Hunderte Gäste informierten sich im Lokschuppen über Birkenstock-Produkte und freie Stellen.
Hunderte Gäste informierten sich im Lokschuppen über Birkenstock-Produkte und freie Stellen. Susanne Böhm
Staatssekretär Heiko Miraß (links) überreichte Birkenstock-Mitarbeiter Mark Jensen die Baugenehmigung. Pasewal
Staatssekretär Heiko Miraß (links) überreichte Birkenstock-Mitarbeiter Mark Jensen die Baugenehmigung. Pasewalks Bürgermeister Danny Rodewald gratulierte. Susanne Böhm
Am Grill gab es Gratis-Bratwurst. Da standen die Besucher Schlange.
Am Grill gab es Gratis-Bratwurst. Da standen die Besucher Schlange. Susanne Böhm
Im Lokschuppen stellte Birkenstock eine Auswahl seiner Produkte vor.
Im Lokschuppen stellte Birkenstock eine Auswahl seiner Produkte vor. Susanne Böhm
Viele Besucher nutzten das Sommerfest, um mit Birkenstocks Personalabteilung ins Gespräch zu kommen.
Viele Besucher nutzten das Sommerfest, um mit Birkenstocks Personalabteilung ins Gespräch zu kommen. Susanne Böhm
Pasewalks Bürgermeister Danny Rodewald (rechts) und Birkenstock-Mitarbeiter Mark Jensen eröffneten das Sommerfest im
Pasewalks Bürgermeister Danny Rodewald (rechts) und Birkenstock-Mitarbeiter Mark Jensen eröffneten das Sommerfest im Lokschuppen. Susanne Böhm
Schuhe aus Vorpommern

▶ Birkenstock zurrt in Pasewalk Arbeitsverträge fest

Der Sandaletten-Hersteller treibt sein neues Werk in Vorpommern voran. Erste Jobs wurden vergeben. Am Wochenende gab es Andrang am Personalstand – und vor allem bei der Gratis-Bratwurst.
Pasewalk

Birkenstocks Personal-Akquise nimmt Fahrt auf. Rund 30 Arbeitsverträge wurden bereits unterschrieben. Das teilte Head of Human Resources Monir Beji am Sonnabend am Rande des Sommerfestes des Unternehmens mit. Der Personalverantwortliche und seine Mitarbeiter führten während der Veranstaltung im Pasewalker Lokschuppen unentwegt weitere Gespräche mit Menschen, die sich für einen Job bei dem Sandaletten-Produzenten interessieren. 400 Flyer mit Stellen-Angeboten waren schon am Vormittag vergriffen.

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1000 Arbeitsplätze hat der Schuh-Gigant in dem neuen Werk zu vergeben, das gerade im Industriepark Berlin-Szczecin entsteht. Bislang wurden vor allem leitende Funktionen besetzt – Werksleiter, Teamleiter, Produktionsleiter, Instandhaltungsleiter, Büroleiter und ähnliche, erklärte Beji. „80 Prozent der Leute kommen aus Pasewalk und Umgebung, darüber sind wir sehr froh.“ Dem globalen Unternehmen mit Hauptsitz in Linz sei es wichtig, sich auch in Pasewalk als großer Arbeitgeber zu etablieren. „Wir wollten nicht einfach herkommen und alle Stellen schon besetzt haben, sondern wir wollen Menschen von hier einstellen.“ Dabei habe man auch polnische Arbeitnehmer im Visier. „Das war einer der Gründe für diese Standort-Entscheidung.“ Künftige Mitarbeiter, die eine weitere Anreise haben, würden von dem Unternehmen bei den Fahrtkosten unterstützt.

Bei der Personalwerbung setze man auf Zeitungsanzeigen, aber auf das Internet. Auch mit den Arbeitsagenturen arbeite man gut zusammen. „Wir haben für jeden eine Stelle, für jedes Alter und jede Qualifikation.“

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Wohnung für Mitarbeiter gesucht

Über möglicherweise zu schaffenden Wohnraum werde nachgedacht. Man habe bereits Erkundigungen über Bauland eingeholt und sei mit Bürgermeister Danny Rodewald (parteilos) im Gespräch. Der sucht momentan konkret eine Wohnung für Mark Jensen, Chief Technical Operations Officer bei Birkenstock. „Herr Jensen hat mich gefragt, ob wir in Pasewalk eine kleine Wohnung für ihn haben. Da wird sich schon was finden“, sagte Rodewald. Für weitere Zuzügler wolle das ebenfalls im Gewerbegebiet ansässige Unternehmen Top-Regal Wohnraum bauen. „Die Firma hat gerade 6.000 Quadratmeter gekauft. In der nächsten Woche wird der Vertrag unterschrieben“, so Rodewald. Birkenstock habe „Mega-Strahlkraft“. Er hoffe, dass weitere große Unternehmen „auf diesen Zug aufspringen“.

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Birkenstocks Bauarbeiten gehen nach Auskunft von Pressesprecher Jochen Gutzy planmäßig voran. Voraussichtlich im Juli soll das Fundament gelegt werden. Im Sommer 2023 sollen die ersten Kunststoff- und Outdoor-Sandalen das neue Werk in Pasewalk verlassen. Starten wolle man zunächst mit rund 150 Mitarbeitern, die weitere einarbeiten. Schnell wolle man auf 350, dann auf 400 und im Jahr 2024 schließlich auf 1.000 Angestellte aufstocken. „Das ist auch für uns spannend. Ein neues Werk eröffnet man schließlich nicht alle Tage“, sagte Gutzy.

Birkenstock beschäftige derzeit etwa 5.500 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liege bei 1 Milliarde Euro. 30 Millionen Schuh-Paare würden jährlich produziert. Durch den Standort in Pasewalk sollen es 40 bis 50 Millionen Paare im Jahr werden.

Birkenstock-Sprecher dementiert Gerücht

Wird sich die Schuh-Fabrik am Stadtrand auch in der Stadtmitte bemerkbar machen? „Mit Sicherheit“, sagt Gutzy. Angedacht sei ein Kontaktbüro im Zentrum. Nicht auszuschließen sei ein Schuhladen. Ein seit Monaten durch Pasewalk geisterndes Gerücht, Birkenstock siedele sich nur wegen eventueller Fördermittel in Südvorpommern an, dementierte Gutzy. „Das stimmt nicht.“ Das Unternehmen habe sich für Pasewalk entschieden, weil sich das wirtschaftlich rechne, der Standort viele Vorteile habe. 100 Millionen Euro werden in das Leuchtturm-Projekt investiert. So etwas tue ein Unternehmen nicht für ein paar Hunderttausend Euro Fördermittel.

Das Genehmigungsverfahren für den Neubau bei Franzfelde ist abgeschlossen. Staatssekretär Heiko Miraß (SPD) überreichte am Sonnabend die immissionsschutzrechtliche Erlaubnis für die Errichtung und den Betrieb der Anlage der Birkenstock Real Estate. Innerhalb von nur vier Monaten sei das umfassende Genehmigungsverfahren abgearbeitet worden. Das sei rekordverdächtig.

2.800 kostenlose Grillwürste und Steaks verspeist

Die Fabrik zur Herstellung von Polyurethanformteilen, so die offizielle Bezeichnung, soll aus einer Kunststoff-Schäumerei mit zehn Gießanlagen und 20 Kunststoff-Spritzgießmaschinen sowie einer Reihe von Nebenanlagen wie Blockheizkraftwerk, Gaskessel und Kühlanlagen bestehen. Der mehr als 40-seitige Genehmigungsbescheid, den Miraß mitbrachte, konzentriert nahezu alle erforderlichen Genehmigungen und enthält eine Vielzahl von Nebenbestimmungen, insbesondere zum Immissions- und Arbeitsschutzrecht, aber auch zum Wasser-, Abfall-, Bodenschutz-, Denkmal-, Natur- und Baurecht. „Da steht drin, ob Birkenstock nicht nur ein guter Arbeitgeber, sondern auch ein guter Nachbar wird. Und das wird er“, sagte Heiko Miraß.

Das Sommerfest im Lokschuppen war für Birkenstock ein erster Schritt, „aktiv auf die Pasewalker zuzugehen“, sagte Gutzy. In Zeitung und Fernsehen sei man schon sehr präsent, nun wolle man auch persönlich mit den Einwohnern der Region ins Gespräch kommen. Neben der Jobbörse und einer Art gläserner Schuh-Produktion kamen auch die anderen kostenlosen Angebote sehr gut an. Am Grill hieß es bis zu einer Stunde Schlange stehen. Rund 700 Bratwürste wurden verspeist, außerdem jeweils ebenso viele Krakauer, Bouletten und Steaks. Die Veranstaltung war äußerst gut besucht. „Wir sind selbst überrascht, dass so viele Leute gekommen sind“, sagte Jochen Gutzy.

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