CARITAS

Dieses Trio bringt Licht in deutschen Behörden-Dschungel

Oft haben selbst wir Muttersprachler Schwierigkeiten, das Behördendeutsch zu verstehen. Wie soll es dann erst Leuten gehen, die neu nach Deutschland kommen? Erste Anlaufstelle für diese Menschen sind die Migrationsdienste der Caritas in Pasewalk.
Romy Tölk (von links), Kerstin Seeger und Gianni Turitto sind bei der Caritas in Pasewalk beschäftigt. Zum 5. bundes
Romy Tölk (von links), Kerstin Seeger und Gianni Turitto sind bei der Caritas in Pasewalk beschäftigt. Zum 5. bundesweiten Aktionstag der Migrationsberatungsstellen öffneten auch sie ihre Bürotüren. Rita Nitsch
Pasewalk.

Gerade erst hat eine Familie aus Nigeria in der Migrationsberatungsstelle der Caritas in Pasewalk Rat gesucht. Mitgebracht hatte sie ein Schreiben des Jobcenters. Die Familie hat ohnehin Schwierigkeiten, Deutsch zu verstehen. Mit diesem Behördendeutsch war sie dann völlig überfordert. Doch zum Glück gibt es Kerstin Seeger und Gianni Turitto, die sich solcher und ähnlicher Probleme annehmen und helfen, wo sie können. Die eine berät Erwachsene mit Migrationshintergrund, der andere ist für junge Leute zwischen 12 und 25 Jahren da. Die beiden haben im vergangenen Jahr mehr als 120 Erwachsene und 73 Kinder betreut. Die Ratsuchenden kamen aus 18 Staaten, unter anderem aus Eritrea, Ghana, dem Iran, der Türkei, aus der Ukraine und aus Polen.

Jeder Fall bedarf einer individuellen Betreuung

„Jeder Fall ist einzigartig. Jeder bedarf einer individuellen Betreuung, oft über einen langen Zeitraum. Die Komplexität der Fälle steigt ständig“, erzählt Kerstin Seeger. So sei der Bedarf an Beratungen im vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen. Als Migrationsberater müsse man sein Gegenüber allerdings nicht nur verstehen können, sondern auch den deutschen Behördendschungel durchblicken. „Wir sind in Pasewalk gut mit Behörden und anderen Entscheidungsträgern vernetzt und bemühen uns, für jeden Ratsuchenden eine passgenaue Lösung zu finden“, sagt Kerstin Seeger.

Mit im Boot sitzt auch Romy Tölk vom Bundesvorhaben „Respekt Coaches“. „Ich bin im Moment an der Pasewalker Europaschule ‚Arnold Zweig‘ und am Deutsch-Polnischen Gymnasium Löcknitz aktiv“, erzählt die junge Frau. Sie organisiere unter anderem Workshops für die Schüler. „Die jungen Leute werden von mir dabei begleitet, eine eigene Meinung zu entwickeln. Das betrifft Themen wie Ausländer- und Islamfeindlichkeit, Antisemitismus und Diskriminierung. Es geht um einen interkulturellen Dialog und demokratisches Handeln“, sagt Romy Tölk. Gern würden noch mehr Schulen ihr Angebot annehmen. „Aber mehr schaffe ich als Einzelperson einfach nicht“, räumt sie ein.

Vernetzung ist wichtig für gute Migrationsarbeit

Für die Begleitung polnischer Zuwanderer in der Region arbeitet Laura Lenard innerhalb der Migrationsstelle. Sie bietet Sprechstunden in Pasewalk und Löcknitz an. 35 Prozent der Nutzer dieses Caritas-Angebotes kommen aus Löcknitz. Das A und O der Migrationsarbeit ist die Vernetzung. So war es auch nicht verwunderlich, dass zum Tag der offenen Tür der Caritas in Pasewalk Wioletta Fial von der Torgelower Volkssolidarität vorbeischaute. „Wenn es um die Organisierung von Sprachkursen oder Veranstaltungen geht, in denen Begegnungen zwischen Einheimischen und Zugezogenen aus verschieden Ländern möglich werden, kann man gut zusammenarbeiten“, sagt sie.

 

 

Die Pasewalker Caritas lädt am Dienstag, den 24. September,  von 15 bis 18.30 Uhr zu einem Nachbarschaftscafé in den Klubraum in der Haußmannstraße 12, Hofseite, ein. Jeder ist willkommen. Es können Spezialitäten aus den verschiedenen Ländern mitgebracht werden.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Pasewalk

Kommende Events in Pasewalk (Anzeige)

zur Homepage

Kommentare (1)

Mal sehen, wie oft diese Einrichtung besucht wird. Immerhin werden schon kostenlose Deutschkurse überdurchschnittlich oft gemieden. Die Drogen müssen aber irgendwie auch an den Mann gebracht werden, siehe Berlin oder Frankfurt. Für mögliche Strafen, gebrochene Gesetze und für den Kontakt will man aber schließlich vorbereitet sein.