„Es lief super, ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung.“ – Elias Heydrich, bescheidener Medaillengewinne
„Es lief super, ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung.“ – Elias Heydrich, bescheidener Medaillengewinner von Tallinn. Uwe Bremer
Lettland, Schweden, USA – der Torgelower, hier im blauen Anzug, traf in Estland auf internationale Kontrahenten.
Lettland, Schweden, USA – der Torgelower, hier im blauen Anzug, traf in Estland auf internationale Kontrahenten. Uwe Bremer
Nach dem Wettkampf blieb für Elias (links) und seinen Trainer Uwe Bremer noch etwas Zeit für Kultur.
Nach dem Wettkampf blieb für Elias (links) und seinen Trainer Uwe Bremer noch etwas Zeit für Kultur. Uwe Bremer
Eiskalt, nicht nur auf der Matte: Elias Heydrich.
Eiskalt, nicht nur auf der Matte: Elias Heydrich. Uwe Bremer
Internationales Wrestling-Turnier

▶ Junger Ringer aus Vorpommern macht Traum von Tallinn wahr

Beim „größten Ringer-Turnier Europas“ in Estland war auch Elias Heydrich aus Torgelow dabei. Der 14-Jährige überraschte selbst seinen Trainer.
Tallinn

Der Flieger ist längst wieder in Berlin gelandet, in Gedanken sind Uwe Bremer und sein Schützling Elias Heydrich aber noch immer in Tallinn. „Es lief alles super, ich habe viele Techniken geschafft“, denkt der 14-jährige Sportler an das vergangene Wochenende in der estnischen Hauptstadt zurück. „Das hat wirklich Spaß gemacht.“ Elias Heydrich ist ein bescheidener junger Sportler, ohne den Hang zur Dramatik. Einer, der sich beim Empfang von Medaillen eher nach innen freut – kein Kandidat für Jubelsprünge. Dabei hätte der Teenager aus Torgelow momentan allen Grund zur Euphorie.

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Größtes Ringer-Turnier in Europa

Als Underdog und vermeintlich ohne echte Chance auf Edelmetall war Elias Heydrich in Begleitung seines Forderers und Förderers Uwe Bremer vergangene Woche in ein Flugzeug gestiegen, das in Richtung Baltikum abhob, wo der Realschüler der Albert-Einstein-Schule bei einem internationalen Wettkampf für Nachwuchs-“Wrestler“ antreten sollte. Bei den „Tallinn Open 2022“ – dem größten Ringer-Turnier Europas, wie der Veranstalter selbstbewusst auf seiner Internetseite wissen lässt – ging es für den jungen Athleten vom Sport- und Athletenverein (SAV) Torgelow-Drögeheide „vor allem darum, wichtige Erfahrungen auf internationaler Bühne zu sammeln“, wie sein 40 Jahre älterer Trainer erklärt. „Früher hätte ich gesagt: Dieses Turnier ist eine Nummer zu groß für uns“, so der 54-Jährige, „jetzt haben wir es einfach mal gewagt.“

1500 Sportler dabei, auch aus Amerika und Südafrika

14 Wettkampf-Matten, Live-Übertragung ins Internet, pompöser Einmarsch unter nationaler Flagge: Einen Wettkampf dieser Größenordnung hatte Elias Heydrich, der für seinen Verein bereits auf nationaler Ebene Ringer-Titel gewinnen konnte, bis dato noch nicht erlebt, wie der 14-Jährige nach seiner Rückkehr in Deutschland selbst erzählt. Ziemlich genau 1500 Vollkontaktsportler aus der ganzen Welt, mit Ausnahme von Akteuren aus Russland und Belarus, trafen in der estnischen Multifunktionsarena im Stadtteil Haabersti aufeinander. Darunter Champions aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, der Ukraine, Südafrika – und eben Torgelow.

Ängste sind unbegründet

Von einer Medaille wagten Bremer und Heydrich nicht zu träumen. „Unser Wunsch war es ja, wenigstens einen Kampf zu gewinnen“, erzählt Uwe Bremer. „Ich hatte Angst, alles zu verlieren“, fügt Elias Heydrich hinzu. Es sollte ganz anders kommen.

Bester Deutscher in Tallinn

Kaum in der Arena von Tallinn angekommen, ging es für den Torgelower, der in der Gewichtsklasse bis 68 Kilogramm auf die Matte stieg, Schlag auf Schlag. Ein Kampf folgte auf den nächsten. „Es ging ganz schön wild zu“, erzählt Uwe Bremer. „Irgendwie haben wir sogar den Einmarsch aller Nationen verpasst“, schmunzelt er. Im Griechisch-Römischen, seiner Paradedisziplin, führte Elias Heydrich fünf Kämpfe innerhalb von 90 Minuten durch. „Das waren wir so nicht gewohnt“, erklärt Bremer. „Eine Verschnaufpause hätte gut getan. Eli war platt.“

Der Trainer kann nur staunen

Die Kontrahenten des Kämpfers aus Torgelow stammten aus Lettland, Schweden, den USA – und Elias Heydrich besiegte sie fast alle. Fünf Kämpfe, vier Siege. „Den groß gewachsenen Ami packte er nach nur 30 Sekunden auf die Matte, das war der Wahnsinn“, beschreibt Uwe Bremer, dem besonders die „gute Übersicht“ seines jungen Athleten gefiel. „Darüber konnte man nur staunen“, so der 54-Jährige.

Erst im Finale war für den U15-Sportler, der im Freistil-Wettbewerb einen weiteren Sieg einfahren konnte, gegen einen starken Schweden Schluss. In der Summe bedeutete das: Acht Kämpfe, fünf Siege – Platz viert im Freistil, Platz zwei im Griechisch-Römischen. Silbermedaille. Wahnsinn! Der beste Deutsche des Turniers: Elias Heydrich.

„Bin völlig überwältigt von diesem Bengel!“

„Ich bin völlig überwältigt von diesem Bengel. Davon hätten wir niemals zu träumen gewagt“, schwärmt SAV-Trainer Uwe Bremer mit einigen Tagen Abstand. Er überlegt: „Wenn du so willst, war der zweite Platz am Ende sogar ein bisschen unglücklich für uns.“ Unglücklich wirkt aber weder der stolze Trainer noch sein talentierter Athlet. „Wir sind happy!“, betont Uwe Bremer, der seinen Schützling seit dessen achtem Lebensjahr betreut. „Von der Wertigkeit war das sein größter Erfolg bislang, der Höhepunkt seiner Karriere.“ Und was sagt Elias Heydrich? „Es lief super, ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung.“ Bescheiden, wie immer.

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