Große Pause beim Oskar-Picht-Gymnasium am Mittwoch in Pasewalk. Zurzeit gibt es dort nur wenige Corona-Fälle.
Große Pause beim Oskar-Picht-Gymnasium am Mittwoch in Pasewalk. Zurzeit gibt es dort nur wenige Corona-Fälle. Susanne Böhm
An der Grundschule Eggesin wird bei Entscheidungen zu Corona Wert auf die Beteiligung der Eltern gelegt.
An der Grundschule Eggesin wird bei Entscheidungen zu Corona Wert auf die Beteiligung der Eltern gelegt. Archiv
Homeschooling oder nicht?

Schulleiter mögen Freiheit bei Corona-Entscheidungen

Ob Kinder in der Omikron-Welle in der Klasse unterrichtet werden oder nach Hause müssen – das legen künftig die Schulleiter fest, nicht Politiker. In Vorpommerns Schulen kommt das gut an.
Uecker-Randow

Bleiben komplette Klassenstufen zu Hause, ganze Klassen oder werden einzelne Schüler separiert? Das sollen in Mecklenburg-Vorpommern laut Bildungsministerin Simone Oldenburg (Die Linke) künftig nicht mehr Politiker, sondern die Schulleiter selbst entscheiden. An Schulen in Vorpommern-Greifswald wird diese Festlegung begrüßt.

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Lage selbst einschätzen

„Ich finde das gut. Endlich etwas weniger Bürokratie“, sagte Francie Siegmund, Stellvertretende Leiterin der Regionalen Schule in Strasburg. Schließlich wisse man in den Schulen am besten, was zu tun ist. So sieht das auch Cornelia Kühne-Hellmessen vom Gymnasium Pasewalk. „Mit dem neuen Modell können wir die Lage vor Ort selbst einschätzen und handeln.“ Zufrieden zeigte sich auch Ralf Schwarz von der Grundschule Ueckertal in Pasewalk. „Ich halte es für pädagogisch richtig, die Schule so lange wie möglich offen zu halten. Das ist eigentlich nichts Besonderes. So haben wir das vor Corona zum Beispiel bei Grippewellen auch gemacht.“ Auch Katrin Zech, die die Regionale Schule Torgelow leitet, gefällt die Möglichkeit, unabhängiger und flexibler auf die aktuelle Situation in der eigenen Schule reagieren zu können.

„Wir befinden uns in der ersten Phase“

Das sogenannte Drei-Phasen-Modell an den Schulen im Nordosten soll greifen, sobald die prophezeite Omikron-Welle einzelne Häuser erreicht hat. Dann soll jeder Schulleiter für seine Schule festlegen, ob Präsenz-, Wechsel- oder Distanzunterricht stattfindet und für welche Klassen was gilt. „Momentan befinden wir uns in Phase eins“, sagte Francie Siegmund aus Strasburg am Mittwoch. Fast alle der 16 Lehrer seien vor Ort, so gut wie keiner der 185 Schüler krank. Ähnliches Bild im Pasewalker Gymnasium: „Wir haben kaum Ausfälle“, 39 Lehrer gesund, sechs von 340 Schülern in Quarantäne, meldete Cornelia Kühne-Hellmessen. Kein einziger Corona-Fall ist zurzeit an der Grundschule in der Pasewalker Oststadt bekannt, genauso wie in Torgelow: „Ich bin froh, dass nach den Weihnachtsferien noch keine Neuinfektion festgestellt werden konnte“, so Katrin Zech. Sie wisse aber, dass das schon morgen ganz anders aussehen kann.

Stichtag Donnerstag

Nach welchem Prinzip gehen die Schulleiterinnen nun vor? Ganz einfach, sagt Cornelia Kühne-Helmessen in Pasewalk. „Jeden Donnerstag prüfe ich, wie unsere Lehrkräfte aufgestellt sind, ob wir sehr große Mannschaftsausfälle haben oder ob es große Ausfälle bei den Schülern gibt.“ Dann wird entschieden, ob Klassen zusammengelegt oder andere Maßnahmen ergriffen werden. Die Änderungen treten unter Umständen schon am darauffolgenden Montag in Kraft.

„Eltern mitnehmen”

Mario Riedel vom Kreiselternrat Vorpommern-Greifswald sieht in dem neuen System eine Chance – aber auch Gefahren. Mario Riedel sagt: „Gerade im ländlichen Raum, zum Beispiel in Penkun oder Löcknitz, leben Leute mit vielen Kindern und geringem Einkommen. Die haben gar nicht die technischen Möglichkeiten für Homeschooling. Die werden das nicht verstehen. Für Leute, die mit einem Kind und 5G-Netz in einer Eigentumswohnung in Greifswald, Anklam oder auf Usedom leben, ist Homeschooling kein so großes Problem. Familien mit mehreren Kindern auf dem Land sehen dann nur, mein Kind muss zu Hause bleiben, das Nachbarskind darf in die Schule und geben wieder der Politik die Schuld.“ Der fünffache Vater hofft, dass die Schulleiter Rücksicht auf solche Familien nehmen, „dass die schwächeren Kinder in den Schulen bleiben dürfen und die stärkeren ins Homeschooling gehen“. Sein Appell: „Wir müssen diese Familien mitnehmen, sonst verlieren leider wieder die Schwächeren und gewinnen die Stärkeren.“ Hierfür sei es wichtig, dass die Schulleitung die Eltern in Entscheidungen einbindet.

Nicht mehr pauschal dichtmachen

Das wird an der Grundschule in Eggesin längst praktiziert, sagt Leiterin Christiane Blume. „Der Präsenzunterricht steht an erster Stelle. Bei jeder anderen Entscheidung nehmen wir Kinder, Eltern und Kollegen mit. Hier leistet jeder, was er leisten kann.“

Grundsätzlich begrüßt der Kreiselternrat das Drei-Phasen-Modell. „Endlich werden nicht mehr pauschal alle Schulen dichtgemacht, sondern individuelle Lösungen sind möglich“, sagt Mario Riedel. „Das können wir ruhig einmal ausprobieren. Ich bin gespannt.“

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