Friseurmeisterin Heike Rossow, Inhaberin des Salons Stöwer in Strasburg, zeigt zwei Haarzöpfe, die in dem Salon gesp
Friseurmeisterin Heike Rossow, Inhaberin des Salons Stöwer in Strasburg, zeigt zwei Haarzöpfe, die in dem Salon gespendet wurden. Dies kommt jedoch nicht so häufig vor. Fred Lucius
... sich dann im Strasburger Friseursalon Stöwer abschneiden zu lassen und zu spenden.
... sich dann im Strasburger Friseursalon Stöwer abschneiden zu lassen und zu spenden.
Timo Ostrowski hat sich die Haare über eine längere Zeit wachsen lassen, um sie ... Fotos: ZVG
Timo Ostrowski hat sich die Haare über eine längere Zeit wachsen lassen, um sie ... ZVG
Aus Solidarität

14-Jähriger spendet Haare an krebskranke Kinder

Mit einer Spende für krebskranke Kinder hat Timo Ostrowski hat bewiesen, wie hartnäckig er sein kann. Vier Jahre musste er warten, bis er seinen Entschluss umsetzen konnte.
Strasburg

Über diesen Jugendlichen hat Friseurmeisterin Heike Rossow, Inhaberin des Salons Stöwer in Strasburg, doch ein wenig gestaunt. Timo Ostrowski aus dem Ortsteil Lauenhagen hatte nicht nur für einen Jungen sehr lange Haare. Der 14-Jährige wollte diese auch spenden. „Dass Kunden Haare spenden, kommt nicht sehr oft vor“, meint Heike Rossow. Wie unlängst Larakatarina Stier aus Strasburg seien es dann meistens Mädchen oder Frauen, fügt sie hinzu. Timo habe im Fernseher einen Film über krebskranke Kinder gesehen, was ihn zu der Spende animierte, berichtet die Friseurmeisterin.

Perücken gegen Haarsausfall oder nach Krebstherapie

Spenden werden nach ihren Worten vor allem für Echthaar-Perücken für Personen benötigt, die an unerwünschtem Haarausfall (Alopezie) leiden. Krebspatienten hingegen würden meist Perücken aus Kunsthaar tragen. Heike Rossow zufolge hat das geringe Spendenaufkommen vor allem zwei Gründe. Zum einen dürfe das Haar der Kunden nicht chemisch vorbehandelt sein, etwa durch Färbungen, Tönungen oder Dauerwellen. Zum anderen sollte die Länge des Haare 25 bis 30 Zentimeter betragen. „Ehe es so weit ist, dauert es schon eine Zeit“, weiß die Strasburgerin.

Mehr lesen: Riesenfreude in Pasewalk über große Spende

Die Zöpfe würden gesammelt, verpackt und an ein Spezialstudio nach Berlin geschickt, das daraus die Echthaar-Perücken herstellt. In die Tüte mit den Zöpfen, die nach Berlin gehen, legt die Salon-Chefin auch noch die Telefonnummer der Spender. Wenn sie es denn wünschen, können sich so Spender und Empfänger austauschen und kennen lernen. Die Echthaar-Perücken seien wesentlich teurer als solche aus Kunsthaar, weil sie per Hand in Maßanfertigung hergestellt werden. „Aus einem Kopf kann durchaus wieder ein ganzer neuer Kopf entstehen“, meint Heike Rossow, die in ihrem Salon zu Perücken berät und gemeinsam mit Kunden diese auswählt.

Ersatz-Frisur sorgt für besseres Lebensgefühl

Die Friseurmeisterin hat zudem eine kassenärztliche Zulassung für Kunden, die eine Perücke bekommen wollen. Die Ersatz-Frisur vermittele bei vielen Kunden ein besseres Lebensgefühl. Üblicherweise lande ansonsten das Haar der Kunden im Abfall. „Früher hat man daraus noch Cremes, Seife oder Medizinprodukte hergestellt. Heute will das keiner mehr. Eventuell noch ein paar Jäger, die es zur Wildvergrämung nutzen“, sagt Heike Rossow.Bei Timo Ostrowski indes hat es eine Weile gedauert, bis die Haarpracht so lang war. „Nach der Fernsehsendung über die krebskranken Kinder hat er sich die Haare etwa vier Jahre nicht mehr schneiden lassen. Er ist eisern geblieben, bis die 30 Zentimeter erreicht waren“, berichtet Mutter Simone Ostrowski und spricht von einer anstrengenden Zeit. Einen Zopf habe der Sohn nicht flechten wollen, weil er davon Kopfschmerzen bekam. Zudem schwitze man mit den langen Haaren schneller. Timo habe sich schließlich öfter kämmen müssen als die Tochter, meint Simone Ostrowski. Nun sei der Zopf ab. Noch überlege der 14-Jährige, ob er noch einmal die Haarschere für längere Zeit meidet.

zur Homepage