Was sagen die Pasewalker Politiker Danny Rodewald, Günter Buse (MfP), Anne-Regina Gerhardt (Linke), Michael Ammon (SPD),
Was sagen die Pasewalker Politiker Danny Rodewald, Günter Buse (MfP), Anne-Regina Gerhardt (Linke), Michael Ammon (SPD), Kristian Belz und Michael Busch (CDU) zu den Corona-Demos in der Stadt? NK-Montage/NK-Archiv/ZVG
Corona-Proteste

Das denken Pasewalks Politiker über die Demos

So etwas haben sie in ihrer Stadt lange nicht erlebt: Einer geht selbst mit, andere würden keinen Fuß auf die Montags-Demos setzen, manche sind unentschlossen.
Pasewalk

Mit Interesse beobachten Pasewalks Kommunalpolitiker, was sich seit ein paar Wochen jeden Montagabend in der Stadt abspielt. An Demonstrationen in diesem Umfang kann sich kaum einer erinnern.

Recht auf Demonstrationsfreiheit

„Ich weiß nicht, was 1990 in Pasewalk los war, da war ich nicht dabei. 2003, bei meiner Hochzeit, durfte der Hochzeitskorso nicht über den Markt fahren, weil die Innenstadt wegen einer Demo der Rechten gesperrt war. 2016 demonstrierten auch wieder Rechte. Das war damals aber alles nicht in dem Ausmaß wie das heute“, sagte Stadtpräsident Ralf Schwarz (CDU) am Mittwoch.

„Als die letztens an meinem Haus vorbeigegangen sind, waren das schon ganz schön viele“, sagte Pasewalks angehender Bürgermeister Danny Rodewald (parteilos).

In zwei Punkten sind sich fast alle der befragten Politiker einig: So etwas haben sie in ihrer Stadt lange nicht erlebt, und „es ist in Ordnung und gut, dass die Leute ihr Recht auf Demonstrationsfreiheit nutzen“, wie es Michael Ammon formulierte, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Pasewalker Stadtvertretung.

Einer war schon vier Mal dabei

Geht die Sympathie so weit, dass die Politiker sich den Corona-Demos anschließen würden? Kristian Belz, Fraktionsvorsitzender von "Für unsere Heimatstadt" war bei allen vier Demonstrationen dabei. „Ich bin dafür, dass jeder selbst über seinen Körper entscheiden darf, und möchte meine Kinder nicht impfen lassen. Die ersten beiden Male waren mir noch ein bisschen zu leise.“

Danny Rodewald sagte, er sei froh, dass die Demos in Pasewalk bisher „ruhig abgelaufen“ sind. Er war bisher nicht dabei. „Das muss jeder für sich abwägen.“ Er selbst habe Corona gehabt, als er mit Impfen noch nicht an der Reihe war. Die Krankheit sei so schlimm gewesen, dass er sie auf keinen Fall noch mal haben möchte. Er sei geimpft und könne das Boostern kaum erwarten.

Günter Buse von den "Mitstreitern für Pasewalk" findet, dass die Impfpflicht in Deutschland schon vor zwei Jahren hätte kommen müssen, „als die Leichenzüge durch Italien fuhren“. „Es wurde alles viel zu doll zerredet. Demokratie ist gut und schön, aber wenn es um das Wohl eines ganzen Volkes geht, muss eine Regierung handlungsfähig bleiben.“ Er würde keinen Fuß auf eine Demo setzen, die sich gegen Corona-Maßnahmen richtet, betonte Günter Buse.

Manchen fehlt konkrete Forderung

CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Busch (CDU) kann Teile der Kritik an der Corona-Politik nachvollziehen. Er würde sich den Demos anschließen, „wenn das Geschehen nicht so diffus wäre“. „Ich weiß nicht, wofür oder wogegen die Masse steht. Allein wegen der Impfpflicht würde ich nicht gehen. Wenn es aber gegen die Unverhältnismäßigkeit der Einschränkung der Grundrechte gehen würde, dann würde ich mitmachen.“

Ein ähnliches Problem hat Anne-Regina Gerhardt (Die Linke). „Die müssten mal sagen, gegen was sie demonstrieren, was genau sie überhaupt fordern.“ Die Fraktionsvorsitzende ist keine Freundin der Corona-Proteste. „Ich halte davon gar nichts. Wenn es gegen das Impfen geht, kann ich nicht nachvollziehen, warum die sich alle nicht impfen lassen. Ich glaube nicht, dass die Demos etwas bringen. Da müssten sich die Leute schon direkt an die Verantwortlichen wenden.“

Stadtpräsident Ralf Schwarz hat auch nicht vor, zu demonstrieren. „Ich glaube nicht, dass das zielführend ist.“

Raik Mönke von der Wählerinitiative Pasewalk war am Mittwoch nicht zu erreichen, Bürgermeisterin Sandra Nachtweih (CDU) auch nicht.

Vor Weihnachten begannen die Corona-Proteste in Pasewalk. Vier Mal wurde seither demonstriert. Die Schätzungen über die Höhe der Teilnehmerzahl gehen auseinander. Bei der am besten besuchten Demo dürften rund 500 Menschen gewesen sein. Auch am kommenden Montag wollen sich Leute aus Pasewalk und den umliegenden Orten wieder auf dem Marktplatz versammeln und von dort durch die Stadt gehen.

Hintergrund: ▶ Penkuner und Pasewalker gegen Corona-Politik

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