Kathrin Ollroge, Marie Güsewell, Dorte Burmester Wium, Jörn Burmester Wium mit Sille, Jule Torhorst und Carola Lehma
Kathrin Ollroge, Marie Güsewell, Dorte Burmester Wium, Jörn Burmester Wium mit Sille, Jule Torhorst und Carola Lehmann vor ihrer fahrbaren Bühne – dem Bäckerbus. Foto: Mathias Scherfling Mathias Scherfling
Kunst auf dem Land

Aus diesem Bäckerwagen wird Theater gespielt

Ein paar Künstler tingelten durch die Uecker-Randow-Region und erforschten, wie Einwohner ihre Theaterarbeit finden. Die Ergebnisse stellen sie jetzt vor. Ein Bäckerwagen dient als Bühne.
Damerow

Ob darstellende Performancekunst die Zuschauer überzeugen kann, liegt immer im Auge des Betrachters. Insofern kann der Erfolg des Theater-Projekts „Tausend Hektar Kunst“ erst nach den beiden Aufführungen am Samstag, 27. August, beurteilt werden. Der Ansatz klingt jedenfalls schon vielversprechend.

Künstler sind seit Juli mit Menschen im Gespräch

Aber noch sitzen fünf Darstellerinnen und ein Darsteller sowie ein Kleinkind auf einer Wiese vor dem Bäckerwagen, der zur transportablen Bühne werden soll, und erzählen von ihrem Vorhaben, das auch ein Forschungsprojekt ist. „Nach zwei Jahren Pandemie – was brauchen die darstellenden Künste? Da sind wir als Gruppe aufgefordert, Erfahrungen zu machen, zu suchen und Fragen zu stellen“, sagt Carola Lehmann, die das Konzept erarbeitet hat. Deshalb seien die Künstler seit Juli mit den Menschen in der Region im Gespräch und hätten deren Erzählungen und Geschichten gehört. „Wir haben die Themen, die die Leute hier ohnehin in ihrer Lebenswelt beschäftigen, genommen und etwas Künstlerisches daraus gemacht.“ Der Ansatz sei gewesen, zu schauen, was die Menschen vor Ort beschäftige.

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„Dafür haben wir uns mit Experten und ‚normalen‘ Menschen getroffen. So haben wir verschiedene Perspektiven kennengelernt. Und weil wir alle sehr unterschiedlich künstlerisch arbeiten, wird das nun natürlich verschieden interpretiert. Die Ergebnisse werden am Samstag zu sehen sein“, erläutert Carola Lehmann. In Fahrenwalde sei zum Beispiel schon ein Dorffest veranstaltet worden, fügt Marie Güsewell hinzu. „Dabei haben wir konkret gefragt, was es hier für Erzählungen gibt. Dabei sind wir auf die abgeschlagene Hand von Fahrenwalde gestoßen. Wir bringen diese Geschichte jetzt in szenischer Form. Das ist schon Grund genug, sich das anzuschauen“, wirbt die junge Künstlerin. Ein anderer Punkt sei die Grund- und Bodenpolitik. Zu diesem sehr relevanten Thema gebe es auch eine kurze Sequenz.

Packen nicht ein und hauen ab, sondern suchen Dialog

Es sind also kurze Szenen, die zu sehen sein werden. „Dazu kommen Gespräche auf die Bühne. In einem nächsten Schritt schauen wir, wie unser Publikum das findet. Wir packen also nicht ein und hauen ab, sondern bleiben und kommen ins Gespräch mit den Leuten“, betont Carola Lehmann. Es gehe um Austausch, Begegnung und Aktivierung nach Corona. Das Miteinander sei gefragt. „Wir bringen etwas, aber wir fragen auch, was das für die Zuschauer bringt. Austausch und Dialog sind wesentliche Teile unserer Arbeit“, sagt Jule Torhorst.

In den Gesprächen gebe es immer wieder den großen Kontrast, sind sich die Künstlerinnen einig. Was gab es vor der Wende, und was gibt es jetzt nicht mehr? Es gab also viele Orte und Anlässe, sich zu begegnen. Aber das ist Vergangenheit. Deshalb werde immer wieder gesagt, dass Orte und Anlässe für Begegnungen gebraucht werden. Zwei solche Anlässe sind am Samstag – um 15 Uhr im Dorfhaus von Damerow und um 18.30 Uhr in der Kulturscheune in Fahrenwalde. Übrigens: Den Bäckerwagen bekommt der Bäckermeister nach den Vorstellungen wieder zurück.

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