JEDER 3. DURCHGEFALLEN

Abitur-Skandal an Pasewalker Gymnasium soll Konsequenzen haben

Nur 40 von 60 Schülern haben in Pasewalk das Abitur geschafft – macht eine Durchfallquote von 33 Prozent. Was ging da schief? Die Politik fordert jedenfalls Konsequenzen.
Marlis Tautz Marlis Tautz
Ein Drittel der Schülerschaft des Oskar-Picht-Gymnasiums Pasewalk ist durchs Abitur gefallen. Im Landesdurchschnitt sind es 6,5 Prozent.
Ein Drittel der Schülerschaft des Oskar-Picht-Gymnasiums Pasewalk ist durchs Abitur gefallen. Im Landesdurchschnitt sind es 6,5 Prozent. Rainer Marten
Pasewalk.

Am Oskar-Picht-Gymnasium in Pasewalk ist ein Drittel des Abitur-Jahrgangs 2019 durchgefallen. Statt der Hochschulreife erhalten die betreffenden Schüler ein Zeugnis über den theoretischen Teil der Fachhochschulreife. Im Vergleich ist diese Durchfallquote exorbitant: Nach Auskunft des Bildungsministeriums fallen sonst nämlich durchschnittlich nur 6,5 Prozent. „Vergleichbare Fälle sind der Schulaufsicht derzeit nicht bekannt“, hieß es.

„Man kann es Katastrophe nennen“, urteilte indes die Fraktionschefin der Linken im Landtag, Simone Oldenburg. Wie sie fordern auch die Bildungspolitiker der beiden anderen Oppositionsparteien, AfD und Freie Wähler/BMV, den Fall extern zu überprüfen.

Schlechtes Schulklima, mangelnde Förderung?

Während andernorts seit mittlerweile einer Woche Ferienruhe herrscht, brodelt in Pasewalk der Unmut – zumindest bei Schülern und Eltern. Die Schulleiterin verweigert sich den Fragen des Nordkurier. Auf der Internetseite wird die „die gymnasiale Ausbildung unseres traditionsreichen Hauses“ seit 1908 gepriesen und die „guten Kontakte zu den Absolventen“.

Die Absolventen 2019 sprechen von einem „schlechten Schulklima“; von mangelnder Förderung leistungsschwacher wie leistungsstarker Schüler; von Lehrerwechseln, Seiteneinsteigern und Lücken im Stoff. Unter anderen sollen in den Biologie- und Mathe-Kursen der Abiturstufe Teile des Prüfungsstoffes nicht behandelt worden sein.

Eltern sprechen von würdelosem Abschied

Ärger gab es auch um die Zeugnissübergabe. Die Abiturienten erhielten die Zeugnisse feierlich vor dem Abiball, die anderen wurden tags zuvor in die Aula gebeten, 9.30 Uhr. Das Prozedere dauerte keine zehn Minuten. Ein feierlicher Rahmen, eine Fest- womöglich gar Trostrede? Fehlanzeige. Dafür Stimmen, die den scheidenden Schülern nahelegten, sich zu schämen. Eltern, die sich extra freigenommen hatten, um der letzten Zeugnisausgabe ihrer Kinder beizuwohnen, empfanden das Vorgehen als „würdelos und schäbig“.

„Ich finde es für die betroffenen Schüler ausgesprochen bedauerlich, wenn eine von den Abiturenten gewünschte Feierstunde so abläuft“, sagte der schulpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Jens-Holger Schneider. Bernhard Wildt, Chef der Fraktion Freie Wähler/BMV, betonte: „Auch die Schüler der unteren Jahrgänge und ihre Eltern haben Anspruch auf eine Behebung eventueller Missstände.“ Als Vater eines Abiturienten auf Rügen plädiert er für Fairness. „Schüler, die mindestens sechs Jahre gemeinsam zur Schule gegangen sind, sollten gemeinsam Abschied von der Schule feiern.“

Schulamt Greifswald soll den Fall untersuchen

Schmallippige Stellungnahmen kommen von den Fraktionen der Regierungsparteien, von CDU und der SPD, aus deren Reihen die Bildungsministerin Bettina Martin stammt. Man wolle sich über die Vorgänge informieren. „Das vergleichsweise schlechte Abschneiden beim Abitur scheint in der Tat ungewöhnlich“, so CDU-Bildungsexperte Marc Reinhardt.

Das Ministerium hat das Schulamt Greifswald mit einer Analyse des Falls beauftragt. „Die Schulrätin hat erste Gespräche geführt und wird den Austausch mit der Schule in der Vorbereitungswoche des neuen Schuljahres fortsetzen“, teilte eine Sprecherin mit. Danach folge eine „externe Evaluation“ durch das Institut für Qualitätsmanagement.

Ob aus der pädagogischen Leistung, weniger erfolgreichen Schülern Schamgefühle zu wünschen und eine gemeinsame Zeugnisausgabe zu verwehren, Konsequenzen erwachsen? „Wir gehen davon aus, dass diese Erwartung im kommenden Jahr auch vom Oskar-Picht-Gymnasium besser erfüllt wird.“

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Kommentare (4)

Die Absolventen 2019 sprechen von einem „schlechten Schulklima“; von mangelnder Förderung leistungsschwacher wie leistungsstarker Schüler; von Lehrerwechseln, Seiteneinsteigern und Lücken im Stoff. Unter anderen sollen in den Biologie- und Mathe-Kursen der Abiturstufe Teile des Prüfungsstoffes nicht behandelt worden sein. - - Wenn dann ein Verantwortlicher nicht beherzt einschreitet ist das Desaster vorprogrammiert - oder gibt es keine Kontrollmechanismen mehr-?

33% sind ebend vom Intellekt her nicht geeignet für´s Gymnasium. Nur wahr haben wollen es manchmal sie selber aber auch die Eltern nicht. Dann sind andere Gründe für das Versagen Schuld. Viel dieser angesprochenen Gründe gibt es im Arbeitsleben auch. Damit muss man leben und umghehen. Die vergeudete Zeit hätte ausgereicht um mit einem Realschulabschluss eine Ausbildung zu machen. Aber nööö, man will ja mehr erreichen, ist ja was Besseres als die Anderen. Jetzt landet man auf dem harten Boden der Realität und muss erkennen, dass die Anderen an einem vorbei ziehen:-)

ist wie das Rudern gegen den Strom: Hört man auf, bleibt man zurück.

Nein, das Ergebnis ist kein Wunder: Die seit ihrem Antritt mehr als unglücklich agierende neue Schuldirektorin scheint mit aller Kraft darauf hinzuwirken das einst beste Gymnasium des ehem. LK UER gegen die Wand zu fahren. Was ist von einer Direktorin im 21. Jahrhundert zu halten, die das Kollegium und die Schüler als Untergebene ansieht? Was von einer, die in den ersten Wochen an der Schule, nach Hospitanz erfahreren Fachlehrern die Kompetenz abspricht? Die dann tatenlos zusieht, wie Fachlehrer die Schule verlassen ohne Ersatz zu haben. Wie kann es sein, dass in Pasewalk Seiteneinsteiger ohne jegliche fachliche Qualifikation Abiturprüfungen abnehmen? Was sagt es über das Verhältnis zu den Schülern, wenn diese die Direktorin auch in den Vorjahren nicht zu ihrem Abiball einluden? Und wer bitte hieft eine Musiklehrerein mit Burn-Out, die zuvor monatelang ausfiel, trotz geeigneter Mitbewerber auf den Stellvertreterposten? Die Direktorin schweigt - dch was sagt die verantwortliche Schulrätin, was der Personalrat? Ohne deren Fehlentscheidungen wäre das alles nicht möglich gewesen. Hier wird Zukunft verspielt - ohne dass die Schulaufsicht Verantwortung übernimmt. Der Schule sollte eine Chance und einen Neustart unter neuer Leitung bekommen. Die zuständige Schulrätin endlich Farbe bekennen.