Die eleganten Kraniche sind in MV auch ein Tourismusfaktor und ziehen Fans an.
Die eleganten Kraniche sind in MV auch ein Tourismusfaktor und ziehen Fans an. Norbert Warmbier
Kraniche versammeln sich am Galenbecker See. Werden es in diesem Herbst so viele wie in anderen Jahren? Da gibt es Bedenken.
Kraniche versammeln sich am Galenbecker See. Werden es in diesem Herbst so viele wie in anderen Jahren? Da gibt es Bedenken. Archiv/Norbert Warmbier
Kraniche können unter anderem im Peenetal beobachtet werden.
Kraniche können unter anderem im Peenetal beobachtet werden. AFL/J. Noack
Wenig Nachwuchs

Trockenheit macht Kranichen in MV das Leben schwer

In diesem Jahr werden im Nordosten viel weniger Jungvögel groß. Experten befürchten, das liegt am Wassermangel. In Vorpommern haben es die Vögel nie leicht, denn dort ist es immer trocken.
Vorpommern

Kraniche gehören zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Vorpommerns. Bald beginnt wieder die Zeit, in der Tausende Fotografen und Naturfans in den Nordosten strömen, um die majestätischen Vögel mit ihren Jungen und später bei ihrem Flug Richtung Süden zu beobachten. Aber wird das Naturschauspiel in diesem Jahr überhaupt so beeindruckend, wie in den Vorjahren? Kranich-Experte Wolfgang Mewes hat seine Zweifel.

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Experte sorgt sich um Kraniche

Die Graukraniche breiten sich weiter in Deutschland aus, leiden 2022 im Nordosten aber wieder unter der langen Trockenheit. „Wir kommen in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern nur auf etwa drei Viertel der Jungvögel, die in normalen Jahren flügge werden”, sagte er in Karow (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Damit liegt der Bruterfolg im Land mit den meisten Kranichbrutpaaren zwar höher als 2021, aber bereits im vierten Jahr in Folge für die Reproduktion zu niedrig. Wegen des langen Lebensalters von Kranichen, die zwölf Jahre und älter werden können, hat das laut Mewes noch keine Auswirkungen auf den Gesamtbestand.

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Viele Brutpaare in MV

Von inzwischen etwa 12 000 Kranichbrutpaaren in Deutschland leben etwa 5000 in Mecklenburg-Vorpommern und rund 3000 in Brandenburg, erläuterte Mewes, der Autor mehrerer wissenschaftlicher Arbeiten und Kranich-Bücher ist und zum Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Deutschland gehört. In Brandenburg sei es seit 2019 ebenfalls in weiten Teilen zu trocken.

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Füchse und Waschbären haben leichtes Spiel

Im Nordosten Deutschlands hatte es im Februar sehr viel geregnet. „Wir hatten gute Wasserstände zu Beginn der Brutsaison”, sagte Mewes. Doch monatelange Trockenheit ab März ließ etliche Nester, die die Kraniche gern in nassen Gebieten anlegen, trockenfallen. Damit hätten auch Raubtiere wie Füchse oder Waschbären leichteres Spiel. „Es gibt sehr wenige Kraniche, die einen Fuchs abwehren können”, erklärte Biologin Isabel Barwisch von der Universität Greifswald.

Viele Nester beobachtet

Sie hat für ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Auswirkungen verschiedener Stressoren auf den Reproduktionserfolg der Eurasischen Kraniche” mit Mewes viele Nester auch in Vorpommern beobachtet und Kameras aufgestellt. Sie hat beobachtet, dass die meisten Großvögel ihre Nester gegen Waschbären verteidigen können. „Füchse stehlen Eier, rauben Jungvögel und sind auch für Altvögel gefährlich”, sagte Mewes.

Wasser-Situation im Südosten schon immer ungünstiger

Dazu kommt, dass die Besiedlungsdichte mit 5000 Brutpaaren im Nordosten sehr hoch ist, so dass sich viele die Nahrung teilen müssen und Kranichpaare auch in andere Regionen abwandern. Regional sei die Wasser-Situation aber sehr unterschiedlich. So gebe es in den Regionen Güstrow und Röbel in diesem Jahr noch gute Brutbedingungen, in der Region Parchim sei es nicht so günstig. In der Uecker-Randow-Region und im Raum Ueckermünde haben es Kraniche immer schwer, sagte Maximilian Stinnes vom Naturpark Am Stettiner Haff am Freitag. In südöstlichen Teil Vorpommerns sei es immer trocken, was sich seit einigen Jahren noch gesteigert habe.

Im Naturpark am Haff wohl alles noch im Grünen Bereich

Einen drastischen Rückgang der Kraniche haben er und seine Kollegen aber bisher nicht beobachtet. „Schwankungen gibt es immer.” Ein ernstes Problem kann er für die Haffküste und die Haffwiesen, die Ueckermünder Heide, die Uecker- und Randow-Niederungen oder die Brohmer Berge nicht bestätigen. „Ich habe schon einige gesehen, auch mit Jungtieren, wie jedes Jahr.” Konkrete Zahlen habe er allerdings nicht, weil der Naturpark kein aktives Kranich-Monitoring betreibe. Wie viele Kraniche in diesem Jahr wirklich in der Region sind, werde sich sowieso erst zeigen, wenn sie sich im Herbst zum Beispiel am Galenbecker See sammeln.

Für die Entwicklung des Kranichbestandes seien die nächsten Jahre sehr wichtig, sagte Mewes. Er rechnet in einem Zyklus von acht bis zehn Jahren mit ersten wirklich sichtbaren Auswirkungen. Derzeit sammeln sich im Nordosten die Jungvögel an bekannten Rastgewässern, die noch genug Wasser haben. Dazu zählen der Rederangsee im Müritz-Nationalpark, die Langenhägener Seewiesen, Drewitzer See, Schaalsee und der Galenbecker See. Dort treffen im Herbst auch Kraniche aus Skandinavien ein, die später nach Süden oder Westen weiterziehen.

Bundesweit haben die Glücksvögel fast alle Bundesländer besiedelt, bis auf das Saarland und Rheinland-Pfalz, sagte Mewes. So wurden erste Brutpaare aus Hessen und Baden-Württemberg gemeldet. Niedersachsen habe bereits mehr als 1500 Brutpaare, dann folgen Sachsen-Anhalt (800), Schleswig-Holstein (550) und Sachsen (500). In Bayern gebe es 40, in Nordrhein-Westfalen und Thüringen je etwa 25 Brutpaare.

 

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