POLNISCHE MELKER IN NEUENSUND

Diese Jungs verzichten auf die Heimfahrt

Die großen Milch- und Tierproduzenten sorgen sich um ihre Arbeitskräfte. denn eine Infektion mit dem Corona-Virus würde ganze Betriebsabläufe stilllegen. In Neuensund verzichten bereits Melker aus Polen auf ihre Heimreise.
Norbert Piorowski (links) und Tomasc Dec pendeln aus Polen nach Neuensund und fahren normalerweise nach vier Wochen nach Hause
Norbert Piorowski (links) und Tomasc Dec pendeln aus Polen nach Neuensund und fahren normalerweise nach vier Wochen nach Hause. Jetzt bleiben sie wegen der Corona-Pandemie vor Ort. Ulrike Müller
Die vier Kinder der Familie Backx lieben es, sich auf dem Hof zu beschäftigen. Wegen der Kontaktsperre gehen die Kleinen
Die vier Kinder der Familie Backx lieben es, sich auf dem Hof zu beschäftigen. Wegen der Kontaktsperre gehen die Kleinen nicht in die Kita. Ulrike Müller
Neuensund.

Karin Backx aus Neuensund weiß gerade nicht, wo ihr der Kopf steht. Vier kleine Kinder wuseln täglich um sie herum. Die drei Jungen und das Mädchen schickt sie zurzeit nicht in die Kita, obwohl eine Notfallversorgung in der Stadt eingerichtet ist. Als Landwirtin mit einem Milchproduktionsbetrieb gilt sie als „systemrelevant“ und bekäme auch in der Corona-Krise Plätze für die Lütten.

Die Landwirtin sorgt sich aber eher um die 20 Mitarbeiter auf ihrem Milchhof, die sich anstecken könnten. Und dann müsste das gesamte Team in Quarantäne. 900 Kühe wollen versorgt werden. Die Nachzucht kommt noch hinzu. Dreimal täglich werden die Milchkühe gemolken, fast rund um die Uhr. Die letzte Schicht beginnt 21 Uhr.

Heimfahrt nach Polen würde Quarantäne bedeuten

Ist die Arbeit erledigt, macht sie Hausaufgaben mit ihrem Siebenjährigen, dem ältesten der Geschwister. Die anderen toben am liebsten über den Hof, mit Minitraktoren und Bobbycars. Oma und Opa wohnen zum Glück im Ort und haben sich isoliert, um auch einmal die Kinder zu sich zunehmen. Dann können Karin und ihr Mann Arjan Backx nach dem Rechten sehen und sich um Tiere und Mitarbeiter kümmern. Denn der Hof will geführt werden.

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Dort arbeiten auch sieben Polen. Einer von ihnen hat sich schon in Deutschland niedergelassen. Die anderen pendeln und haben ihre Familien im Nachbarland. Alle vier Wochen wechseln sie sich – normalerweise – ab. Und bleiben dann zwei bis drei Wochen bei ihren Familien. Jetzt bleiben sie generell in Neuensund. Die Gefahr, Viren mitzubringen, ist einfach zu groß. Außerdem müssten sie in Polen nach einer Einreise zwei Wochen in Quarantäne. Da hätten sie auch von den freien Tagen nichts.

Milchtankstelle erfreut sich steigender Beliebtheit

Familie Backx beobachtet aktuell aufmerksam den Milchmarkt. Wie entwickelt sich der Export aus Deutschland wegen der Corona-Krise? Die Nachfrage wird weiter bleiben. Doch wenn die Grenzen für Lieferanten zugemacht werden, würden sie auf ihrer Milch sitzen bleiben und der Preis könnte sich nicht halten. „Das schlimmste“, sagt Karin Backx, „ist die Panikmache“. Denn keiner weiß, wie es ausgeht.

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Die Milchtankstelle, neu auf dem Hof eingerichtet, erfreut sich steigender Beliebtheit. Mit der Corona-Krise sei die Nachfrage stark gestiegen. Und Karin und Arjan Backx hoffen, dass die Wertschätzung von Regionalität bei den Bürgern mit der Krise steigt.

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