GESUNDHEIT

Ärztemangel auf dem Land spitzt sich dramatisch zu

Die Löcknitzer Hausärztin Heidrun Körk schließt im März ihre Praxis. Nicht erst seit Bekanntwerden dieses Faktes sorgen sich Kommunalpolitiker um die ärztliche Versorgung im Süden des Landkreies Vorpommern-Greifwald. Amtsvorsteher Stefan Müller hat einen Brief an verschiedene Institutionen verschickt.
Fred Lucius Fred Lucius
Die Hausärzte im Amtsbereich Löcknitz-Penkun sind laut Bedarfsplanung schon jetzt mit Patienten überbelegt. Sch
Die Hausärzte im Amtsbereich Löcknitz-Penkun sind laut Bedarfsplanung schon jetzt mit Patienten überbelegt. Schließt eine Praxis, wird sich diese Situation weiter verschärfen. Bernd Weissbrod
Uecker-Randow.

Der Ärztemangel im Bereich des Amtes Löcknitz-Penkun ist schon länger bekannt und spitzt sich nach Einschätzung von Amtsvorsteher Stefan Müller weiter zu. „Dieser Zustand ist weder für die Bürger noch für die praktizierenden Ärzte hinnehmbar. Wir haben bei diesem Thema nicht geschlafen. Der Löcknitzer Bürgermeister hat schon vor längerer Zeit darauf hingewiesen, der Amtsausschuss befasste sich zuletzt zweimal mit dem Thema und wird es im Januar wieder tun. Auch mit dem Landrat und anderen Ämtern sind wir in Kontakt. Das ist ein Problem, das es nicht nur in Löcknitz gibt“, sagt der Blankenseer Bürgermeister.

Jeder Hausarzt hätte 508 Patienten mehr, als es der Plan vorsieht

Als Amtsvorsteher hat er ein Schreiben an verschiedene Institutionen verschickt, die Situation geschildert und eindringlich um Unterstützung gebeten – unter anderem bei der Ärztekammer M-V und der Kassenärztlichen Vereinigung M-V. Demnach kommen Müller zufolge im Amtsbereich auf einen Hausarzt 1764 und auf einen Zahnarzt 2647 Patienten. Laut der Richtlinie über die Bedarfsplanung habe damit aktuell jeder Hausarzt im Amtsbereich 155 mehr Patienten, als es die Maßstäbe vorgeben. Wenn die Diplom-Medizinerin Heidrun Körk ihre Praxis in Löcknitz schließe, müssten sich die verbliebenen fünf Hausärzte um jeweils 2117 Patienten kümmern. Das wären dann pro Mediziner 508 mehr als vorgesehen. Und dies nur bei der Annahme, dass die Ärzte ausschließlich von den Bürgern aus dem Amtsbereich aufgesucht werden, was jedoch nicht der Fall sei.

Manche Arztpraxen sind vollkommen überfüllt

„Die Arztpraxen sind zum Teil vollkommen überfüllt. Eine Facharztversorgung ist im näheren Umfeld überhaupt nicht möglich. Eine derartige Versorgung ist allenfalls in der nächst größeren Stadt Pasewalk gegeben“, so Müller. Aufgrund des hohen Altersdurchschnittes sei zu erwarten, dass in naher Zukunft weitere Ärzte ihr Rentenalter erreichen und Praxen schließen, weil es keine Nachfolger gebe.

Die Antwort auf das Schreiben ist nach den Worten des Amtsvorstehers in keiner Art und Weise befriedigend. So weise die Ärztekammer auf das geplante Landarztgesetz hin. „Das greift aber erst in ein paar Jahren. Dass die Misere als bekannt geschildert wird, hilft uns aktuell nicht weiter“, sagt Müller. Selbst unternehme man auch einige Anstrengungen. So lade man zum Beispiel polnische Ärzte ein oder versuche über die Pomerania an der Stettiner Uni für die Region zu werben.

 

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