ALTE OBSTSORTEN

Der Apfel-Kenner von Waldeshöhe

Seit Jahren engagiert sich Peter Markgraf mit seinem Bio-Betrieb in Waldeshöhe für den Erhalt von alten Obstsorten.
Fred Lucius Fred Lucius
Peter Markgraf zeigt entlang des Weges zu seinem Bio-Hof in Waldeshöhe Apfelbäume, die als Zufallssämlinge aus
Peter Markgraf zeigt entlang des Weges zu seinem Bio-Hof in Waldeshöhe Apfelbäume, die als Zufallssämlinge aus Pressabfall (Trester) entstanden sind. Die verschiedenen Sorten tragen unterschiedlich gut. Fred Lucius
Etwa 150 Apfelsorten wird der Pomologe zur Obstsortenschau auf dem Waldeshöher Apfelmarkt mitnehmen.
Etwa 150 Apfelsorten wird der Pomologe zur Obstsortenschau auf dem Waldeshöher Apfelmarkt mitnehmen. Archiv
Waldeshöhe.

Man traut sich kaum hineinzubeißen. Von dem großen gelb-roten Apfel gibt es gerade einmal eine Handvoll Exemplare. „Das ist der Große Richard. Die Sorte galt als verschollen“, berichtet Peter Markgraf. Ein Schotte habe diesen Apfel mit nach Mecklenburg-Vorpommern gebracht, fügt der Biobauer hinzu. Den Gelben und den Roten Richard gebe es auch noch. In der Scheune des Bio-Hofes Guter Heinrich in Waldeshöhe sortiert Peter Markgraf Äpfel in Schalen und fügt Zettel mit den Namen hinzu. Etwa 150 will der Pomologe, also Obstbaumkundler, zum Waldeshöher Apfelmarkt, der am Sonnabend stattfindet, mitnehmen.

Zu jeder Sorte weiß Peter Markgraf etwas zu berichten, nicht nur zu Aussehen, Geschmack und Wuchs, sondern meist auch Geschichtliches. Etwa, dass der Rheinische Bohnapfel einst massenweise entlang von Straßen gepflanzt wurde und dieser ein guter Lagerapfel ist. Oder, dass der Pommersche Schneeapfel, anders als andere, aufgeschnitten erst nach Stunden braun wird. Sein Wissen hat sich der Waldeshöher über Jahre aus Büchern oder durch eigene Studien der Sorten angeeignet. Dazu sieht er sich alte Obstbäume etwa auf Streuobstwiesen an oder besucht Ausstellungen.

3000 Apfelbäume mit rund 1000 Sorten

In den Plantagen des Bio-Betriebes stehen mittlerweile 3000 Apfelbäume in rund 1000 Sorten. „Da sind auch noch viele junge Bäume dabei. Die müssen mindestens fünf Jahre alt sein, bevor sie tragen“, berichtet Peter Markgraf, in dessen Betrieb im Jahr zwischen 300 und 500 Bäume veredelt werden. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es rund 100 regionale Sorten, allerdings seien nur etwa 50 in der Literatur beschrieben. „Viele alte Bäume sind aus Zufallssämlingen entstanden. Bestimmte Lokalsorten kann auch ein Pomologe nicht kennen“, gibt Peter Markgraf zu verstehen.

Nach seiner Einschätzung ist das Interesse an alten Obstsorten gestiegen. Auf dem Waldeshöher Apfelmarkt wird Peter Markgraf eigene Apfelsorten vorstellen, aber auch Sorten bestimmen, die die Besucher mitbringen. Drei bis fünf typische Äpfel einer Sorte sollten dazu mitgebracht werden – unpoliert und möglichst in einer Papiertüte oder in einem Korb, nicht in einer Plastetüte. Auch Bestellungen für Bäume nimmt er an diesem Tag an. Die gewünschten Sorten werden dann in einer Baumschule geordert. „Der Klassiker ist, wenn die Leute mit ihren Äpfeln kommen und sie diese Sorte als Baum bestellen, wenn ich herausbekomme, um was es sich handelt“, sagt der Waldeshöher.

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