zum Teil deutlich teurer geworden. Walter zufolge müssten es demnach etwa fünf Cent je Kilogramm mehr sein, um eine Produktion zu erreichen, die alle Kosten abdeckt. Die Molkerei in Altentreptow, die zum Deutschen Milchkontor (DMK) und damit zu einem der der größten deutschen Molkereiunternehmen gehört, liege mit ihrem Auszahlungspreis im unteren Drittel.

In der Agrargesellschaft Brietzig werden 330 Milchkühe plus Nachzucht gehalten. Im Schnitt geben diese rund 10.200 Kilogramm Milch im Jahr. Wenn Haltung, Zucht, Futter und das Umfeld für die Tiere stimmen, erreicht man auch eine gute Milchleistung”, ist Steffen Walter überzeugt.

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