Abi-Eklat in Pasewalk

Das sagen die Abiturienten zum Zoff am Gymnasium

Am Oskar-Picht-Gymnasium in Pasewalk hat ein Drittel des Jahrgangs die Abiturprüfungen nicht bestanden. Das überschattete auch die Feierstunde. Nun äußern sich zwei Abiturienten über die Ereignisse ihrer letzten Schultage.
Rainer Marten Rainer Marten
Das Pasewalker Gymnasium in der Grünstraße. In diesem Jahr macht die Einrichtung überregional von sich reden, weil viele Schüler ihre abschlussprüfung nicht bestanden.
Das Pasewalker Gymnasium in der Grünstraße. In diesem Jahr macht die Einrichtung überregional von sich reden, weil viele Schüler ihre abschlussprüfung nicht bestanden. Rainer Marten
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Pasewalk.

Es sollte der krönende Abschluss der Schulzeit werden. Doch der feierliche Abend am Pasewalker Gymnasium endete abrupt, nachdem Gratulationen versagt und die übliche Abi-Rede verweigert wurde. Nur 40 der 60 Schüler im Abschlussjahrgang haben ihr Abitur bestanden. Zum Vergleich: Landesweit bestanden mehr als 90 Prozent ihr Abi.

Während die Schulleiterin dazu nicht mit dem Nordkurier reden will, stellten sich zwei Abiturienten den Fragen unseres Reporters Rainer Marten – auch wenn sie ihre echten Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Einer von ihnen war derjenige, der kurzfristig auf die geplante Rede auf der Abschlussfeier verzichtete.

Sie haben auf die feierliche Dankesrede bei der Zeugnisübergabe verzichtet. Wie kam es dazu?

Abiturient 1: Ich habe mich dazu kurzfristig entschlossen, weil einen Tag vorher die Zeugnisse des theoretischen Teils der Fachhochschulreife übergeben wurden. [Anmerkung der Redaktion: Das sind die Zeugnisse für Schüler, die das Abitur nicht bestanden haben.] Diese Zeugnisübergabe wurde strikt von der Übergabe der Abiturzeugnisse getrennt. Das wollten meine Mitschüler und ich aber so nicht hinnehmen.

Wie erfolgte diese Übergabe?

Abiturient 2: In einem tristen, kalten Klima. Schüler haben die Zeit gemessen. Das alles hat acht Minuten gedauert – ohne Worte der Würdigung, ohne die Absolventen für den späteren Lebensabschnitt aufzubauen. Als die Schulleiterin den Raum verlassen hatte, fand Katrin Stelter, eine der Tutorinnen der C-Klasse, noch einige aufbauende Worte. Für eine solche Veranstaltung hätten sich Eltern nicht freinehmen müssen.

Warum war Ihnen so wichtig, dass die Übergabe der Zeugnisse an alle gemeinsam und am selben Tag erfolgt?

Abiturient 1: Wir sind zwölf Jahre zur Schule gegangen, wir haben davon sechs Jahre gemeinsam am Gymnasium verbracht. Das schweißt zusammen – unabhängig davon, ob jeder am Ende dieser Zeit das Reifezeugnis oder ein Abgangszeugnis in den Händen hält. Wir wurden gefragt, wie wir unseren Abschluss erleben möchten, aber unsere Meinung wurde überhaupt nicht beachtet. Man hätte sehr wohl sprachlich trennen können, ob die Zeugnisse für die Hochschulreife oder für den theoretischen Teilder Fachhochschulreife übergeben werden. Andere Gymnasien praktizieren das auch so.

Abiturient 2: Wir wollten mit einer gemeinsamen Zeugnisübergabe den Zusammenhalt unseres Jahrganges zeigen.

Abiturient 1: Von der Schulleitung wurde einfach nicht akzeptiert, dass wir Wert auf eine gemeinsame Feierstunde legen. Und es ist unsere Feierstunde, die Feierstunde der Abgänger, und nicht die der Schulleitung.

Ihre Rede war fertig? Mit kritischen Passagen? In Pasewalk wurde sogar kolportiert, diese sei von der Schulleiterin verboten worden, weil es diese kritischen Passagen gab.

Abiturient 1: Die Rede war fertig. Sie enthielt auch kritische Passagen. Die Schulleitung hat uns aber nicht untersagt, sie zu halten. Ich habe vor dem bereits erwähnten Hintergrund darauf verzichtet zu sprechen und sie dann am Abend gehalten. Ich habe sie kürzer und leicht verändert gehalten, denn am Abend richteten sich die Worte an ein ganz anderes Publikum.

Wie kam bei Ihnen die Rede der Schulleiterin an?

Abiturient 2: Der erste Teil war schön. Die Schulleiterin hat sich Ereignisse aus unserer Schulzeit zuarbeiten lassen. Der zweite Teil? Na ja. Das Thema des Scheiterns, Innehaltens und erneuten Durchstartens hätte einen Tag früher, zur vorgezogenen Zeugnisübergabe, gepasst. Aber nicht zu uns: Wir sind nicht gescheitert. Wir hielten die Abi-Zeugnisse in der Hand!

Abiturient 1: Die Rede hätte vielleicht gepasst, wenn es eine gemeinsame Zeugnisübergabe gegeben hätte.

Zum Thema Scheitern. In Mecklenburg-Vorpommern ist jeder 15. Schüler durch das Abitur gefallen, in Pasewalk hat jeder dritte Schulabgänger der zwölften Klassen das Ziel nicht geschafft. Ein Drittel hat also hier nicht die Hochschulreife erreicht. Wie ist das zu erklären?

Abiturient 1: Es gibt viele negative Aspekte. Das Klima an der Schule hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Aufgrund dieses Klimas hat die Schule gute Fachlehrer verloren. Der häufige Lehrerwechsel gehörte zu unserem Schulalltag. Wir mussten deshalb mit Referendaren und Seiteneinsteigern klarkommen. Das ist aus unserer Sicht einer der Gründe, dass es viele nicht geschafft haben. Und selbstkritisch muss man auch sagen: Der Weg zum Abitur verlangt vor allem eines: Lernen.

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Kommentare (7)

Nachdem ich mir den Artikel durchgelesen habe, bemerkte ich wie so oft, das der Fehler wieder bei anderen gesucht wurde und Scheinargumente ins Feld geführt wurden. Entweder ich schaffe das Abitur oder meine Leistungen waren beim Wechsel schon nicht ausreichend für einen erfolgreichen Abschluss. Das jetzt das ,das Klima und der häufige Lehrerwechsel Schuld am nicht bestehen sein soll,halte ich für vorgeschoben.

Trotz Lesen haben Sie den Artikel offenbar nicht verstanden. Es geht nicht um das Nichbestehen, sondern vorrangig um den Umgang mit den "Nichtbestehern". Aber auch ansonsten muss sich eine Schule selbst hinterfragen, wenn ihre Durchfallquote derart stark vom Landesdurchschnitt abweicht.

Meines Erachtens war die Entscheidung der Schulleitung richtig. Es lässt vermuten, dass einige derjenigen, die das Abitur nicht bestanden haben, sich mit fremden Lorbeeren schmücken wollten, indem sie sich unter die breite Masse derjenigen mischen wollten, die das Abitur geschafft haben. Zu meiner Zeit ging auf das Gymnasium nur die Elite und das waren pro Klasse ca. 3 Schüler, die diesen Sprung schafften. Heutzutage sind viele Gymnasien auf das Niveau einer Mittelschule gesunken. Und das liegt nicht allein am Personalmangel unter den Lehrer.

Aus dem Artikel geht deutlich hervor, dass gerade die erfolgreichen Abiturienten die Durchfaller dabei haben wollten. Sie verdrehen den Inhalt, denn von schmücken, Lorbeeren und untermischen ist nichts geschrieben, nichtmal angedeutet.

Von verdrehen kann keine Rede sein, wenn ich meine persönliche Meinung zum o.g. Thema äußere. Es ist meine Sicht....und eventuell lese ich ja etwas heraus, was nicht geschrieben steht. Bedanke mich für`s Gespräch. :-)

... kann dieser Jahrgang nun froh sein, dieses Gymnasium verlassen zu haben. Das sollte der Lichtblick sein und in die Zukunft geschaut werden.

Habe den Artikel schon richtig gelesen,wenn es Ihnen nur um die gemeinsame Feier gegangen wäre,hätten Sie ja daran teilnehmen können. Sie haben hier aber den Eindruck erweckt,dass das nicht bestehen,nicht an den Schülern lang,sondern äußere Einflüsse mitgewirkt haben. Wenn ich das Abitur nicht bestanden hätte,wäre ich bestimmt nicht in Feierlaune gewesen und hätte mich dort nicht blicken lassen.