Verkäuferin Renate Klinger (Zweite von links) sowie Annika Wilß (von links), Jenny Wegner und Birgit Rosinsky von d
Verkäuferin Renate Klinger (Zweite von links) sowie Annika Wilß (von links), Jenny Wegner und Birgit Rosinsky von der DRK-Beratungsstelle in Pasewalk stellen in der Bäckerei Zillmer die Tüten-Aktion vor. Fred Lucis
Aktion gegen häusliche Gewalt

Diese Brötchen-Tüten verstecken eine Botschaft

Schläge, sexuelle Übergriffe, Psycho-Terror – vor allem Frauen werden Opfer häuslicher Gewalt. Die DRK-Beratungsstelle Pasewalk hat eine originelle Aktion gestartet.
Pasewalk

In den Bäckereien Zillmer und Kurzweg in Pasewalk, Deuse in Strasburg sowie Reichau in Grambin und Ueckermünde kommen Brötchen in den kommenden Tagen nicht in gewöhnliche Tüten. Vielmehr erhalten Kunden eine Tüte mit der Aufschrift „Gewalt kommt bei uns nicht in die Tüte“. Transportiert wird damit nicht nur diese Botschaft, auf der Rückseite sind zudem Ansprechpartner wie Beratungsstellen des Hilfenetzes im Landkreis Vorpommern-Greifswald mit Telefonnummern und E-Mail-Adresse aufgelistet.

Insgesamt werden bei der Aktion so rund 9.000 Tüten verteilt. „Die Bäckereien haben sofort zugesagt, mitzumachen. Mit der einwöchigen Aktion gegen häusliche Gewalt wollen wir auf das Thema aufmerksam machen und die Leute dafür sensibilisieren“, sagte Annika Wilß von der DRK-Beratungsstelle für Betroffene häuslicher Gewalt am Montag, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Häusliche Gewalt sei noch immer ein Thema, das sehr viele Menschen betreffe. Aber nur wenige würden darüber sprechen oder sich Unterstützung suchen, sagte Annika Wilß. Betroffen seien alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten.

Jede vierte Frau betroffen

In Deutschland seien durchschnittlich jede vierte Frau und ihre Kinder von häuslicher Gewalt betroffen. Die Dunkelziffer liege noch höher. Im Schnitt suche nur ein Drittel der Frauen Hilfe. „Die Zahl der Betroffenen in unserer Beratungsstelle und in anderen steigt weiterhin an. Jeder Fall ist einer zu viel“, betonte Birgit Rosinsky, die ebenfalls bei der DRK-Beratungsstelle tätig ist.

Mit etwa 90 Prozent seien hauptsächlich Frauen und Kinder Betroffene häuslicher Gewalt. Diese Gewalt müsse nicht immer körperlicher Natur sein, oftmals seien die Betroffenen psychischer Gewalt ausgesetzt. Dies beginne häufig mit Erniedrigungen, Beschimpfungen oder Schuldzuweisungen. „Charakteristisch ist eine Partnerschaft, die nicht auf Augenhöhe besteht“, erklärte Annika Wilß.

Die Beratung in der DRK-Einrichtung sei wie bei anderen vertraulich, kostenlos und auf Wunsch anonym. Neben einer Krisenintervention umfasse die Beratung auch die Planung einer weiteren Lebensperspektive, Hilfe bei der Wohnungssuche, die Organisation sicherer Unterkünfte oder auch die Begleitung bei der Durchsetzung von Rechten.

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