Reaktion
Caterer nach Eklat im Kreistag: Keine Nazi-Klamotten

Bernd Ertel zeigt das T-Shirt seines Dartclubs. Für ihn ist keine Nazisymbolik zu erkennen.
Bernd Ertel zeigt das T-Shirt seines Dartclubs. Für ihn ist keine Nazisymbolik zu erkennen.
Jörg Foetzke

Caterer im Kreistag haben bei der aktuellen Sitzung in Pasewalk mit ihren T-Shirts für einen Eklat gesorgt. Nazi-Symbole sieht der Gastronom auf ihnen nicht, aber seine Erklärungen wecken Zweifel.

Das, was da am Montagabend während der jüngsten Kreistagssitzung ablief, kann Bernd Ertel am Tag danach noch nicht verstehen. Er gehört zu den Mitarbeitern des Caterings, die mit ihren T-Shirts für Unmut sorgten. Ihnen wurde vorgeworfen, Nazi-Symbole auf der Kleidung zu tragen.

„Mein Kollege Daniel Fangerow und ich wurden automatisch in die rechte Ecke gestellt. Das kann ich nicht so stehen lassen“, betont Bernd Ertel, und man sieht ihm die Verärgerung an. Denn die T-Shirts haben seiner Meinung nach auch rein gar nichts mit politischer Gesinnung zu tun, sagt der Pasewalker.

Gastronom erklärt die Symbole

„Wir haben sie uns anfertigen lassen zum 30. Gründungsjubiläum unseres Dartclubs“, erklärt Ertel. Das sei kein eingetragener Verein, sondern ein lockerer Zusammenschluss von Freizeit-Dartern, die regelmäßig ihrem Vergnügen nachgingen.

Und die Symbole auf den Jubiläums-T-Shirts haben für Bernd Ertel auch nichts mit rechter Überzeugung zu tun. Der Adler hält schließlich keine sogenannte schwarze Sonne, sondern eine Dartscheibe. Und die Zahl 88 soll auf das Gründungsdatum des Dartclubs hinweisen.

Den Einwand, dass die Gestaltung schon sehr an die Nazisymbolik erinnere, lässt Ertel nicht gelten. „Meine Dartkumpels und ich sehen das nicht so. Und wer es so sieht, will das vielleicht auch so sehen. Jedenfalls nichts auf dem T-Shirt ist verboten“, bekräftigt Ertel seinen Standpunkt.

Will für Pasewalker Stadtvertretung kandidieren

Rechte seien er und seine Kumpels auf keinen Fall. Man habe gar ein ehemaliges Mitglied aus dem Kreis ausgeschlossen, weil dieser mit seiner rechten Überzeugung nicht hinter dem Berg hielt. „Ich selbst bin seit 25 Jahren Mitglied der CDU und werde im nächsten Jahr für die Pasewalker Stadtvertretung kandidieren“, erklärt Bernd Ertel. Das sieht er als weiteren Beleg für seine demokratische Grundhaltung.

Auch Reiner Franz als Chef der Pasewalker Lokalität, die das Kreistags-Catering ausrichtet, bricht eine Lanze für seine Mitarbeiter. „Da ist keiner rechts“, sagt der Gastwirt. Und wenn ihm da etwas auffallen würde, wüsste er schon, wie man derlei Tendenzen begegne.

T-Shirt wirft Fragen auf

Doch nicht jeder nimmt den Pasewalker Dartern die Geschichte vom Jubiläums-T-Shirt ab. „Für mich ist das kein Dumme-Jungen-Streich. Die Gesamtgestaltung lässt Rückschlüsse zu!“, erklärt
Dr. Uwe Schultz (SPD) als Mitglied des Kreistagspräsidiums, dem der Nordkurier das Logo des Pasewalker Dartclubs zeigte.

Er fragt auch, warum man sich mit der „88“ auf dem T-Shirt begnügte und nicht 1988 schrieb. Platz sei da gewesen. Uwe Schultz plädierte für die Untersuchung des Vorfalls. „Sollte sich herausstellen, dass es Verbindungen zu rechten Kreisen gibt, ist die Zusammenarbeit mit dem Caterer sofort einzustellen“, fordert er.

Kommentare (3)

Wäre für mich eine treffendere Überschrift für einen Bericht zu diesem Thema. Lieber Nordkurier, wenn ich Stimmungsparolen lesen will, kaufe ich mir eine andere Zeitung. Wo bleiben die unabhängigen sachlichen gut recherchierten Berichte über wichtige Themen im Land, die etwas positives bewegen?

Selbstverständlich ist hinter der Symbolik eine rechtsextreme Einstellung zu erkennen. Das erkennt man nicht nur an der Zahlensymbolik "88" (steht bei Faschisten für Heil Hitler), sondern auch an der bei Rechtsextremen sehr beliebten Frakturschrift und an dem Adler. Der Kreistag sollte sich da nicht ins Bockshorn jagen lassen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte stoppt die Zusammenarbeit mit dieser Firma, und zwar sofort!

Erstaunlich wie sich immer alle hinter Unwissenheit verstecken... erst wählt man gezielt solche Symbolik und hinter bestreitet man den Symbolgehalt - bekannte Masche Ein weiterer Punkt: Solche Bekleidung ist bei dem Bewirtungsauftrag für eine Parlamentssitzung sicherlich nicht angemessen, äußerst unpassend - was ist das für ein Caterer? Hat der keinen Anstand?