VERBREITUNG VON PORNOGRAFIE

Blowjob-Video wird Fall fürs Amtsgericht Pasewalk

Oral-Sex mit dem Ex: Jana S. verschickte ein Video davon und musste sich deshalb wegen der Verbreitung pornografischer Inhalte vor dem Amtsgericht Pasewalk verantworten.
Pasewalk ·

Jana S. (33) ist eine attraktive Brünette, die weiß, sich modisch zu kleiden. Dezent geschminkt trug sie überm schwarzen Outfit einen peppigen Mantel, dessen Farbe schimmerte zwischen den Tönen gelb, hellgrün, ocker und orange. Nicht so schick wie ihr Aussehen war vorm Strafgericht Pasewalk die Anklage gegen sie der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg. Verbreitung von pornografischen Inhalten warf ihr die Rechtsreferendarin der Staatsanwaltschaft vor.

Gleich zu Verhandlungsbeginn ließ Jana S. keinen Zweifel daran, dass der Vorwurf stimmt. Wie sich später herausstellte, relativiert sich jedoch beim Beleuchten der Hintergründe diese schlüpfrig-heikle Beziehungsgeschichte.

Sex mit Ex trotz neuer Freundin

Vier Jahre war Jana S. mit Marcel B. liiert gewesen, als sich das Paar im Jahr 2019 trennte. „Wir haben ein gemeinsames Kind. Deshalb kam es nach der Trennung zu weiteren Treffen, bei denen es mehrfach zu sexuellen Handlungen kam”, ließ die Angeklagte vor Gericht zunächst über ihre Wahlverteidigerin in einer vorbereiteten Erklärung vortragen. Dann ergriff sie selbst das Wort: „Wir hatten weiter Sex, obwohl Marcel bereits mit seiner neuen Freundin zusammen war.” Gemeint ist die Geschädigte Ulrike W., zeitgleich Zeugin des Verfahrens.

Geladener Zeuge ist auch Liebesschuft Marcel B. Der filmte Jana S. im September 2019, als die ihm mit Oral-Sex beglückte. Der erhaltene Blowjob war jedoch in jeder Hinsicht weit unter der Gürtellinie. Denn Jana S. wusste nichts vom gefertigten Video. „Als ich davon erfuhr, war ich total empört, verlangte von Marcel, es herauszugeben und mir zu überspielen”, sagte sie vor Gericht. Via Messengerdienst landeten die Szenen schließlich auf ihrem Smartphone.

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Sex-Video an die Neue geschickt

Dann jedoch gab es weiteren Ärger. Marcels Neue hatte Wind bekommen von dessen Affäre mit seiner Ex, stellte Jana S. wegen des Verhältnisses im Oktober 2019 zur Rede. „Sie machte Druck, wollte wissen, wann da was läuft, Beweise sehen”, beschrieb Jana S. die Forderungen. Vom Video war nicht die Rede.

Am Ende leitete die Angeklagte es dennoch an Ulrike W. weiter, was eine Straftat darstellt: „Ich habe mir dabei keine Gedanken gemacht.” Allerdings habe sie Hoffnung gehabt, Marcel zurückgewinnen – auch wegen des Kindes. An dieser Stelle fragte Amtsrichter Gerald Fleckenstein, was denn genau im Video zu sehen sei. „Ich habe ihm einen geblasen”, antwortete Jana S. prompt.

Anschließend nahm Amtsrichter Fleckenstein die Szenen selbst in Augenschein, sah die Haare von Jana S., den Oberschenkel von Marcel B. und dessen auffällige Tätowierung, deren Beschreibung ihn identifizierbar machen würde. Jana S. beklagte unterdessen, dass das Thema in die sozialen Medien gelangt, über sie ein „Shitstorm” hereingebrochen war. „Marcel postete vor dem Gerichtstermin, heute sei der Tag der Gerechtigkeit gekommen”, beschwerte sich die Angeklagte.

Richtervorschlag und guter Rat

„Was im Grunde ja stimmt”, hielt ihr Amtsrichter Fleckenstein entgegen und machte den Vorschlag, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Jana S. ist ledig, lebt von Hartz IV. Viel Geld ist bei ihr nicht zu holen. 300 Euro zahlt sie jetzt in Raten an die Landeskasse. Die Geldauflage wäre geringer ausgefallen, hätte sich Jana S. darauf eingelassen, Geld an die Geschädigte Ulrike W. zu zahlen. Doch das Verhältnis der beiden Frauen ist zerrüttet. Jana S. lehnte ab.

Marcel B. und seine Freundin mussten nicht mehr als Zeugen aussagen. Als sie vom Verhandlungsverlauf erfuhren, war von ihrer Seite nur verärgertes Grummeln zu hören. Sie sind weiterhin ein Paar. Zum Abschluss des Prozesses riet Amtsrichter Fleckenstein Jana S.: „Ich hoffe, dass Sie sich in Zukunft Ihrem Alter entsprechend verhalten.” Jana S. nickte ...

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Kommentare (3)

die Hälft hätte es auch getan und nen 1000er an den EX - denn die tat das Video ungefragt aufzunehmen, heimlich, das war wirklich nicht koscher - !

Er hat es aufgenommen. Um das klar zu stellen. Ohne ihres Wissens.

ja - war auch so gemeint -