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Aus dem Schuljungen von einst ist ein Artist geworden

Keine Angst vor großen Tieren: Sultan und die anderen sibirischen Tiger werden zwar von Angelo Madels Onkel dressiert, aber auch der junge Mann kann mit ihnen umgehen. [KT_CREDIT] FOTO: A. Stegemann

VonAngela StegemannDort, wo einst die Pasewalker Molkerei stand, leuchten seit gesternbunte Zirkuswagen.Der ostdeutsche Zirkus Barlay stellt dort sein neues ...

VonAngela Stegemann

Dort, wo einst die Pasewalker Molkerei stand, leuchten seit gestern
bunte Zirkuswagen.
Der ostdeutsche Zirkus Barlay stellt dort sein neues Programm vor.

Pasewalk.Als Angelo Madel das letzte Mal in Pasewalk war, musste der Spross der Zirkusfamilie Madel in der Stadt noch für ein paar Tage zur Schule gehen. Sieben Jahre später steht der dunkelhaarige junge Mann im Zirkuszelt und baut es mit auf. Am Abend ist die erste Vorstellung. Außerdem übernahm der 20-Jährige von seinem Vater Gunter die Funktion des Pressesprechers. Aber was noch viel wichtiger ist: Er besuchte die Artistenschule in Paris, glänzt nun unter der Zirkuskuppel u.a. mit Luftakrobatik. „Auch wenn meine Knochen schon kaputt sind“, sagt er. Aber ein Leben ohne Zirkus? Das könnte der junge Mann sich nicht vorstellen. Er weiß, welche Bürde auf seinen Schultern lastet. Denn schließlich gibt es den Zirkus schon seit 1823. Damals wurde er in Berlin gegründet. Zu DDR-Zeiten gehörte er zum Staatszirkus.
Heute geht es ums Überleben. Die Konkurrenz ist groß. Allein in Deutschland gibt es rund 300 Zirkusse. Bestehen kann man nur mit Qualität, sagt Angelo Madel. Deshalb zählen zum Zirkus nicht nur die rund 15 Familienmitglieder. Alle zwei Jahre wird ein neues Programm auf die Beine gestellt. Da werden vor allem Artisten herangeholt, in diesem Jahr kommen sie aus Italien und Holland. Aber die Hauptattraktion sind die Tiere. Auch da ist Barlay ganz international: sibirische Tiger, indische Löwen, spanische Stiere. Neu einstudiert wurden Dressuren mit edlen Araberhengsten und andalusischen Pferden. Was der traditionsreiche Zirkus zu leisten vermag, das können Besucher sich heute um 17 Uhr und Sonntag um 15 Uhr ansehen. Sonnabend ist das Zirkuszelt für die Kinder des Knax-Sparkassenklubs reserviert.
Wenn die letzte Vorstellung gelaufen ist, dann geht es ans Abbauen. Danach ziehen 40 Fahrzeuge, 30 Leute und 80 Tiere weiter. Und Angelo Madel hofft, dass dann nicht wieder sieben Jahre ins Land gehen, bis der Zirkus erneut nach Pasewalk kommt.
So wie es aussieht, werden die Zirkusse auch weiterhin mit dem Platz auf dem ehemaligen Molkereigelände vorlieb nehmen müssen. Seit Jahren sind Pläne im Gespräch, dass innenstadtnah ein Zirkusplatz an der Uecker entstehen soll. Die Pläne wurden aus Kostengründen aber immer wieder verschoben. Wie Bürgermeister Rainer Dambach gestern aber auf Nachfrage unserer Zeitung sagte, hat sich das Gelände an der Uecker als zu klein für einen Zirkus erwiesen. „Da würde gerade mal ein Zirkuszelt Platz haben“, so das Stadtoberhaupt.