Vor laufender Kamera und mit Flaggen deutsch-polnischer Einigkeit im Hintergrund legen polnische Landwirte ihre Argumente dar.
Vor laufender Kamera und mit Flaggen deutsch-polnischer Einigkeit im Hintergrund legen polnische Landwirte ihre Argumente dar. „Ein Green Deal nur mit uns“, ist ihre Forderung. Ulrike Müller
Karolina Hernik und Arnoud Korrel treten in Deutschland für Änderungen in der Agrarpolitik ein.
Karolina Hernik und Arnoud Korrel treten in Deutschland für Änderungen in der Agrarpolitik ein. Ulrike Müller
Auch mit mehreren Landmaschinen wurde auf die eigenen Forderungen aufmerksam gemacht.
Auch mit mehreren Landmaschinen wurde auf die eigenen Forderungen aufmerksam gemacht. Ulrike Müller
Green Deal

Das steckte hinter den Bauern-Protesten an der deutsch-polnischen Grenze

Protest gegen den Green Deal der Europäischen Union. In Blankensee trafen sich polnische und deutsche Landwirte und demonstrierten zusammen, um ein Zeichen zu setzen.
Blankensee

Im Konvoi kamen sie über die deutsch-polnische Grenze in Südvorpommern: schwere Traktoren, geflaggt, aus Szczecin und Poznan. Und wurden von ihren deutschen Kollegen gebührend empfangen. Die Landwirte der Region wollten Einigkeit demonstrieren. So, wie zum selben Zeitpunkt deutsche Bauern an der dänischen und holländischen Grenze.

„Zeigen, dass wir vernetzt sind”

Und wie seit Wochen Landwirte in ganz Europa. Sie alle treten gegen den Green Deal der Europäischen Union (EU) an, der jetzt auch von der Bundesregierung beschlossen wurde. Und sehen mit ihm große Probleme für die europäischen Landwirte kommen. Arnoud Korrel, Landwirt aus Klein Luckow, hat sich deshalb im „Land schafft Verbindung e.V.“ (LSV) engagiert und diese Aktion in Blankensee maßgeblich mitorganisiert. „Wir machen Aktionen gegen nationale ideologische Auffassung von ökologischer Landwirtschaft ohne Sinn und Verstand“, erklärt er: „und wir zeigen, wie vernetzt wir sind“.

Mit dem Green Deal sollen große Veränderungen auf die Landwirte zukommen. Im Klimaschutz wurde beschlossen, die Netto-Emissionen der Treibhausgase bis 2050 auf Null zu senken. Dies sei nur zu erreichen, wenn die Landwirtschaft von zehn auf 30 Prozent ökologische Landwirtschaft umstellt. Damit würden weniger Lebensmittel für höhere Preise produziert. „Im ökologischen Landbau wächst auf den Äckern nur halb so viel“, meint Johannes Lammers, Milchviehhalter aus dem Grimmer Raum. Und die Tierhaltung müsste um zehn bis 15 Prozent reduziert werden.

Hintergrund: „Green Deal” soll den Weg zu einer EU ohne Klimagase ebnen

Sorge vor billigem Import

„Doch die Menschen essen nicht weniger“, führt Arnoud Korrel an. Also befürchtet er, dass Lebensmittel von außerhalb von Europa billig und zu niedrigen Standards importiert werden. „Die außereuropäischen Landwirte werden nicht zu ökologischer Produktion wechseln“, befürchtet Karolina Hernik von polnischer Seite.

Doch dadurch werden die ökologischen Richtlinien wieder aufgeweicht. Lange Anfahrtswege und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern, die in Europa längst verboten sind, machen das in der EU erreichte zunichte. „Die Produkte werden im Handel billig angeboten und die europäischen Landwirte verlieren ihren Absatz“. Sie bangen um ihre Existenz. Lammers hat Befürchtungen, seine Milch loszuwerden. Pro Liter kommen schon jetzt nur rund 30 Cent beim Landwirt an. Alles andere geht an die Molkereien und den Handel. Schon jetzt steigen die Preise, weil zu wenig produziert wird.

„Wer soll die Menschen ernähren, wenn wir auf 30 Prozent ökologischen Landbau umsteigen“, fragt Arnoud Korrel. Diese Fragen und Ängste einigen jetzt die Landwirte im ganzen europäischen Raum. „Die europäischen Landwirte werden nicht mehr produzieren können“, entwirft Karolina Hernik ein Zukunftsszenario: „und alle grünen Zonen in Europa nützen nichts, wenn drum herum nach konventionellen, herkömmlichen Standards gearbeitet wird“.

Die Landwirte in Blankensee tauschten polnische und deutsche Flaggen und planen, sobald Corona es zu lässt, nach Brüssel zu fahren. „Ein Green Deal geht nur mit den Landwirten, sagt Karolina Hernik: „Wir fordern, in die Planungen mit einbezogen zu werden“.

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