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Bürgermeister, wir frieren!

Holz ist vorhanden, Kohle ebenfalls. Aber Christian Ulrich kann nicht heizen, weil der Kessel defekt ist. Ein gebrauchter Ersatzkessel darf nicht eingebaut werden, weil er nicht der bundesdeutschen Norm entspricht.
Holz ist vorhanden, Kohle ebenfalls. Aber Christian Ulrich kann nicht heizen, weil der Kessel defekt ist. Ein gebrauchter Ersatzkessel darf nicht eingebaut werden, weil er nicht der bundesdeutschen Norm entspricht.
Rainer Marten

Der Kessel der Forster-Heizung ist durchgebrannt, Familie Ulrich kann nicht mehr heizen. Der Versuch der Gemeinde, den Schaden zu beheben, schlug an einer bundesdeutschen Norm für Heizungsanlagen fehl. Und nun?

Ingelore Ulrich in Jatznick ist ratlos. Bürgermeister Peter Fischer ist es ebenfalls. An dieser Ratlosigkeit hat eine bundesdeutsche Norm für Heizungsanlagen schuld – und der Schornsteinfeger, der diese Norm durchsetzen muss. Die Fronten sind damit geklärt! Nicht ganz – leider.

Aber der Reihe nach. Vor zwei Jahren passierte es das erste Mal: Ulrichs Heizkessel der DDR-Forsterheizung tropfte. 25 und mehr Jahre alt, hatte der Kessel seine Schuldigkeit getan. Mit einer speziellen Dichtflüssigkeit, die ins Heizungssystem gefüllt wird und beim Austreten Lecks abdichtet, gelang es einem Heizungsmonteur, den Schaden noch einmal zu beheben. Der Monteur sagte aber gleich: Das hält nicht ewig; der Kessel muss raus.

Diese Ewigkeit endete im Februar 2013. Wieder leckte der Kessel. Er wurde nun aber stillgelegt, da eine Reparatur nicht mehr möglich war. Ingeborg Ulrich und Sohn Christian überbrückten die restlichen Winterwochen mit einer Gas betriebenen Heizung. „Aber das ging richtig ins Geld. So eine Flasche kostet mehr als 20 Euro und hält nur drei Tage vor“, sagt Ingeborg Ulrich.

Für die Familie stand fest, die Gemeinde als Vermieter muss den Schaden beseitigen. Der Hausverwalter in Ueckermünde und auch Bürgermeister Fischer wurden informiert. Fischer gelang es vor Wochen dann auch, einen gebrauchten Kessel, der noch mit Holz und Kohle befeuert wird, aufzutreiben. Er ließ ihn zur Wohnung bringen und leitete weitere Schritte zum Einbau vor. Nicht gerechnet hatte der Bürgermeister da mit dem Schornsteinfeger. Der sah sich das gute Stück aus DDR-Zeiten an und prüfte die Zulassung nach bundesdeutschem Recht. Die allerdings gibt es nicht; der Kessel darf nicht eingebaut werden.

„Weil das Gebäude, das Ulrichs bewohnen, insgesamt in einem sehr desolaten Zustand ist, haben wir der Familie bereits im Sommer zu einem Umzug geraten. Ulrichs haben abgelehnt. Als Gemeinde haben wir auf der anderen Seite aber auch nicht das Geld, um in einem Haus, das absolut keine Perspektive mehr hat, eine komplett neue Heizung einzubauen“, sagt Fischer. "Aber ich weiß, dass wir in der Pflicht sind“, sagt Fischer. Aber wie soll die aussehen?

Einen Umzug lehnt Ingeborg Ulrich ab. „Seit 1978 wohne ich in diesem Haus. Wir haben hier auch so manchen Groschen reingesteckt. Und wir sind es gewohnt, großzügig zu wohnen. Umziehen – das kommt nicht in Frage“, sagt sie.

Bürgermeister Peter Fischer sicherte noch einmal zu, das Gespräch mit der Familie zu suchen. Angesichts des baulichen Zustandes des Hauses insgesamt hat er aber nur eine Lösung im gegenseitigen Einvernehmen im Blick: Ulrichs ziehen um. Und das möglichst bald, bevor es richtig kalt wird.