Die Anwälte der verurteilten Schleuser haben jetzt Berufung eingelegt.
Die Anwälte der verurteilten Schleuser haben jetzt Berufung eingelegt. Stefan Sauer
Urteil

Anwälte legen Berufung gegen Pasewalker Schleuser-Urteil vor

Vier Schleuser wurden am Pasewalker Amtsgericht verurteilt, weil sie 17 Migranten in einem engen Transporter nach Deutschland schleusten. Der Prozess geht nun in die nächste Runde.
dpa
Pasewalk

Der Prozess gegen vier Schleuser, die im Herbst 2021 Migranten über die sogenannte Belarus-Route nach Vorpommern gebracht haben, geht in die nächste Instanz ans Landgericht. Wie ein Sprecher des Amtsgerichtes Pasewalk am Donnerstag sagte, haben die Verurteilten und die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Urteil eingelegt. Die vier Männer waren am 2. Mai wegen gemeinschaftlichen Einschleusens von Ausländern zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Sie hatte gestanden, die 17 Flüchtlinge im Oktober 2021 von der polnisch-weißrussischen Grenze abgeholt und über rund 1000 Kilometer durch Polen in einem engen Transporter nach Deutschland gebracht zu haben.

„Unmenschliche und erniedrigende Behandlung” der Migranten

Die 35 und 27 Jahre alten Haupttäter, die zur Absicherung ein Pilotfahrzeug fuhren, erhielten zwei Jahre und neun Monate Haft, ihre Komplizen aus dem Transporter zwei Jahre und sieben Monate. Richter Gerald Fleckenstein hatte erklärt, dass die Migranten „einer unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung ausgesetzt wurden.” Die Staatsanwaltschaft hatte noch jeweils eine etwa ein Jahr höhere Strafe verlangt.

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In dem Laderaum standen Flüchtlingen ohne Lüftung und Sicherung je etwa 0,25 Quadratmeter Platz zur Verfügung. Der Transport flog in Ladenthin in Vorpommern auf, wo die Bundespolizei die Migranten und drei der Verurteilten fasste. Der vierte Schleuser flüchtete. Er wurde später bei Schwerin gefasst, wo er Asyl beantragt hatte.

Auftraggeber sitzen in der Türkei

Die Gruppe gehörte laut Staatsanwaltschaft zu einer aus der Türkei gesteuerten Schleuserorganisation. Die Männer hatten eingeräumt, von Auftraggebern aus der Türkei angeworben und per GPS-Technik aus der Ferne geführt worden zu sein. Es war bereits der dritte Prozess am Amtsgericht, bei dem Schleuser vom Herbst 2021 zu Haftstrafen verurteilt wurden und dagegen Berufung einlegten.

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