Regelmäßig zu trinken ist für alte Menschen ohnehin wichtig, aber an Hitzetagen muss darauf besonders geachtet
Regelmäßig zu trinken ist für alte Menschen ohnehin wichtig, aber an Hitzetagen muss darauf besonders geachtet werden. Daniel Karmann
Pflegeheime

Was hilft Senioren gegen gefährliche Hitze?

Sowohl im eigenen Zuhause als auch im Seniorenheim müssen sich alte Menschen vor Hitze schützen. Roland Strahl möchte, dass für seine Mutter mehr getan wird als Hausmittel anzuwenden.
Eggesin

Unter den kurzen, aber heftigen Hitzewellen dieses Sommers leiden nicht nur die, die ungeachtet der hohen Temperaturen ihren Job erledigen müssen. Die Hitze bringt alte Menschen und Menschen mit starken Medikationen in Gefahr. „Auch unsere Bewohner und Mitarbeiter in der Pflege, vor allem, wenn sie mit Mundschutz arbeiten müssen, sind extrem belastet“, sagt Heike Nitzke, Geschäftsführerin der Volkssolidarität Uecker-Randow. Bei der Volkssolidarität sind darum schon vor der ersten Hitzewelle dieses Sommers alle Einrichtungen von der Geschäftsführung für dieses Thema sensibilisiert worden.

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Hausmittel sind manchmal geeigneter als Technik

„So vielfältig und auch baulich verschieden unsere Einrichtungen sind, so angepasst ist auch das Hitzemanagement des jeweiligen Hauses“, erklärt Heike Nitzke. Die Mitarbeiter seien geschult, aber auch erfahren genug, das Richtige zu tun. In der Einrichtung in Jatznick wurden in der oberen Etage zusätzliche Sonnenschutzrollos angebracht. „Für besonders betroffene Bereiche haben wir mobile Klimageräte in ausreichender Zahl angeschafft“, sagt Heike Nitzke. Dabei sehe sie in den Klimageräten nicht die ideale Lösung, denn auch die sind gesundheitsgefährdend. Manchmal seien Hausmittel, wie kühles Wasser über den Handballen laufen zu lassen, die geeigneteren Methoden. „Und natürlich trinken, aber ein Trinkmanagement gibt es in der Pflege ohnehin.“

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„Problemkind” in Eggesin

Zudem sollten sich Senioren möglichst in kühleren Räumen aufhalten. Bei hohen Temperaturen weichen gerade Bewohner von Pflegeheimen in den Speisesaal oder die Cafeteria aus. Dafür gebe es auch Dienstanweisungen. „Bei unseren stichprobeartigen Abfragen schauen wir auch vor Ort, wie die Bedingungen sind“, sagte Heike Nitzke. In der Tagespflege in Torgelow zeigte das Thermometer auch an heißen Tagen 23 Grad in den Innenräumen an. Doch nicht in jedem Haus könne die Hitze erfolgreich abgewehrt werden. Das „Haus der Geborgenheit“ in Eggesin ist in dieser Hinsicht „unser Problemkind“, räumte Heike Nitzke ein. Die riesige kupferne Dachfläche heize sich stark auf. Dann steigt die Temperatur in der oberen Etage schon mal auf 30 Grad Celsius.

Sohn einer Bewohnerin fordert Rollläden und Klimageräte

Mit diesem Problem kämpft auch unser Leser Roland Strahl, dessen Mutter seit vier Jahren in dem Eggesiner Seniorenheim wohnt. Er fordert in diesen Tagen erneut den Einbau von Klimageräten in den Zimmern und die Installation elektrischer Rollläden, die dann bis zu 70 Prozent der Sonneneinstrahlung abfangen könnten. Seine Vorschläge hat er der Geschäftsleitung der Volkssolidarität bereits unterbreitet. Es gebe aber Bedenken hinsichtlich Brandschutz und technischer Umsetzung, schreibt Roland Strahl. Seiner Meinung nach würde die Volkssolidarität bürokratischen Hürden sowie die finanziellen Konsequenzen solcher Investitionen vorschieben, um nicht handeln zu müssen. „Ich jedenfalls habe für das Zimmer meiner 94-jährigen Mutter nun ein mobiles Klimagerät für 59 Euro beschafft, um hier für Milderung zu sorgen“, schreibt Roland Strahl.

Brandschutz bremst Außenrollos aus

Heike Nitzke kann diese private Initiative nur begrüßen. Sie bestätigt auch, dass bisherige Pläne für Außenrollos am Haus der Geborgenheit durch Brandschutzvorschriften ausgebremst werden. „Wir unterstützen eine politische Initiative, Hitzeregelungen grundsätzlich in Bauvorschriften für Pflegeheime aufzunehmen.“ Dass solche Investitionen einen Heimplatz weiter verteuern werden, sei absehbar.

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