Torsten Tiefel, Geschäftsführer der Silbitz Group. Foto: ZVG/Silbitz Group
Torsten Tiefel ist Geschäftsführer der Silbitz Group. ZVG/Silbitz Group
Aktuell sucht die Silbitz Group Torgelow Kranfahrer, Konstruktionsmechaniker, Mitarbeiter für die Gussnachbehandlung und
Aktuell sucht die Silbitz Group Torgelow Kranfahrer, Konstruktionsmechaniker, Mitarbeiter für die Gussnachbehandlung und Instandhaltungsschlosser. NK/Archiv
Im Interview

„In der Torgelower Gießerei muss sich niemand um die Zukunft sorgen“

Seit dem vergangenen Jahr hat die Torgelower Gießerei einen neuen Eigentümer. Geschäftsführer der Silbitz Group, Torsten Tiefel, verrät im Interview die künftigen Ziele am Torgelower Standort.
Torgelow

Wie ist Ihre Firma auf das Torgelower Unternehmen gestoßen?

Als Marktbegleiter der ehemaligen Eisengießerei Torgelow waren uns unsere Wettbewerber bekannt. Des Weiteren gab es auch eine aktive Ansprache durch den Insolvenzverwalter.

Was verspricht sich die Silbitz Group von dem Zuwachs in Vorpommern?

Die ehemalige Eisengießerei Torgelow wurde durch die Silbitz Group im vergangenen Jahr übernommen und firmiert seit dem 1. November 2021 unter dem Namen Silbitz Group Torgelow GmbH.Wir freuen uns sehr, der Eisengießerei Torgelow als neuer Eigentümer eine langfristige und stabile Perspektive geben zu können. Wir sind überzeugt von der Leistungsfähigkeit des Unternehmens und der Mitarbeiter. Das Portfolio der Gießerei in Torgelow, mit der Ausrichtung auf die Produktion von hochkomplexen Gussteilen in einem Gewichtsbereich von 20 bis etwa 100 Tonnen für die Offshore-Windkraftindustrie sowie für die Motorentechnik, ergänzt das Gruppenportfolio perfekt.

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Mit der Übernahme verbreitern wir unser Produktspektrum in der Gussproduktion im Bereich der Offshore-Windindustrie und verfolgen unseren Kurs, unsere Kunden bei der Herstellung nachhaltiger Produkte zu unterstützen. Mit der Integration der Eisengießerei Torgelow ist die Silbitz Group fortan die einzige europäische Gießereigruppe mit direktem Zugang zum Meer. Die Turbinen der Windkraftanlagen werden immer leistungsstärker, damit steigen Größe und Gewicht der Bauteile. Sie können an Land nur über kurze Strecken wirtschaftlich transportiert werden. Unser neuer Standort Torgelow liegt im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns, zehn Kilometer vom Hafen Ueckermünde entfernt, und verfügt über einen strategisch wichtigen Ostseezugang. Das ermöglicht uns kurze und effiziente Transporte zu unseren Kunden.

Wir planen für das Unternehmen ein schnelles, aber nachhaltiges Wachstum und stehen den Mitarbeitern als starker Partner zur Seite. Auch unsere Gruppe verfügt über langjährige Gießereierfahrung, daher befinden wir uns bereits in einem regen Wissensaustausch.

Könnten Sie Ihr Unternehmen in kurzer Form vorstellen? Besonders würde mich interessieren, wie die geschichtlichen Wurzeln sind, eventuell die Entwicklung von der Gründung bis heute – und dazu einen Blick in die Zukunft, unter anderem wäre dort die Produktpalette interessant…

Mit vier Gießereien in Silbitz, Zeitz, Torgelow und im slowakischen Košice sowie einem mechanischen Bearbeitungsunternehmen in Staßfurt und einem eigenen Modellbau in Crossen bietet die Silbitz Group seit mehr als 125 Jahren Guss in Präzision – von der Konstruktion bis hin zum einbaufertigen Gussteil. Die Silbitz Group zählt daher zu den führenden Gießerei-Gruppen Europas und beschäftigt derzeit circa 1300 Mitarbeiter und 41 Auszubildende.

Die Gießereigruppe verfügt über eine Gusskapazität im Stahl- und Eisenguss von mehr als 75 000 Tonnen pro Jahr und ist in neun Geschäftsbereichen, unter anderem in den Branchen Windkrafttechnik, Motorentechnik, Maschinenbau, Antriebstechnik, Mining sowie Nutz- und Bahntechnik ein verlässlicher Partner.

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Seine Ursprünge hat die Firmengeschichte in der Zuckerindustrie. Der Formermeister Oswald Kunsch gründete 1896 in Rasberg/Zeitz ein Maschinenbauunternehmen für die Herstellung von Rübenzucker. Zur Eigenfertigung wurde vor Ort eine Gießerei errichtet. Im Zuge der Ausweitung der Produktion als Vorboten des zweiten Weltkrieges wurde der Gießereistandort nach Silbitz an den Fluss Weiße Elster verlagert. Bis heute ist die Gießerei in Silbitz der älteste und größte Standort des Silbitz Gruppe, von wo aus Gussteile zwischen zehn Kilogramm und elf Tonnen zu Kunden weltweit geliefert werden.

Wie stehen Sie zu den Aussagen der Gewerkschaft, in Torgelow in absehbarer Zukunft nach Tarif bezahlen zu wollen?

Wir werden die Wünsche der Belegschaft berücksichtigen und den eingeschlagenen Weg einer individuellen Entwicklung fortsetzen.In den ersten Monaten nach der Insolvenz und Geschäftsübernahme stehen die Arbeitsplatzsicherung, aber vor allem die Auftragsstabilität im Fokus. Jedoch wird es im Rahmen der bestehenden innerbetrieblichen Strukturen der Gießerei weiterhin eine einfache und unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung geben, die sich künftig auch auf die Entgeltstruktur auswirken wird.

Wie sieht es mit der beruflichen Perspektive der derzeitigen Torgelower Belegschaft aus? Sind Entlassungen nötig – oder ist womöglich ein Zuwachs an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geplant?

Aus derzeitiger Sicht und mit Blick auf bevorstehende Aufgaben muss sich in Torgelow kein Mitarbeiter Gedanken um seinen Arbeitsplatz machen. Seit der Integration in die Silbitz Group gab es bereits sechs Neueinstellungen im Bereich Produktion, unter anderem als Former und Produktionshelfer. Aktuell suchen wir beispielsweise auch Kranfahrer, Konstruktionsmechaniker, Mitarbeiter für die Gussnachbehandlung und Instandhaltungsschlosser. Und auch künftig werden wir punktuell gezielt nach Verstärkung suchen.

Wo sehen Sie den Torgelower Standort in fünf oder zehn Jahren?

Die Silbitz Group Torgelow wird auch in Zukunft der strategische Schwerpunktstandort in Europa für Großguss sein. Als Unterstützer und Kernlieferant der Windbranche wird die Silbitz Group Torgelow den Kunden bei der Entwicklung neuer und noch leistungsstärkerer Technologien für den Windkraftsektor als Partner zur Seite stehen und so einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten. Ziel ist es auch weiterhin, für eine gute Auslastung der Produktionsflächen und der Produktionskapazität zu sorgen.

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