Zurzeit haben es die Tierretter in Vorpommern mit vielen jungen Katzen zu tun. Auch für diese suchen sie ein schönes
Zurzeit haben es die Tierretter in Vorpommern mit vielen jungen Katzen zu tun. Auch für diese suchen sie ein schönes Zuhause. Tierrettung Greifswald
Mit ihrem Rettungswagen fahren die Greifswalder Tierretter auch in die abgelegensten Ecken Vorpommerns – hier hatten sie
Mit ihrem Rettungswagen fahren die Greifswalder Tierretter auch in die abgelegensten Ecken Vorpommerns – hier hatten sie einen Termin in Bröllin. Susanne Böhm
Steigende Preise

Vorpommerns Tierschützern brechen die Spenden weg

Bei der Tierrettung Greifswald und im Tierheim Berndshof ist mit Beginn des Krieges in der Ukraine das Spendenaufkommen eingebrochen. Dabei kann jeder helfen, auch ohne Geld.
Vorpommern

Tierschützer schlagen mit Blick auf steigende Energiekosten Alarm. „Sollten die Heizkosten für die Tierheime weiter steigen, könnte dies den Zusammenbruch des praktischen Tierschutzes im Land bedeuten“, sagte Lea Schmitz vom Tierschutzbund Deutschland. Sie befürchte, dass einige Tierheime schließen oder Aufnahmestopps verhängen könnten. „Das ist kritisch, weil wir dann nicht wissen, wo das Tier landet.“

Lesen Sie auch: Vogel, Katze, Maulwurf – Tierschützer retten alle

Weniger Spenden und hohe Preise sind Riesenproblem

Auch Vorpommerns Tierschützer beobachten die Entwicklung mit Sorge. Schlimmer als die voraussichtlich im Winter explodierenden Heizkosten sei die Tatsache, dass den Leuten das Spendengeld nicht mehr so locker sitzt und sich parallel die Spritpreise und Futterkosten verdoppelt hatten. „Das ist ein Riesenproblem, das schon am ersten Tag des Kriegs in der Ukraine Ende Februar begann“, sagte Klaus Kraft von der Tierrettung Greifswald (Landkreis Vorpommern-Greifswald).

Mehr lesen: Mehr Tierschutz in Ställen: Wer soll das bezahlen?

In der Region ist das Geld knapp

Gleiches erlebt Sabine Schultz vom Tierheim Berndshof. „Die Spenden sind massiv zurückgegangen. Das kann man den Leuten nicht verübeln. In unserer Region ist das Geld immer knapp, und gerade jetzt, wo alles teurer wird und niemand weiß, was noch alles kommt, sparen die Leute.“ Um Heizkosten in der kalten Jahreszeit mache sie sich noch gar keine Gedanken. „Geheizt werden muss, sonst können wir hier zu machen. Dann müssen wir eben woanders sparen.“

Auch interessant: Vorpommerns Tierretter im Hitze-Dauereinsatz

Viele junge Katzen zu vergeben

„Viele Tierheime sind bereits jetzt komplett überfüllt, weil viele Menschen sich in derCoronazeit unüberlegt Tiere gekauft haben, die jetzt wieder wegmüssen.“Mehrere Tierheime haben laut Lea Schmitz Aufnahmestopps verhängt. „Wir sind immer voll, wir sind ja nur ein kleines Tierheim“, sagte Sabine Schultz in dem Dorf bei Ueckermünde am Donnerstag. Die Greifswalder Tierretter haben sich zwar auf die schnelle Hilfe bei Notfällen spezialisiert, betreuen in ihrer Station in Medow bei Anklam und bei weiteren Pflegestellen aber auch viele Langzeitgäste. Zurzeit suchen sie für viele junge Katzen ein Zuhause. „Es nimmt kein Ende. Die nächste Truppe ist alt und fit genug für ein neues Zuhause. Nachdem die Kleinen liebevoll gepäppelt wurden, wird es nun Zeit, sie in die große Welt zu entlassen.“

Unüberlegte Anschaffungen

Nicht nur die Heime leiden unter dem Kostendruck – auch die Bevölkerung ächzt unter Inflation und steigenden Preisen. Müssen Hund und Katze also wegen einer drohenden Energiearmut weg? Lea Schmitz vom Tierschutzbund glaubt das eher nicht. „Menschen, die ihre Tiere wirklich lieben, tun meist alles dafür, um diese bei sich behalten zu können. Ihren Tieren zuliebe stecken sie selbst zurück.“ Dennoch unterschätzen ihrer Ansicht nach viele Menschen, was ein Haustier nach dem Kauf kostet. Meist würden Haustiere aber nicht nur wegen Geldsorgen abgegeben, sondern nach unüberlegten Anschaffungen oder weil das Tier nicht zum Leben des Halters passt.

Forderung an Bundespolitik

Schmitz betont, dass Tierheime nicht verpflichtet sind, Tiere aufzunehmen. Richtig sei, dass es vielerorts Fundtierregelungen mit den Kommunen gibt. Solche Verträge würden aber nicht die gestiegenen Kosten der Heime decken. „Mit Blick auf die Hilfeleistung des Bundes bei der Corona-Krise und angesichts der massiven Mehrbelastungen durch den Krieg in der Ukraine sollten dringend Haushaltsmittel bereitgestellt werden, um den Tierheimen den Energie- und Inflationsdruck zu nehmen“, fordert der Dachverband daher von der Bundesregierung.

Ehrenamtler werden Tiernotfallsanitäter

Die Tierrettung Greifswald, eine Gruppe von rund 35 Tierschützern, ist in ganz Vorpommern aktiv – ehrenamtlich rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Sie arbeiten zunehmend professionell, haben einen Rettungswagen und lassen sich nach und nach zu Tiernotfallsanitätern ausbilden. Sie arbeiten im Schichtsystem, haben vier Disponenten ernannt, die die Einsätze koordinieren und Einsatzleiter für die Bereiche Uecker-Randow, Anklam, Usedom und Greifswald. Enge Partner sind Ordnungsämter und Tierärzte etwa in Pasewalk, Anklam oder auf Usedom, besonders aber die Freiwilligen Feuerwehren und die Polizei. Sie rücken für jedes Tier aus, egal zu welcher Uhrzeit. Momentan haben sie es viel mit verletzten Möwen und Tauben zu tun, kümmern sich aber auch mal um einen Maulwurf und natürlich um in Not geratene Haustiere und deren Halter.

Überall ist Hilfe willkommen

Jeder könne helfen, auch wenn er kein Geld übrig hat.„Man muss nur tierlieb sein“, sagt Klaus Kraft. Ständig würden Einsatzfahrer gesucht oder Pflegestellen zum Beispiel für Igel oder Katzen. Bei der Betreuung der Facebook-Plattform und überhaupt der Öffentlichkeitsarbeit ist Hilfe gefragt, bei Bauprojekten in Medow, bei der Arbeit mit Kindern oder bei Veranstaltungen wie Tagen der offenen Tür. „Wir brauchen auf jeden Fall noch Unterstützung.“ Die Anforderungen und auch die Ansprüche an die eigene Arbeit steigen. Im vergangenen Jahr habe der Verein rund 1600 Einsätze gefahren, in diesem Jahr würden es mit ziemlicher Sicherheit mehr als 2000.

zur Homepage