INTERNET-DIENSTE

Autos von Apple filmen Mecklenburg-Vorpommern ab

Vor zehn Jahren fuhren Kamera-Autos für Google durchs Land. Es gab einen Aufschrei. Jetzt sind Autos von Apple für Bildaufnahmen und Straßenerfassung unterwegs. Skepsis? Fehlanzeige!
Mit Autos wie diesem kartografiert Apple gerade Mecklenburg-Vorpommern. Die aufmontierten 360-Grad-Kameras machen Aufnahmen f&
Mit Autos wie diesem kartografiert Apple gerade Mecklenburg-Vorpommern. Die aufmontierten 360-Grad-Kameras machen Aufnahmen für Panoramabilder. Die gesammelten Daten nutzt der IPhone-Konzern für seinen Kartendienst. Symbolbild/Uwe Anspach
Greifswald.

In Greifswald sind sie schon gesichtet worden, die weißen Autos mit ihren Sensoren und Kameras. Mit ihrer Hilfe tastet sich gerade Computer-Multi Apple durch Städte in MV, um Straßenansichten und Gebäude für seine Internet-Dienste aufzuzeichnen. Vor gut zehn Jahren war „Google Street View“ mit ähnlichen Funktionen an den Start gegangen. Damals hatte es erheblichen Widerstand gegeben.

Behörden können nicht helfen

Diesmal scheint die Skepsis nicht ganz so groß. Beim Landkreis Vorpommern-Greifswald etwa heißt es: „Wir haben keinen Einfluss auf die Aufnahmen, sind auch nicht gefragt worden.“ Auch beim Landes-Bürgerbeauftragten Matthias Crone sind in der Sache bisher keine Beschwerden eingegangen. „Der Bürgerbeauftragte ist für diese Angelegenheit nicht zuständig, da er ausschließlich in Streitigkeiten zwischen Behörden und Bürgern, in der sozialen Beratung und für die Belange von Menschen mit Behinderung tätig wird“, sagt dessen Referent Dr. Wolfgang Leist. Der für Datenschutz zuständige SPD-Landtagsabgeordnete Ralf Mucha gibt zu bedenken: „Das Recht am eigenen Bild ist ein hohes Gut.“

Dieses Recht durchzusetzen, ist allerdings nicht ganz so einfach. Denn seit gut zwei Jahren gilt in der EU die gemeinsame Datenschutzgrundverordnung. Federführend zuständig für jeden Fall ist jeweils die Behörde, in der das Unternehmen seinen Hauptsitz hat. Im Fall von Apple ist das Irland, das als Steueroase für Technologie-Unternehmen und Datenschutzwüste gilt. Auch Google und Facebook agieren von dort aus in Europa. Bundesdatenschutzbeauftragter Ulrich Kelber (SPD) macht keinen Hehl daraus, dass ihm Widerspruchsverfahren in Irland „viel zu lange“ dauern würden und wirft der irischen Regierung vor, die entsprechenden Stellen „personell“ zu wenig aufzustocken.

Betroffene müssen aktiv Widerstand leisten

Wer nicht will, dass sein Vorgarten oder sein Luxusauto vorm Haus im Netz landen, für den steht ein Formular auf der Internetseite des Landesdatenschutzbeauftragten Heinz Müller zur Verfügung. Betroffene müssen also aktiv Widerstand leisten. Müller sieht die Apple-Aufnahmen ohnehin kritisch. Zwar habe Apple gegenüber der in Deutschland zuständigen Behörde bestätigt, dass Personen und Auto-Kennzeichen unkenntlich gemacht würden.

Allerdings sei nach den bisher veröffentlichten Informationen von Apple davon auszugehen, dass die Aufnahmen unverpixelt als Rohdaten bis zu 36 Monate auf Servern in den USA liegen. „Wer also nicht möchte, dass Aufnahmen seines Privatgrundstücks bei Apple sichtbar sind oder meint, von einem vorbeifahrenden Kamera-Auto gefilmt worden zu sein, kann der Datenverarbeitung widersprechen und die Löschung der Rohdaten beantragen“, betont Müller. Auch bei ihm liegen bisher keine Beschwerden gegen die Apple-Aufnahmen vor.

Einladung an Einbrecher?

Für Eike Bone-Winkel, kommissarischer Landesvorsitzende beim Bund der Kriminalbeamten, stellen die jetzt von Apple aufgezeichneten Karten aus präventiver Sicht keine unmittelbare Gefahr dar: „Generell ist eine Kartierung von Örtlichkeiten lediglich eine Sammlung von öffentlichen Daten, die jedermann durchführen könnte. Aus polizeilicher Perspektive bedeutet das unter anderem, dass zum Beispiel Einbrechern damit die Möglichkeit gegeben wird, sich mit wenig Aufwand mögliche Zu- und Abgangswege und die nähere Umgebung zu erschließen. Allerdings ist die Frage nach einem vorhandenen Einbruchsschutz von Häusern, Garagen oder Fahrzeugen damit noch überhaupt nicht beantwortet.“

Google jedenfalls verbrannte sich damals in Deutschland mit „Google Street View“ die Finger. 250.000 Deutsche legten gegen die Aufnahmen Widerspruch ein. Um den Verfahren Herr zu werden, musste der Konzern mehrere Hundert Mitarbeiter neu einstellen. Viele Fotos von Straßen wurden komplett verpixelt. Seitdem werden die Panoramabilder kaum noch aktualisiert.

Unterwegs ist Apple in den Landkreisen Vorpommern-Greifswald, Vorpommern-Rügen Mecklenburgische Seenplatte und dem Landkreis Rostock mit den Kamera-Autos nach eigener Angabe noch bis zum 10. Oktober.

Hier finden Sie das Formular auf der Internetseite des Landesdatenschutzbeauftragten.

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Kommentare (1)

ich finde es recht amüsant am Bahnhof werden Kameras zu geklebt , wahrscheinlich wieder aus den sogenannten Datenschutzgründen, was ich persönlich lächerlich finde wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten und Autos von Apple fahren durch die Lande und filmen und fotografieren was vor die Linse kommt. Das alles ist Deutschland, danke.