1. April

Brachte Pommerscher Aprilscherz das Römische Reich ins Wanken?

Seit wann Menschen sich gegenseitig in den April schicken, ist bisher noch völlig unbekannt – und auch, warum sie es tun. Allerdings existieren viele amüsante Theorien – unter anderem die einer mysteriösen Scheibe.
Matthias Diekhoff Matthias Diekhoff
Der Niedergang des Römischen Reiches ist auch eine Folge der Völkerwanderung gewesen.
Der Niedergang des Römischen Reiches ist auch eine Folge der Völkerwanderung gewesen. Friso Gentsch
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Vorpommern.

Woher der Brauch kommt, seine Mitmenschen mit mehr oder weniger gelungenem Schabernack in den April zu schicken, ist kaum noch nachzuvollziehen. Nun ist bei Ausgrabungen in Vorpommern allerdings ein Artefakt zu Tage getreten, dass etwas mehr Licht in die Sache bringen könnte.

Dabei handelt es sich um eine silberne Scheibe, auf der eine Gruppe von Slawen zu erkennen ist und eine Gruppe von Germanen, die einer stilisierten Sonne entgegen ziehen. Wo genau die Scheibe gefunden wurde, soll noch nicht verraten werden, um eventuellen Raubgrabungen vorzubeugen.

Darstellung des Varblot-Thing

Nach Ansicht von Experten handelt es sich dabei um eine bisher einmalige Darstellung des sogenannten Varblot-Things, einer Art Frühjahrstreffen der benachbarten germanischen und slawischen Stämme, das abwechselnd unter einer Eiche und einer Linde gefeiert wurde und bei dem zum Teil derbe Scherze auf der Tagesordnung standen.

Einer dieser Scherze könnte auf der Scheibe abgebildet sein, wird vermutet. So könnten die Slawen den Germanen weisgemacht haben, dass Vorpommern auf Grund anstehender Klimaveränderungen bald unbewohnbar und es daher ratsam wäre, sich auf den Weg in den Süden zu machen.

Womit dann auch die Herkunft der Redewendung „Jemanden in den April schicken“ geklärt wäre, denn das lateinische Wort „apricus“ bedeutet nichts anders als „sonnig“. Und da die Scheibe offenbar aus dem vierten Jahrhundert stammt, könnte dieser vermeintliche Scherz einer der Auslöser die Völkerwanderung gewesen sein, die ganz Europa verändern sollte und letztendlich zum Niedergang des römischen Reiches führte.

Umwälzung in der Geschichte

Dass diese tiefgreifende Umwälzung in der Geschichte des Kontinents in Vorpommern ihren Anfang genommen haben sollte, wäre natürlich eine historische Sensation – oder einfach nur ein Aprilscherz, den historisch interessierte Leser ziemlich schnell durchschaut haben dürften.

Tatsächlich ist unbekannt, wie der 1. April zum Tag der Scherze wurde. Gesichert scheint lediglich, dass dieses Datum bereits in der Antike als Unglückstag galt, dem durch etwas Schabernack sein Schrecken genommen werden sollte. So ist der 1. April – je nach Überlieferung – überliefert als Geburts- oder Todestag des Judas Ischariot, der Jesus Christus verraten hatte. Zudem sei der 1. April angeblich auch der Tag gewesen, an dem Luzifer in die Hölle eingezogen ist.

Können sich Hühner farblich ihrer Umgebung anpassen?

Aber es gibt auch noch andere Erklärungsansätze. So führte im Jahr 1564 der französische König Karl IX. eine Kalender-Reform durch, bei der der Jahresanfang vom 1. April auf den 1. Januar verlegt wurde. Leute, die da nicht mitmachen wollten oder davon nichts mitbekamen und also weiter am 1. April Neujahr feierten, wurden nicht selten von ihren Mitmenschen verspottet.

Aus dem Jahr 1618 ist die Redensart „in den April schicken“ erstmals für Deutschland überliefert. Am 1. April 1774 soll sich laut Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti erstmals eine deutsche Zeitung einen Aprilscherz erlaubt haben.

Dabei wurde behauptet, dass man nicht nur Ostereier färben, sondern auch Hühner in allen möglichen Farben züchten könnte. Nämlich indem man die Umgebung der Tiere in der entsprechenden Farbe anstreicht, worauf hin sich das Federvieh daran anpassen würde.

Und wie zu allen anderen Aspekten des menschlichen Lebens hatte der unübertroffene Erzähler und Satiriker Mark Twain auch zu diesem speziellen Tag etwas anzumerken: „Der 1. April ist der Tag, an dem wir uns erinnern sollen, was wir 364 Tage im Jahr sind: nämlich Narren.“