BAUGENEHMIGUNG FÜR MEGA-STALL

Die Schweinemast von der niemand weiß

Einige Pasewalker Stadtvertreter beginnen an sich zu zweifeln. Davon, dass vor den Toren der Stadt eine große Schweinemastanlage gebaut werden soll, bekamen sie nichts mit. Erst aus dem Nordkurier erfuhren sie davon. Was ist da gelaufen?
Vor den Toren Pasewalks befanden sich einst Schweineställe. Nun soll dort eine neue Mastanlage gebaut werden.
Vor den Toren Pasewalks befanden sich einst Schweineställe. Nun soll dort eine neue Mastanlage gebaut werden. Rainer Marten
Pasewalk.

Winfried Gentz' Dasein als Stadtvertreter ist erst wenige Tage alt. Da kann man vorher etwas verpasst haben, sagt er. Aber als der Pasewalker im Nordkurier las, dass in Friedberg die alten Schweineställe abgerissen und dort eine neue Anlage mit 5527 Schweinemast-Plätzen gebaut werden soll, da kam er doch in's Grübeln. Musste nur die Stadtverwaltung ihre Zustimmung geben?

Auch CDU-Fraktionschef Rüdiger Behrendt war überrascht, dass eine so große Anlage gebaut werden soll. "Da wären doch bei uns die Sirenen angegangen. Komisch ist für mich, dass kein Stadtvertreter das Wort Schweinemastanlage je gehört hat," sagt er. 

"Ich bin sicher, dass die Stadtvertreter nicht zugestimmt haben"

Sogar Heidrun Petruscke  (fraktionslos), allen als besonders gründlich bekannt, sagt: "Ein Einvernehmen ist mir nicht bekannt. Ich bin sicher, dass die Stadtvertreter nicht zugestimmt hätten." All das wird in den nächsten Wochen aufgearbeitet werden müssen.

Eine, die damit nun gar nichts zu tun hat und von den Anfragen überrollt wird, ist Neu-Bürgermeisterin Sandra Nachtweih. Sie ließ sich vom Bauamt den Lauf der Dinge aufzeigen. Danach wurde die Stadt durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt am 18. Januar 2012 erstmals aufgefordert, ihr Einvernehmen zu erteilen. Das geschah einen Monat später auch. Dass die Unterlagen zu dem Vorhaben ausliegen und eingesehen werden können, darauf wurde zuvor schon mit einer amtlich Bekanntmachung hingewiesen, die auch im Nordkurier erschien. Einwände wurden danach nicht vorgebracht. Vor gut einem Jahr erging durch das StALU Mecklenburgische Seenplatte dann der so genannte Genehmigungsbescheid. Alles rechtens also. Nur komisch, dass davon niemand etwas mitbekommen hat.

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Kommentare (3)

Es ist doch heute vollkommen egal, wo vor der friedlichen Revolution irgendwelche Schweineställe belegt waren. Moderne Tierkonzentrationsanlagen werden im neuen Deutschland ab einer bestimmten Größe im Rahmen eines Bundesimmissionsschutzverfahrens genehmigt. Und dort, wo keine ehrenamtlichen Bürgerinitiativen auf die Auswirkungen der neuen Agrarindustriepläne schauen, stehen die gewählten Volksvertreter allein da.
Aber inzwischen kümmert sich zum Glück auch die Kirche verstärkt um das Thema. http://www.nordkurier.de/demmin/tierfabrik-oder-oeko-stall-068164807.html

Von „Mega-Stall“ kann bei der benannten Größenordnung keine Rede sein. Etwas mehr Sorgfalt bei der Recherche ist der Lokalredakteurin anzuraten. Fleisch steht auf den Speise- oder Wunschzetteln von über fünf Milliarden Menschen. Auch beim Fleisch bestimmt die Nachfrage das Angebot und damit den Markt. Der wächst stetig und will bedient werden. In Deutschland werden jährlich 28 Mio Schweine gemästet, aber gut die doppelte Menge geschlachtet und vermarktet. Fleisch und Fleischerzeugnisse werden weltweit exportiert – Tendenz steigend. Ein Paradigmenwechsel bei den Ernährungsgewohnheiten insbesondere der Wohlstandsgesellschaften wäre dringend notwendig, ist jedoch als globaler Trend nicht zu erkennen. Diese Fakten mag man nicht mögen – aus der Wahrnehmung verdrängen sollte man sie nicht. Denn daraus ist abzuleiten, dass Großstallanlagen in der von uns überschaubaren Zukunft global zur dominierenden Haltungsform für Nutztiere werden. Diese absehbare Entwicklung ist nicht wegzudiskutieren, und sie bildet mittelfristig eines der weitesten und schwierigsten Handlungsfelder beim Ringen um eine nachhaltige und umfassende Verbesserung des Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutzes. Hierauf zielende Strategien dürfen nicht die Lebenswirklichkeit ignorieren. Sie müssen zielführend, dabei auch konsensfähig sein und Breitenwirkung entfalten können. Die bislang von den BUND-Aktivisten und einigen ihrer Gefolgsleute betriebene Verhinderungspolitik einschließlich der Desinformation der Bevölkerung sind da sicher der falsche Weg.
Deren primär mit Ängsten geschürter Widerstand gegen die ökologische und ökonomische Fortentwicklung unserer Landwirtschaft ist absolut kontraproduktiv. Er wird nämlich dazu führen, dass die konventionelle Fleischerzeugung aus dem bezüglich Tier- und Umweltschutz am stärksten kontrollierenden EU-Staat Deutschland in’s Ausland, primär in den osteuropäischen Raum, verdrängt wird. Dort werden dann berufsfremde Kapitalanleger wie Pilze aus dem Boden schießende "Produktionsanlagen" betreiben, in welchen die Tiere ohne Auflagen, außerhalb jeglicher Kontrolle oder bestenfalls unter korrumpierbarer Aufsicht gehalten werden. Das erzeugte Fleisch wird nach Belieben deklariert, exportiert und auch auf deutschen Tellern landen. Somit erweist eine kleine Schar von Aktivisten, die nach meiner Wahrnehmung weder zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Problematik bereit noch zu strategischem Denken im vorgenannten Sinne befähigt ist, den Tieren, der Umwelt und auch den Menschen einen Bärendienst.
Aus den vorgenannten Gründen muss es uns m.E. primär darum gehen, die Lebensbedingungen der Tiere in den heimischen Großstallanlagen durch technische und infrastrukturelle Innovation stetig zu verbessern und daraus für eine internationale Anerkennung taugliche Standards abzuleiten. Zugleich gilt es, intensive Tierhaltungsformen bezüglich möglicher Nebenwirkungen auf Umwelt und menschliche Gesundheit zu untersuchen und erff. Verfahren zu entwickeln, um Gefahren auszuschließen. Die destruktiven Strategien des BUND und seiner m.E. irregeführten Anhänger sind jedoch geeignet, genau diese Bestrebungen hierzulande schon im Ansatz zu ersticken.
Hans Schommer
Hohenbollentin

In der von uns überschaubaren Zukunft werden also Großstallanlagen (Mega-Ställe) global zur dominierenden Haltungsform für Nutztiere werden?
In Deutschland gilt für Mega-Anlagenvon über 2.000 Mastschweineplätzen (Schweine von 30 Kilogramm oder mehr Lebendgewicht) ein förmliches immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung.
Wie weit diese Art der Fleischproduktion sich hier langfristig durchsetzen läßt, hängt zweifelos vom mündigen Bürger ab. Es wird immer schwieriger, ihm die Nebenwirkungen der Massentierhaltung zu kleinzureden.
Der Verweis auf gesetzliche Rahmenbedingungen in anderen korrupteren Staaten erscheint mir wenig zielführend. Letztendlich würden wir so gezwungen die dort geltenden niedrigen Standarts zu übernehmen.
Da könnten wir ja gleich die Todesstrafe einführen, die vor allem in China praktiziert wird, um bessere Menschen zu erziehen...