Wer die Wohnung mit Holz heizen möchte, sollte wegen des Wirkungsgrades statt eines Kaminofens einen Grundofen einbauen,
Wer die Wohnung mit Holz heizen möchte, sollte wegen des Wirkungsgrades statt eines Kaminofens einen Grundofen einbauen, rät Ofen- und Kaminbaumeister Stefan Busse aus Strasburg. Allerdings gebe es auch dafür längere Wartezeiten. Fred Lucius
Energiepreise

Die Leute rennen den Ofenbauern in Vorpommern die Türen ein

Den nächsten Winter mit einem Holzofen statt mit Gas heizen? Angesichts der Energiepreise denken viele über eine Alternative nach. Doch wer auf eine schnelle Lösung hofft, dürfte enttäuscht werden.
Strasburg

Mal schnell einen Kaminofen einbauen und damit dem Anstieg bei den Energiepreisen ein Schnippchen schlagen? „Keine Chance, für den nächsten Winter wird das nichts mehr“, sagt Stefan Busse, Inhaber der Firma Busse-Kamine Strasburg. Den Ofen- und Kaminbaumeister erreichen am Tag im Schnitt 10 bis 15 Anfragen von Neukunden. Zwischen zwei und drei Monate müsse man derzeit bei ihm auf einen Beratungstermin warten. Was jetzt an Anfragen hereinkomme, könne frühestens im zweiten Quartal 2023 erledigt werden. „Ganz viele Geräte sind jetzt ganz einfach nicht lieferbar. Bestätigte Liefertermine verschieben sich um Wochen“, erklärt der Strasburger.

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Materialkosten haben sich verdrachfacht

Als Problem zu den Lieferengpässen komme die Preisentwicklung hinzu. Hätten sich schon in den vergangenen drei Jahren die Materialkosten etwa verdreifacht, gebe es jetzt wegen der Verknappung der Rohstoffe eine weitere Preiserhöhung. Eine Preisgarantie könne er jetzt nur noch für einen Monat geben. Daher werde Material auch bei den Kunden eingelagert, auch wenn der Auftrag erst später ausgeführt werde. „In anderen Bereichen ist es ähnlich. Wir sollen einen Kamin einbauen, dabei ist bei einem Neubau noch nicht einmal das Dach drauf. Abläufe sind da schwer zu kalkulieren“, beschreibt der Ofenbaumeister. Die Situation werde nicht besser, allerdings sollte man auch Schnellschüsse vermeiden. Busse plädiert zudem dafür, die Stufe 2 der Bundes-Immissionsschutzverordnung (Abgasnorm) um vier, fünf Jahre zu verschieben, wonach Alt-Anlagen nachgerüstet oder ausgetauscht werden müssen, wenn die Grenzwerte nicht eingehalten werden können. Das würde „Druck aus dem Kessel“ nehmen, denn viele Anfragen würden ihn als Ofenbauer auch dazu erreichen. „Wir haben gar nicht die Mitarbeiter, das alles abzuarbeiten.“

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„So macht es auch keinen Spaß“

Ähnlich sieht es bei Andreas Dieckmann, Inhaber der Kachelofen und Kaminbau GmbH Torgelow, aus. „Die Anfragen erschlagen uns. Eigentlich müsste das für einen Handwerker eine komfortable Situation sein. Aber so macht es auch keinen Spaß“, sagt er. Wegen der gestiegenen Preise und der anhaltenden Diskussion um diese seien die Leute extrem verunsichert. Bei bestimmten Modellen gebe es eine Wartezeit von einem Jahr. So seien derzeit Kaminöfen über alle Vertriebswege so gut wie ausverkauft. „Ein, zwei Hersteller können vielleicht noch liefern. Andere erst im August 2023.“ Auch die Preisentwicklung sei kurios. Ein heute vereinbarter Preis könne in einem Jahr ganz anders ausfallen. Für ihn, aber auch für die Kunden sei das eine unangenehme Situation.

„Ich muss Termine zurzeit absagen“, sagt Andreas Discher aus Sommersdorf, der als Trockenbauer und Fliesenleger auch Holzofen-Reparaturen und -Umsetzungen ausführt. Etwa ein viertel Jahr müsse man bei ihm auf einen Termin warten, bei Notfällen komme er aber auch sofort. Die Arbeiten führe er alleine aus – er finde keine Mitarbeiter.

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