Bäckermeister Jörg Reichau übergibt das Familienunternehmen nun an Tochter Nicole (Mitte) und will mit Ehefrau
Bäckermeister Jörg Reichau übergibt das Familienunternehmen nun an Tochter Nicole (Mitte) und will mit Ehefrau Marlies die gewonnene Freizeit nutzen – unter anderem für die Enkel und fürs Gärtnern. Lutz Storbeck
Handwerk

Kult-Bäcker Jörg Reichau verlässt seine Backstube

Jörg Reichau hat sein Unternehmen 24 Jahre lang geleitet – mit Erfolg. Nun möchte der Bäckermeister aus Grambin kürzertreten. Aber wie geht es dann mit der Bäckerei weiter?
Grambin

Jörg Reichau ist Bäckermeister mit Leib und Seele. Und doch ist für ihn zum 1. April Schluss. Nein, kein schlechter Aprilscherz, sondern die seit einiger Zeit vorbereitete Übergabe der Bäckereigeschäfte an Tochter Nicole wird dann ganz offiziell. „Der Notartermin war schon, es war nicht ganz einfach“, sagt der Bäckermeister. Nicht nur wegen der juristischen Seite, sondern auch, weil es für ihn ein Abschied nach über zwei Jahrzehnten ist. „Genau am 1. April 1998 haben wir die Bäckerei damals übernommen“, erinnert sich Ehefrau Marlies Reichau. Jörg Reichau hat sich in Laufe der Jahre dann in der ganzen Region einen Namen gemacht - mit immer neuen Back-Kreationen und mit Engagement fürs Gemeinwohl.

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Drei Meisterausbildungen in der Tasche

Das alles passiere nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge, so beschreibt Bäckermeister Reichau den Ausstieg aus dem aktiven Bäckerleben. Er sei sich ganz sicher, dass Tochter Nicole, die eine Bäcker-Lehre absolviert und danach drei Meisterausbildungen erfolgreich durchlaufen hat, das Geschäft erfolgreich weiterführen wird. „Dass es so kommt, war eigentlich seit etwa anderthalb Jahren klar“, sagt Jörg Reichau. Mit seiner Tochter wird die Familienbäckerei dann in die fünfte Generation gehen.

Mehr Digitales

„Was aber nicht heißt, dass ich ganz und gar raus bin. Meister will ich schon noch sein – und zwar Hausmeister“, sagt Jörg Reichau augenzwinkernd. Was bedeutet: Er werde seiner Tochter und ihrem Partner Gerald Leu nicht reinreden, aber zur Seite stehen. Gerald Leu übrigens hat eigentlich einen anderen Beruf erlernt – und wird seit längerer Zeit im Hause Reichau mit allem vertraut gemacht, was zum Bäckerhandwerk gehört. „Die jungen Leute werden einiges in Richtung Digitalisierung machen“, kündigt der Altmeister an – also das Handwerk mit moderner Kommunikationstechnik verbinden. Wichtig unter anderem, um die acht Filialen zu vernetzen und termingemäß mit Nachschub versorgen zu können.

Arbeit ist eben doch nicht alles im Leben

In das Tagesgeschäft will sich Jörg Reichau nicht mehr einmischen, wenn die jungen Leute die Bäckerei übernommen haben. Aber in Kontakt bleibt er mit dem Unternehmen natürlich. „Ich bin – zunächst für fünf Jahre – angestellt“, sagt er. Eben als Hausmeister. Aber ab und an wird er bei der BWA mit dabei sein. „Das ist die betriebswirtschaftliche Auswertung“, erklärt Jörg Reichau. Die gibt Auskunft, wo beispielsweise Sparpotenzial ist oder wo finanziell nachgeregelt werden muss.

Unterstützung für Vereine und Veranstaltungen

Was Marlies und Jörg Reichau in den 24 Jahren als Betriebschefs am besten gefallen hat? „Dass ich jeden Tag mit meinem Mann zusammen arbeiten konnte“, sagt Maries Reichau spontan. „Und mir, dass ich gestalten konnte, dass mir keiner gesagt hat, was ich machen muss“, fasst der Bäckermeister zusammen.

Wichtig gewesen sei es ihm auch immer, anderen zu helfen, so Reichau. Und so konnte, wer Unterstützung brauchte, stets bei ihm anklopfen – und es gab Brot und anderes für Vereine und Veranstaltungen. „Das gehört einfach dazu“, sagt er.

Grünes Hobby

Es sei ein arbeitsreiches Leben gewesen, sind sich die beiden einig. Aber Arbeit ist eben nicht das ganze Leben, wie insbesondere die Erfahrungen aus der Corona-Zeit gezeigt haben – mit Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent, mit Kurzarbeit für die Belegschaft. „Da habe ich festgestellt, dass es eben auch noch andere Dinge gibt, die wichtig sind“, sagt Reichau.

Das Hobby beispielsweise – mit viel Grün und Gärtnern, mit Gewächshäusern und Pflanzen in Eimern. Das hat Jörg Reichau schon immer fasziniert. Mehr Zeit werden die beiden Ruheständler auch mit der Familie verbringen – mit den Enkelkindern unter anderem, aber auch miteinander. „E-Bikes sind schon bestellt“, sagt Jörg Reichau, der dann noch mehr mit seiner Ehefrau in der Umgebung unterwegs sein will.

Dank ans Team und an die Kunden

Am Ende des aktiven Bäckerberufslebens danken Marlies und Jörg Reichau ihren Kunden, die ihnen über Jahre die Treue gehalten haben. Vor allem aber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, betont Jörg Reichau, der auch im Ruhestand wohl ab und an auf Festen zu sehen sein wird, um Leckeres aus seinem mobilen Backofen unter die Leute zu bringen. Denn komplett loslassen wird ihn das Bäckerhandwerk wohl noch nicht.

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