Ein DDR-Wartburg diente als Dienstauto von Redaktionspraktikantin Johanna. Es fuhr am Mittwoch vor dem Bürohaus am Markt
Ein DDR-Wartburg diente als Dienstauto von Redaktionspraktikantin Johanna. Es fuhr am Mittwoch vor dem Bürohaus am Markt vor. Susanne Böhm
Regieassistent Jack Rath bediente die Klappe.
Regieassistent Jack Rath bediente die Klappe. Susanne Böhm
Hauptdarstellerin Mareike Beykirch (rechts) wurde vor den Szenen in Pasewalk noch einmal nachgeschminkt.
Hauptdarstellerin Mareike Beykirch (rechts) wurde vor den Szenen in Pasewalk noch einmal nachgeschminkt. Susanne Böhm
Anwohner Wilhelm Steppan wurde kurz entschlossen Komparse und gab auch gleich ein kleines Radiointerview.
Anwohner Wilhelm Steppan wurde kurz entschlossen Komparse und gab auch gleich ein kleines Radiointerview. Susanne Böhm
Mehrmals fiel die Klappe am Mittwoch vor dem ehemaligen Bürohaus am Markt in Pasewalk.
Mehrmals fiel die Klappe am Mittwoch vor dem ehemaligen Bürohaus am Markt in Pasewalk. Susanne Böhm
René Kobolla hatte seine Gaststätte Heidemühle zur Verfügung gestellt. Er ließ sich interviewen.
René Kobolla hatte seine Gaststätte Heidemühle zur Verfügung gestellt. Er ließ sich interviewen. Susanne Böhm
Und Action!

▶ Dreharbeiten für Kinofilm sorgen in Pasewalk für Aufsehen

Das ehemalige Bürohaus am Markt in Pasewalk war am Mittwoch Drehort für den Kinofilm "Schlamassel". Ein Schaulustiger durfte sogar kurzerhand mitspielen.
Pasewalk

Dass er noch mal im Kino groß rauskommen würde, hätte sich Wilhelm Steppan nicht träumen lassen. Der 84-jährige wollte am Mittwoch bei den Dreharbeiten für den Film „Schlamassel“ in Pasewalk eigentlich nur zusehen. Dann fragten ihn die Filmemacher, ob er einmal durchs Bild laufen könnte – und schon war er Komparse. „Hat Spaß gemacht“, sagte er.

Mit zehn Lkw und Pkw voller Kostüme, Masken-Utensilien, Kamera-, Licht- und Aufnahmetechnik war das 36-köpfige Filmteam in Pasewalk angereist. Es drehte im und vor dem ehemaligen Bürohaus am Markt. Eine Szene spielte im als Seniorenheim genutzten Seitenflügel des Gebäudekomplexes, eine andere im großen Veranstaltungssaal. Schaulustige lockte eine Szene vor dem Haus an.

Redaktionspraktikantin Johanna, gespielt von Mareike Beykirch, fuhr in einem DDR-Wartburg als Dienstwagen des Märkischen Blatts vor, stieg aus und ging die Treppe hoch ins Haus. Drei Mal wurde die wenige Sekunden lange Szene gedreht. Allein das dauerte rund eineinhalb Stunden.

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Der Besitzer der Heidemühle staunte über den Aufwand

Das Bürohaus war eine von insgesamt 35 Locations in 27 Drehhorten, an denen die Filmleute die Zeit zum Jahr 1996 zurückdrehten. So hatte René Kobolla seine Ausflugsgaststätte Heidemühle bei Fahrenwalde zur Verfügung gestellt. Auf dem Friedhof in Fahrenwalde wurde die Beerdigung von Johannas Oma gespielt, in der Gaststätte das anschließende Traueressen.

„Ich durfte nichts verändern. Die Filmleute wollten, dass alles exakt so bleibt, wie es ist“, erzählte Kobolla. Den Unternehmer beeindruckte der Aufwand, den das Produktionsteam betrieb. „Die haben das ganze Haus ausgeleuchtet. Das sah um 20 Uhr noch aus, als wenn die Mittagssonne scheint. An einem Tag wurden 150 KW Strom verbraucht. Ich habe immer auf den Stromzähler geguckt und gestaunt.“

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In Rothemühl hatte ein Ehepaar sein knapp 100 Jahre altes Haus zur Verfügung gestellt, das noch den typischen grauen Rauputz vorzuweisen hat. „Wir hatten den Leuten einen Zettel in den Briefkasten geschmissen, und sie haben sich tatsächlich gemeldet. Dort haben wir zwei Wochen lang gedreht, und die Leute haben die ganze Zeit weiter in dem Haus gewohnt“, berichtete Produktionsleiter Paul Dehn.

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Auch im Löcknitzer Gymnasium wurde gedreht

Im Deutsch-Polnischen Gymnasium in Löcknitz wurde eine Krankenhauszene gedreht, ein Heizhaus neben der Schule diente als Lokalredaktion, zwei leerstehende Wohnungen in einem Plattenbau sowie der Neue Markt in Pasewalk und ein Autohaus in Löcknitz waren ebenso Drehorte.

„Wir waren überrascht vom Charme der Leute hier, wie aufgeschlossen sie sind und wie bereitwillig sie ihre Vorgärten und Wohnzimmer zur Verfügung stellten. Die Komparsen haben so viel Enthusiasmus eingebracht. Da sind Freundschaften entstanden“, sagte Paul Dehn.

Voraussichtlich bis zum 31. März bleiben die Kinomacher, die überwiegend aus Berlin und Hamburg kommen, noch in der Gegend. In dieser Woche sollen noch Straßenszenen in der Pasewalker Oststadt und in der Innenstadt gedreht werden.

Wann der Film von Regisseurin Sylke Enders in die Kinos kommt, ist unklar. Die Corona-Schließungen haben die ganze Branche erheblich zurückgeworfen, sagte Paul Dehn.

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