Reger Gedankenaustausch
Diese Ideen haben die Pasewalker für ihre Stadt

Die Marktstraße vor dem Polizeihauptrevier wird stark frequentiert. Dort sollte ein Fußgängerschutzweg angelegt werden, hieß es aus den Reihen der Gäste.
Die Marktstraße vor dem Polizeihauptrevier wird stark frequentiert. Dort sollte ein Fußgängerschutzweg angelegt werden, hieß es aus den Reihen der Gäste.
Rainer Marten

Pasewalk richtete das 1. Stadtgespräch aus, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Rund 50 Gäste kamen und einige mit passablen Ideen. Die Diskussion geht weiter, vielleicht lässt sich einiges sogar verwirklichen.

Man merkte Pasewalks Bürgermeisterin Sandra Nachtweih Minuten vor dem Beginn des 1. Stadtgespräches an, dass der Abend ihre Nerven kitzelte. „Aufgeregt? Immer!“, antwortete sie. Rund 50 Gäste hatten im Saal Platz genommen. Pasewalker und Leute von außerhalb waren gekommen. Vorab kann niemand sagen, wie so eine offene Gesprächsrunde, in dieser Form erstmals in Pasewalk organisiert, abläuft. Das Prinzip lautet: Jeder darf etwas sagen. Aber einer hat trotzdem das Zepter in der Hand! Mit Moderatorin Sandra Holtermann von dem Berliner Unternehmen Planpolitik hatten die Organisatoren eine Frau ins Boot geholt, die nicht nur locker drauf ist und Pasewalk ein wenig kennt, sondern vor allem ihre Aufgabe im Führen der Gespräche sieht. Ohne Partei zu ergreifen.

Tatsächlich: Die Pasewalker reden gern!

Alle waren neugierig, ob sich an diesem Abend bestätigen würde, was Stadtpräsident Norbert Haack bei seiner Begrüßung andeutete: Dass die Pasewalker gerne reden! Auf den Mund gefallen waren jene wirklich nicht, die sich zu Wort meldeten und rotierend im Podium sitzen durften. Der erste Redner hat es natürlich am schwersten. Mit Pasewalks Wehrführer Marko Freuer war es jedoch ein Pasewalker, der Konkretes auf dem Herzen hatte: Auch wenn die Feuerwehr rund 100 Mitglieder zählt und 54 im aktiven Dienst geführt werden, sind nur zwölf wirklich für einen Einsatz in der Schwerpunktzeit von 6 bis 18 Uhr greifbar, sagte er. Pasewalks Stadtpolitiker müssen deshalb nachhaltiger um den Feuerwehrnachwuchs werben. Sein zweites Problem seien die derzeit vielen Straßenbaustellen in der Stadt. Sie würden es der Wehr erschweren, in der vorgeschriebenen Ausrückezeit von zehn Minuten am Ort des Geschehens zu sein. Sollten wir, so gab Pasewalks Bauamtsleiter Marko Schmidt zu bedenken, aus diesem Grund auf den Straßenbau verzichten? Alle innerstädtischen Baumaßnahmen werden gefördert, die Förderung ist mit Fristen verbunden, erinnerte er. Nein, Pasewalk müsse jetzt handeln, auch wenn es für die Bewohner und eben auch für die Wehr zeitweise schwieriger ist.

Interessante Idee für den Kürassierpark

Burkhard Gentz stellte weitere Themen in den Raum: Wie soll die einstige Gaststätte Kürassierpark entwickelt werden? Reicht die Werbung für das Lindenbad aus? Gibt es Baupläne für den Weg dorthin? Er „stolperte“ über die Standorte der Bänke in einer immer älter werdenden Stadt und über den holprigen Radweg in Richtung Krankenhaus.

Beim Thema Kürassierpark hakte Johannes Grashof nach: Das Gebäude sei eine offene Wunde! Stadtgeschichtlich wertvoll sei der zunehmende Verfall unübersehbar. Pasewalk sollte einmal folgende Idee weiter entwickeln: Nach der Schenkung der Kunstsammlung einer Berliner Familie an Pasewalk (700 Grafiken, 84 Künstler, größtenteils DDR-Zeit) würde sich das historische Gebäude sehr gut als Ausstellungshalle und Forschungsstelle für Kunst der DDR-Zeit eignen. Pasewalk wäre die erste Stadt, die das anstreben würde. Mit der Schenkung verfüge die Stadt über einen guten Grundstock. „Genau das sind Ideen, die wir brachen“, kommentierte der Bauamtsleiter den Vorschlag.

Im Laufe des Abends gab es Vorschläge für einen Fußgängerschutzweg in der Marktstraße, dringende Sanierungsarbeiten in den Kindereinrichtungen, für einen Bolzplatz am Hort. Besucher fragten zum Stand des Freizeitzentrums in der Oststadt und einer engeren Einbindung der Kleingärtner in das städtische Leben nach.

Ohne Zweifel: Am Abend entwickelte sich ein reger Gedankenaustausch. Die Ideen wurden schriftlich festgehalten, jetzt beginnt die Gewichtung. Einig waren sich alle: Es soll ein 2. Stadtgespräch geben. Im Herbst.