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Bahn treibt Rollstuhlfahrerin in die Verzweiflung

Gabriele Czinski schaut auf den Paperkram, der sich inzwischen bei ihren Reisevorbereitungen angesammelt hat. „Ich kann mich gar nicht mehr richtig freuen“, sagt sie.
Gabriele Czinski schaut auf den Paperkram, der sich inzwischen bei ihren Reisevorbereitungen angesammelt hat. „Ich kann mich gar nicht mehr richtig freuen“, sagt sie.
Jörg Foetzke

Gabriele Czinski aus Jatznick wollte mit dem Zug nach Bayern fahren. Die Reise wurde ein Fiasko, weil die Bahn offenbar den Service für behinderte Menschen zurückfährt.

Die Bahn bereitet einer Rollstuhlfahrerin aus Jatznick enorme Problem. Gabriele Czinski trat Donnerstag ihre Reise nach Bayern angetreten, da ihr Sohn dort am 20. Oktober heiratet. Die Bahn legte der Rollstuhlfahrerin jedoch sprichwörtlich viele Steine in den Weg.

Gabriele Czinski setzte sich mit der Mobilitätservice-Zentrale (MSZ) der Bahn bereits Anfang Juni in Verbindung. Diese Zentrale ist speziell für Menschen, die beim Ein- und Aussteigen Hilfe benötigen. Die Jatznickerin wollte am 15. Oktober mit dem ICE bis nach Ingolstadt fahren. Das MSZ bestätigte ihre Reise und die Einstiegshilfe in Pasewalk. Doch als Gabriele Czinski am 26. September ihre Reise buchen wollte, erfuhr sie, dass der gewünschte Zug gar nicht mehr fährt.

Sie änderte ihre Pläne und buchte eine Fahrkarte für den 8. Oktober. Doch zwei Tage vor der Fahrt erhielt sie einen Anruf, dass die Einstiegshilfe nicht gestellt werden könne. Auf dem Pasewalker Bahnhof ist die Rampe vorhanden – allerdings kein Servicepersonal. Wird die Einstiegshilfe nun benötigt, reisen die damit betrauten Mitarbeiter mit dem Auto an.

Als es endlich klappte, war kein Platz mehr frei

Gabriele Czinski buchte ihre Reise auf den 10. Oktober um. Sie kam aber nicht in den Zug, weil das Servicepersonal für die Rampe in Pasewalk am Vormittag fehlte. Bereits wieder auf dem Heimweg, erhielt sie telefonisch eine Nachricht von der Bahn, sie könne mit einem Zug zwischen 12 und 13 Uhr fahren. Da war dann auch das Servicepersonal vor Ort. Doch die Rollstuhlfahrerplätze im Zug waren allesamt besetzt.

Da war für Gabriele Czinski das Maß voll. Verzweifelt wandte sie sich an den Nordkurier, und das half offenbar. Keine drei Stunden nach einer Nordkurier-Anfrage erhielt sie eine Nachricht, dass sie am 12. Oktober von Pasewalk nach Nürnberg fahren kann.

Eine Entschuldigung steht noch aus

Der Nordkurier hat von der Bahn bisher allerdings keine konkrete Antwort auf seine Anfrage erhalten. Man sei noch in der Recherche und habe sich mit den Vorgängen am 10. Oktober befasst. Da sei nicht alles so, wie von der Jatznickerin geschildert, erklärte ein Sprecher der Deutschen Bahn.

Das empört wiederum Gabriele Czinski. „Ich habe für alles Zeugen“, erklärt sie. Ihre Freundinnen Viola Ballin und Brigitte Heß hätten sie immer unterstützt und waren bei allen Gesprächen dabei. Was auffällt: Ein Wort des Bedauerns von Seiten der Bahn gab es nicht.

Die Nachricht von Doreen Czinski an die Deutsche Bahn:

Haben Sie Erfahrungen mit dem Bahn-Service?

Liebe Leser, haben Sie Erfahrungen mit dem Service der Bahn für Menschen mit Behinderungen gemacht? Gute oder schlechte Erlebnisse – wir freuen uns auf Ihre Meinung. Kontakt: desk-online@nordkurier.de